Sonntag, 20. april 2008

70

Was sehe ich, wenn ich um mich herum blicke? Verfall, Agonie, das Recht des Stärkeren und Gewalt, aber auch Gleichgültigkeit. Oder ist es womöglich Resignation? Können wir noch etwas lernen? Und was? Von wem? Wer bietet die Aussicht auf eine bessere Welt ohne Hunger, Krieg und Schreckensherrschaften?

Parteien und Politiker? Nein, die bestimmt nicht.
Staaten? Ich denke nicht. Die Vereinigten Staaten haben komplett abgewirtschaftet, erst moralisch, dann militärisch und jetzt ökonomisch. Diesem Land stehe ich allerhöchstens noch fünfzig Jahre Siechtum zu. Das war es dann auch.
Europa? Alt oder neu? Nein, keine Chance.
Die Chinesen vielleicht? Menschen mit Panzern überrollen, sie in Arbeits- und Umerziehungslager verschleppen, sie durch Todesurteile eliminieren, Meinungen unterdrücken, Parolen und Drohungen ausstoßen - das hat die Welt schon lange vorher durch die Europäer erlebt.
Dann die Rückbesinnung auf religiöse Werte? Bloß das nicht. Dogmatismus wäre der völlig falsche Weg.

Wer verheißt uns eine glücklichere Zukunft?

Der Dalai Lama? Der ist zwar friedlich, aber weltfremd, so scheint mir. Womöglich ist er selbst seiner Zeit um zweitausend Jahre voraus. Also wer? Ich denke, nur wir selbst. Durch Nachdenken, Mitfühlen, Bescheidenheit, Zivilcourage und Entschlossenheit. Friedlich, aber nicht wehrlos. Schließlich wehrt sich jedes Lebewesen, wenn es angegriffen wird. Sogar ein zahnloser Fisch beißt in solchen Fällen zu. Wehren sollten wir Menschen uns auch. Friedlich, aber konsequent!

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Kultur-Schock
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Freitag, 18. april 2008
68

Nur wer bereit ist, unter Teppiche zu schauen, der sieht auch die Welt aus der Perspektive eines Staubpartikels.           (Franz Krämer)
von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Balance
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Samstag, 5. april 2008
57

Wer surft, stößt oft auf sittenwidrige oder gar kriminelle Angebote. Gerade habe ich mehrere Seiten entdeckt, deren Inhalte auf das Bewerben und Vermitteln von Schneeballsystemen ausgelegt sind. Zu finden unter:

http://de.over-blog.com/com-1037698828/Taschengeld.html,
http://de.over-blog.com/com-1037644700/Reich_werden.html,
http://de.over-blog.com/com-1039798016/_Schlau_wir_der_Fuchs_.html

u.v.a. - Geradezu ein wahres Netz, das sich über over-blog hinweggezogen hat.

Kurz und bündig. Habe alles abgespeichert, der Over-blog-Administration und Staatsanwaltschaft in Münster darüber Mitteilung gemacht. Jetzt sind die an der Reihe, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Mal sehen wie schnell das geht.
von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Lebensalltag
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Freitag, 4. april 2008

52

Sport!?! Sport ist Mord fiel mir bislang stets zu diesem Begriff ein. Obwohl auch ich Sport treibe, aber in Maßen, amateurhaft, laienhaft eben, also nicht professionell. Sieht die Öffentlichkeit von ein paar Ausnahmen (Doping und Vorerkrankungen) mal ab, dann ist diese Weisheit natürlich auch übertrieben. Aber darauf wollte ich eigentlich gar nicht hinaus.

Mein Lebensgefährte, ein leidenschaftlicher Anhänger des ruhmreichen Fußballclubs Borussia Mönchengladbach, klagte mir jüngst sein Leid. Nein, nicht wegen des Tabellenplatzes. Schließlich steht sein Verein auf dem ersten Platz (der Zweiten Liga!!!), und seine Mannen haben am vergangenen Wochenende auch gewonnen. Und nicht nach einer 4:0 Führung noch 4:5 verloren, wie es der Titel vermuten läßt. Nein, es stört ihn etwas anderes, was auf lange Sicht sein Interesse am Fußball gänzlich untergraben könnte. Wahrscheinlich geht das auch anderen Fans so. Da das, was er zunächst seinen Freunden erzählte, und ich mithören durfte, selbst derart interessant finde, dachte ich mir, die wesentlichen Passagen der Diskussion zu veröffentlichen. Natürlich mit dem Einverständnis meines Lebensgefährten und seiner Freunde. Ich bin gespannt wie hoch die Resonanz auf diesen Beitrag sein wird.

Zu Beginn behauptete mein Lebensgefährte, daß es seit einigen Jahren vermehrt auffällige Ereignisse gebe, die sich bei Fußballspielen in den ersten und zweiten Ligen im In- und Ausland ereignen würden. Zum Beispiel läßt ein Torhüter den Ball unerwartet fallen, woraus ein Gegentor resultiert; ein Spieler benutzt unerklärlicherweise zur Abwehr einer Flanke seine Hände und verursacht damit einen Elfmeter; ein Stürmer köpft oder schießt ein komisches Eigentor; das Zeigen einer Roten Karte wird ohne Not provoziert, seltsame Verletzungen mit urplötzlichen Genesungen. Mannschaften oder eine Gruppe von gleichstarken Mannschaften verlieren oder gewinnen gerade dann (gleichzeitig), wenn es vollkommen unerwartet ist, und daraufhin die Tabellensituation insgesamt wieder spannender wird. Abstieg und Meisterschaft scheinen plötzlich wieder offen zu sein. Mein Lebensgefährte betont, daß es solche Vorkommnisse und Überraschungen auch schon vor zwanzig, vierzig, sechzig oder hundert Jahren gegeben habe. Aber nicht derart gehäuft! Heute verginge kaum ein Spiel ohne eines oder mehrerer solcher Ereignisse. Ich glaube, er muß es wissen, denn er beschäftigt sich mit dem Thema, worauf dieser Beitrag abzielt, beruflich.

Hierzu möchte ich neun stellvertretende Beispiele anführen:

1. Bei einem wichtigen Europapokalspiel zwischen Werder Bremen und Juventus Turin fängt der Torwart der deutschen Mannschaft den Ball sicher, setzt zu einer Rolle vorwärts an und verliert dabei den Ball, was zu dem alles entscheidenden Gegentreffer führt. Machogehabe?

2. Bei einem Meisterschaftsspiel der türkischen Süperlig zwischen Fenerbahce Istanbul und Konyaspor (Saison 2006/2007) vergeben die Stürmer beim Stande von 3:0 reihenweise beste Einschußmöglichkeiten. Aber nicht, weil sie von Gegenspielern daran gehindert werden oder weil die Positionen ungünstig sind. Nein, die Spieler brechen sich beinahe die Beine, um ja nicht schießen zu müssen bzw. sie schießen so schwach, daß der Ball unterwegs einzuschlafen droht - aus 10, 5, 3 ... Metern. Unvermögen?

3. Beim diesjährigen Premier-League-Spiel zwischen Arsenal London und Manchester United steht es bis 10 Sekunden vor dem Pausenpfiff 0:0, obwohl beide Mannschaften Torchancen hatten. Mit dem letzten Angriffszug fällt dann aus heiterem Himmel das 0:1, was wenige Minuten nach Wiederanpfiff egalisiert wird und der Stand von 1:1 bis zum Ende des Spiels bleibt (trotz zahlreicher Torchancen hüben wie drüben). Zufall?

4. An den meisten Spieltagen der zweiten französischen Liga (Saison 2006/2007) fielen in den meisten Spielen weniger als drei Tore; hin und wieder kam bzw. kommt es vor, daß zur Halbzeit insgesamt weniger als 3 oder 4 Tore (von zehn Spielen) gefallen sind. Weniger als 3 Tore heißt im Wettjargon "unter Tore".

5. Beim kürzlichen Telekom-Bundesligaspiel zwischen LASK Linz und Rapid Wien fallen insgesamt acht Tore (Endstand 4:4). Linz führt 2:1, 3:2 und 4:3. Die letzte Führung gilt auch noch in der letzten Spielminute. Als allerletzte Aktion bekommt der Gast einen Freistoß zugesprochen. Ein direkter Schuß verbietet sich, es muß geflankt werden. Also flankt der Rapidspieler in die Mitte und per Kopf oder Fuß verlängert ein Mitspieler den Ball ungehindert ins Tor und markiert damit den Ausgleich. Ungehindert, weil alle zehn Gegenspieler herausgelaufen sind, um auf Abseits zu spielen. Wirklich Zufall?

6. Vor wenigen Tagen führte der FC Barcelona bei Betis Sevilla mit 2:0. Die Gäste waren haushoch überlegen. In der zweiten Halbzeit trat plötzlich eine Veränderung ein, aber ohne, daß die Hausherren stärker geworden wären. Die Folge dieser Veränderung (das große Barcelona war von jetzt auf gleich ängstlich geworden ?) waren drei Gegentreffer. Das Spiel ging verloren. Wirklich Zufall? 

7. Beim gestrigen UEFA-Pkal-Hinspiel zwischen dem FC Bayern München gegen den FC Getafe fällt in der allerletzten Spielminute der Ausgleich zum 1:1 durch die Spanier. Wirklich Zufall?

8. Beim Champions-League-Finale 2005 führt der AC Mailand mit 3:0 (!) gegen den FC Liverpool. Am Ende steht es 3:3, Verlängerung, Elfmeterschießen, Liverpool verläßt als Sieger den Platz. Wirklich Zufall?

9. Beim Ligaspiel (Saison 2007/08) zwischen dem Ersten Red Bull Salzburg und einem Verfolger namens Rapid Wien werden sage und schreibe sieben Tore geschossen. In das Salzburger Tor! Mit diesem Sieg zieht Rapid kurz vor Saisonende in der Tabelle an Salzburg vorbei. Und?

Ereignisse dieser und anderer Art ließen sich auch aus Greichenland, Italien, der Schweiz, Tschechien, Portugal, Dänemark, Rußland u.a. europäischen und außereuropäischen Ländern dokumentieren.

Was haben solche Ereignisse auf den ersten Blick alle gemein?

Sie erhöhen den Unterhaltungswert eines Fußballspiels sowie einer -saison. Schließlich geht man doch gerne ins Stadion oder setzt sich vor den Fernseher, wenn viele und womöglich kuriose Tore fallen. Wenn nicht nur die Favoriten gewinnen, sondern auch die Außenseiter eine Chance haben. Das bringt Fun, Spannung, Heiterkeit, treue Zuschauer und Lust auf mehr.

Was bedeutet der Einbruch der Unterhaltungsphilosophie in den Fußballsport?

Zunächst einmal bedeutet mehr Unterhaltung mehr Medienpräsenz, mehr Vermarktung, v.a. mehr Werbung, Merchandising, mehr Geld, höhere Profite. Es entsteht ein milliardenschwerer Markt. Hier läßt sich richtig "leichtverdiente" Kohle machen. Mit relativ geringem Aufwand.

Welche Konsequenz bringt diese enorme Wirtschaftlichkeit mit sich?

Diese Profitmaximierung zieht natürlich selbstredend auch kriminelle Subkulturen an. In erster Linie denke ich da an die massenhaften Wettanbieter und an die Personen, die mittels eines solchen Angebots dank ihrer Einflußmöglichkeiten (Verbände, Funktionäre, Vereinsvorstände, Manager, Spielerberater, Schiedsrichter, Spieler, Vereinskapitaleigner, Sponsoren, Mäzene, Geldwäscher, Drogendealer, das organisierte Verbrechen wie z.B. die Mafia etc.) versucht sein könnten, sich ein großes Stück vom Kuchen abschneiden zu wollen. Korruption und Wett- sowie Spielmanipulationen gibt es nicht erst seit gestern, aber mit der Liberalisierung des Fußballsports (Einkaufen in Sportvereine, siehe Chelsea London, FC Liverpool, Zenit St. Petersburg oder Quasi-Einkaufen, siehe TSG Hoffenheim, Schalke 04 u.v.a.) und des Wettgeschäfts wird der Profifußball seinen sportlichen Charakter und seine sozio-kulturelle Vorbildfunktion einbüßen. Wettskandale in Italien (Juventus Turin u.a., noch immer nicht abgeschlossen), Belgien, Deutschland (der Fall Hoyzer) und neuerdings in Portugal (FC Porto) stellen nur die Spitze des Eisbergs sowie lediglich eine Momentaufnahme dar.

Warum zieht man seitens der sportlich verantwortlichen nicht die Reißleine?

Das liegt zum einen daran, daß die Lobby der Unterhaltungsindustrie fast schon übermächtige Positionen besetzen in den Medien, im Bereich Sport, aber vor allem in Justiz, Politik und Verwaltung. Das erkennt man daran, daß in Deutschland der neue Glücksspielstaatsvertrag, der privaten Wettanbietern ihr Geschäft verbietet, gültig seit dem 1.1.2008, von der EU torpediert und in Deutschland selbst gar nicht umgesetzt wird. Damit läuft der Schutz von Wettabhängigen absolut ins Leere. Auch die DFL, der DFB und andere Fußballverbände sind nicht geneigt, einzugreifen, weil schließlich will man sich nicht den Ast absägen, auf dem man selbst sitzt. Fernseheinnahmen in Millionenhöhe wären gefährdet, damit die eigene Position, das Ansehen etc.

Was sind die mittel- bis langfristigen Folgen?

Last but not least bleibt der sportliche Wettbewerb auf der Strecke. Einzelne Spiele und Spielsaisons verkommen zu reinen Unterhaltungsveranstaltungen, die allerdings keine Aussagekraft mehr besitzen über die sportliche Leistungsfähigkeit eines Teams oder gar einer Region/ Landes. Ein Beispiel: Der österreichische Fußball liegt im internationalen Vergleich deshalb so auf dem Boden, weil das Unterhaltenwollen jeglichen Anreiz nimmt, kontinuierlich sportliche Bestleistungen zu erbringen. Was dazu führt, daß es keinen allgemeingültigen Leistungsmaßstab mehr gibt. Die Ergebnisse der österreichischen Fußballnationalmannschaft im Vorfeld der EM 2008 sprechen dafür Bände (natürlich gibt es auch noch andere Gründe).

Fußball mag zwar jetzt unterhaltender sein als Micky Mouse in Disneyland, aber seinen Reiz wird es seiner Meinung nach in spätestens zehn Jahren bei ehrlichen Sportfans eingebüßt haben. Das meint mein Lebensgefährte und befürchtet, daß er nicht eines allzu fernen Tages mitansehen müßte wie seine - hinter mir natürlich!!! - heißgeliebte Borussia auf den Wink irgendeines einflußreichen oder reichen oder verbrecherischen oder nur dummen Menschen hin gewinnen darf oder verlieren muß. Hoffentlich wird dieser Zeitpunkt soweit hinausgezögert wie nur möglich. Denn er möchte noch lange Freude haben an seinem Team, am Fußballsport und seiner Arbeit.

P.S.: Mein Lebensgefährte vermutet, daß an diesem Wochenende der 1.FC Nürnberg auswärts gewinnt, und Arminia Bielefeld zu Hause verliert. Darauf hält er fast jede Wette. Wetten?

Nachtrag 7.4.2008:
Nürnberg gewinnt 3:1, Bielefeld gewinnt und dank eines katastrophalen Torwartfehlers durch ein Tor in der Nachspielzeit mit 1:0

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Lebensalltag
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Freitag, 4. april 2008

51

Wenn anschließend auch der Konjunktiv regieren wird, es bleibt die Gewißheit, denn die Erfahrungen aus der Menschheitsgeschichte sprechen für sich.

Der einzige Grund, warum Adolf Hitler, Staats- und Regierungschef des damaligen nationalsozialistischen Deutschen Reiches, nicht Bündnispartner der einzig wirklichen Weltmacht USA geworden ist, lag daran, daß er einen eigenen Weltmachtanspruch formuliert hatte. Hätte er dies nicht getan und erst recht nicht den zweiten Weltkrieg ausgelöst, dann wäre er womöglich Jahre später Seite an Seite mit Präsident Eisenhower oder Truman gegen die kommunistische Sowjetunion marschiert. Trotz der von den Deutschen ermordeten Juden, Sinti und Roma, geistig und körperlich Gehandicapten, sog. "Asozialen", Andersdenkenden etc.

Was sagt uns das? Nun, das Weltmächte oder Mächte, die es werden wollen, keine Skrupel kennen, um das Ziel zu erreichen oder den Status Quo zu erhalten oder in ihrem Sinne auszubauen. Historische Beispiele: Hitler-Stalin-Pakt (40er Jahre), Sowjetunion-Ostblockländer (50er bis 90er Jahre), USA-Pinochet-Regime (70er Jahre Chile), USA-Mobutu-Regime (70er/89er Jahre Zaire, heute Kongo), USA-Saddam Hussein (80er Jahre Irak), USA-Contra-Paramilitärs (80er Jahre Nicaragua), China-Sudan-Regime (neues Jahrtausend/Darfur-Konflikt) u.v.m.

Was sagt uns das noch? Vor solchen menschenverachtenden Bündnissen wird die Menschheit auch in der Zukunft nicht gefeit bleiben, wenn sie sich weiterhin so passiv verhält als ginge ihnen dies nichts an. Freiheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit, kurz: die Bewahrung der Menschenwürde, sind nämlich nicht an Nationalitäten, Glaubensbekenntnissen, Wohlstand oder anderen Faktoren gebunden außer an Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem (menschlichen) Leben. Vieles hätte uns bereits erspart bleiben können, und Vieles könnte uns erspart bleiben.

 

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Mehr menschlichkeit
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Mittwoch, 2. april 2008

50

Ob es schick ist oder nicht, das sei mal dahingestellt. Aber Tatsache ist, daß die Medien seit geraumer Zeit etwas tiefgreifender über die Wirklichkeit berichten. Sie beleuchten, hinterfragen wäre wohl zuviel des Guten, nämlich die Folgen kapitalistischer Wirtschaftsweisen in Verbindung oder vor dem Hintergrund westlich demokratischen Denkens.

Dazu findet sich in der ZEIT Nr. 14 vom 27. März 2008 ein hochinteressanter Artikel unter dem Titel "Der grosse Ausverkauf". Darin wird zunächst der Rahmen der kapitalistischen Marktideologie anhand von zeitgenössischen Beispielen beschrieben, bevor im hinteren Teil Schlußfolgerungen "Wie man weiß, besitzt der Kapitalismus ein großes Talent dafür, die sozialen und seelischen Nebenkosten seiner Selbstentfaltung abzuwälzen und unsichtbar zu machen. In Krisentagen ist stets jemand anderes schuld, zum Beispiel die Trägheit der Seelen oder die Selbstsucht des Managers, die saumselige Gesellschaft oder der faule Arbeitslose."(Zitat 1 Seite 50, 4. Spalte, 2. Absatz), "Auch das Ansehen demokratischer Institutionen bröckelt besorgniserregend. Vor allem der Bundestag musste einen dramatischen Prestigeverlust hinnehmen, weil immer weniger Bürger glauben, die Demokratie sei in der Lage, die sozialen Probleme des Landes zu lösen." (Zitat 2 Seite 50, 4. Spalte, 3. Absatz) und Rückschlüsse "Doch wer sagt eigentlich, dass westliche Demokratien auf diese neue Herausforderung genauso reagieren werden wie bei der Systemkonkurrenz mit dem Kommunismus? Wer sagt, dass sie auf die Freiheit setzen, um dem autoritären Ausbeutungskapitalismus Paroli zu bieten?... Politische Eliten und rechte Intellektuelle könnten aus der ökonomisch verursachten Legitimationskrise der Demokratie die Lehre ziehen, dass auch der liberale Kapitalismus endlich autoritärer werden und durch Demokratieverzicht neue ökonomische Triebkräfte entfesseln muss." (Zitat 3 Seite 50, 4. Spalte, 8. Absatz) "Wenn die Demokratie durch ihre langen Entscheidungsketten das Wachstum bremst und soziale Spaltung befördert, dann müssen wir über diese Regierungsform neu nachdenken. Auch das von Juristen gern unters Volk gebrachte Argument, der Staat müsse wieder Härte zeigen und Opfer verlangen, ist für ökonomische Bedrohungslagen anschlussfähig. Der blockierende Bürger muss dann eben das Opfer der Gerechtigkeit und der Freiheit bringen, damit das Wachstum wieder Fahrt aufnimmt, die asiatische Herausforderung pariert und der soziale Zerfall gestoppt wird." (Zitat 4 Seite 50, 4. Spalte, 9./vorletzter Absatz) bzw. Zukunftsaussichten "Übrigens, das manager magazin hat auch verraten, was junge Führungskräfte am meisten fürchten: dass eines Tages wieder Barrikaden brennen." (Zitat 5 Seite 50, 4. Spalte, letzter Absatz) geäußert werden.

Das fürchten nicht allein nur junge Führungskräfte! Doch die Barrikaden werden zwangsläufig brennen, wenn sich nichts Grundsätzliches ändert. Allerdings nicht in die Richtung, die aus den Schlußfolgerungen hervorgeht.

Die Zitate 1 und 2 geben genau die Eindrücke wieder, die sich einer Beobachterin geradezu aufdrängen. So gibt es sowohl selbstsüchtige Manager als auch faule Arbeitslose, aber zugleich auch selbstsüchtige Arbeitslose und faule Manager etc. Sie allein aber stellen prozentual keine Bedrohung für das kapitalistische Marktwirtschaftssystem dar. Dennoch werden sie in der Öffentlichkeit als diejenigen wahrgenommen und von allen Seiten angeprangert, die für den Niedergang hierzulande verantwortlich seien. Dabei handelt es sich hier vielmehr um eine Frage des persönlichen Charakters. Dort Gier, hier Bequemlichkeit, Gedankenlosigkeit oder Resignation. Die Politiker und zusammen mit ihr die Demokratie haben in der Tat sehr viel an Ansehen verloren. Umfragewerte und niedrige Wahlbeteiligungen geben dieser Beobachung Ausdruck. Es scheint geradeso, daß die politisch Verantwortlichen nur herumlavieren.

Die Zitate 3 und 4 spiegeln exakt das wider, was nicht nur diskutiert wird, sondern mittlerweile in manchen Lebensbereichen gängige Praxis bzw. die eingeschlagene Richtung ist. Fast jeder Bürger erlebt z.Zt. eine drastische Beschneidung seiner persönlichen Rechte, zugleich ein Aushöhlen seines arbeitnehmerrechtlichen Status. Die Angst um den Arbeitsplatz wird permanent geschürt.

Eine Frage suchte ich vergeblich in diesem letztlich oberflächlichen Artikel. Die Frage nach dem Warum. Warum gibt es in einem Land mit einem geschätzten Privatvermögen von 350 Billionen Euro (= 350 000 000 000 000 €) rund 4 Millionen offen ausgewiesene Arbeitslose? Warum entlassen Unternehmen, die in ihren Jahresbilanzen stolz acht- bis zehnstellige €-Gewinne ausweisen, mehrere tausend Arbeitnehmer? Warum werden die Besitzverhältnisse und Eigentumsverteilung dieses Landes nicht erläutert? Diese Frage ist sehr wichtig im Hinblick auf das Demokratie- und Politikverständnis. Last but not least warum wird nur eine Richtung aufgeführt?

Weil Gewinne und damit Vermögen eben nur auf Kosten anderer erwirtschaftet werden kann; auf Kosten des Arbeitnehmers (niedriger Lohn), auf Kosten des Verbrauchers (geringe Qualität), auf Kosten des Staates (Subventionen, Steuervergünstigungen etc.), auf Kosten der Umwelt (Raubbau, Umweltverschmutzung, -zerstörung etc.), sogar auf Kosten der Konkurrenz (ruinöse Niedrigpreispolitik)  usw.

Weil Deutschland ein Großgrundbesitzerland ist. Mehr als 80% der gesamten Grundfläche liegt in Privathand, davon widerum besitzen altherrschaftliche, also früher adlige, und großbürgerliche Familien mehr als 90%. Die Machtbasis schlechthin. Die Herkunft mancher Abgeordnete des Bundestages wie Hermann Otto Solms oder von Bismarck und damit deren Politik läßt sich am Namen ablesen, die meisten der Großgrundbesitzer schicken dagegen über die jeweiligen Parteien Vertreter in den Bundestag wie z.B. die Familie Quandt. Diese Machtkonzentration geschieht auf allen politischen Ebenen, d.h. in Land-, Kreis-, Städtetagen, Bürgermeisterämtern, und reicht bis in die Behörden, vom Bundesamt für Verfassungsschutz bis zum Marktmeisteramt oder Grundschule einer mittelgroßen Gemeinde namens Muckelhofen. Mit anderen Worten: Im Wesen ist Deutschland nach wie vor ständisch organisiert und "Demokratie" allenfalls ein dünnes Deckmäntelchen.

Weil in der tagtäglichen Erfahrung nie das Gegenteil bewiesen wird. Nehmen wir z.B. die Leute, die einen Teil ihres Vermögens am Fiskus vorbei nach Liechtenstein gebracht haben. Es handelt sich hier nicht um Peanuts, sondern um horrende Beträge. Hätte Bürgerin xyz nur einen Bruchteil davon nach Liechtenstein gebracht; selbst bei einer Selbstanzeige würde ihre Strafe im Vergleich härter ausfallen als die, welche den Millionen und Milliardenbetrügern treffen müßte. Doch bei letzteren greifen die verwandtschaftlichen, landsmannschaftlichen, studentischen, hierarchischen  Verbindungen, berufliche Abhängigkeiten, Käuflichkeiten, Loyalitäten wie Standesdünkel etc, über die Bürgerin xyz normalerweise nicht verfügt. Eine Bürgerin namens xyz würde auch über gar keine Beträge verfügen, für die es sich lohnen würde nach Liechtenstein zu reisen. Weil in der Justiz mit zweierlei Maß gemessen wird. Aber auch, weil in der Öffentlichkeit mit vielerlei Maß gemessen wird. Ein Polizist, mag er der mieseste Rassist sein, zählt in der öffentlichen Wahrnehmung mehr als eine Rentnerin, die im Altersheim dahinvegetieren muß (Kinder haben sie abgeschoben, das Personal läßt sie mangels Zeit verwahrlosen/verhungern/verdursten/sich das Bein brechen).

Weil diese Art von Demokratie niemals in der Lage sein wird, ökonomisch verursachte soziale Probleme, nachhaltig zu lösen. Neben der geltenden Wirtschaftsordnung einerseits wegen der Besitzstrukturen, die eine echte Demokratie gar nicht aufkommen läßt und anderseits, weil durch die Anonymität und Intransparenz im Politbetrieb Demokratie ad absurdum geführt wird. Mit anderen Worten: Die Besitzstrukturen müssen erst einmal verändert, und die Größeneinheit muß geschrumpft werden. Deutschland ist zu groß für eine demokratische Regierungsform. Nur in kleineren Einheiten läßt sich nachvollziehen, wer sich zur Wahl stellt und ob der Kandidat unabhängig ist oder nur der Vertreter eines Großgrundbesitzers (sofern es noch welche gibt) ist. Doch als Wählerin weiß ich das! Heute weiß ich kaum etwas, weil mir die Leute zumeist unbekannt sind. Selbst längeres Rechechieren bringt nicht unbedingt Licht ins Dunkel.

Weil das gesamte kapitalistische Wirtschaftssystem ein ruinöses Unding ist. Wenn nun mehr Druck ausgeübt wird, je eher und heftiger treten die sozialen Verwerfungen ans Tageslicht und desto eher werden die Barrikaden errichtet. Wenn sich also nicht bald die genannten Schichten und Grüppchen bewegen, dann wird sich die Gegenseite bewegen und singt vielleicht demnächst die Marsaillaisewie anno 1789; Allons enfants de la patrie, le jour de glorie est arrivé ... Köpfe rollen, Schuldige und Unschuldige werden sterben, ein ungeahntes Leiden wird einsetzen. Alle anderen Faktoren sind hierbei noch unberücksichtigt geblieben. Es liegt also an Ihnen Frau Merkel, Herr Prof. Sinn, Herr von Beust, Herr Henkel, die Damen und Herren Staatsanwälte, RichterInnen, höheren Polizisten, Aktionären und anderen Kapitaleignern, ManagerInnen, Haus- und Grundbesitzenden etc., ob es letztlich dazu kommt. Soviel zum o.g. ZEIT-Artikel.

P.S. Die eingeschlagene Richtung, die seit dem Mauerfall gilt, aber erst jetzt durch die innenpolitischen Verhältnisse und Veränderungen spürbar werden, zeigt sich gerade dieser Tage besonders deutlich am Beispiel Tibet.

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Lebensalltag
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Montag, 17. märz 2008
44

Gestern wollte ich meinen Augen nicht trauen. Bei der Verwaltung meiner Beiträge fiel mir auf, daß meine Beiträge (04) bis (07) verschwunden sind. Trotz sorgfältiger Suche blieben sie unauffindbar. Stattdessen existieren von meinem Beitrag (18) "Kurzgeschichte 1" insgesamt vier Kopien, alle unter der KULTUR-SCHOCK Community eingestellt. Was ist hier los, dachte ich. Schließlich waren die fehlenden Beiträge von mir nicht bearbeitet worden, was ein Verlust derselben hätte erklärbar machen können. Die Inhalte der vier Beiträge befaßten sich mit folgenden Themen:

(04) Zeitarbeit
(05) Reichtum
(06) deutsche Wirtschaft
(07) BILD-Zeitung

Da diese Beiträge sehr kritisch gewesen sind, wobei auch in den Kommentaren Personennamen des öffentlichen Lebens genannt worden sind, mag derjenige ein Schelm sein, der Böses beim unerklärlichen Verschwinden solcher Beiträge denkt oder ahnt. Nun, sie werden in Kürze wiederhergestellt und hier unter einzaungast.over-blog.org dann zu lesen sein.

P.S.: Nachdem ich diesen Beitrag gerade ins Netz gestellt habe, erscheint in meiner Artikelliste der Beitrag (04) wieder, dafür ist Beitrag (08) verschwunden. Handelt es sich womöglich um ein administrativ-technisches Problem? Komisch! So werde ich eine Kopie von Beitrag (18) löschen und schauen was passiert. Ansonsten benöige ich Eure Hilfe.

PPS.: Jetzt habe ich vermeintlich eine Kopie gelöscht, doch in meiner Artikelliste erscheint der Beitrag (18) jetzt überhaupt nicht mehr. Stattdessen sind die Beiträge (04) bis (08) alle anwesend. Ehrlich gesagt, ich kapiere gar nichts mehr. Gibt es vielleicht eine Artikelobergrenze o.ä.?

PPS.: Der Beitrag (18) läßt sich nirgendwo mehr auffinden. Unverständlich! Ärgerlich! Zumal ich keine schriftlichen Aufzeichnungen mehr dazu besitze. Schade, er bleibt wohl für immer verloren.

PPPS.: Mittlerweile habe ich eine Vermutung. Zum Zeitpunkt der Verwaltung hat over-blog seine Website umorganisiert und dabei ist wahrscheinlich dieses Durcheinander und Verschwinden entstanden. Schade! Es hat meinen Beitrag (18) gekostet.
 
von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Kultur-Schock
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Donnerstag, 13. märz 2008
43

Tageszeitungen überfliege ich seit geraumer Zeit nur noch. Mich interessieren keine Artikel mehr zu Politikern, die z.B. auf Kosten eines Unternehmens etc. geflogen sind, warum wieder Menschen entlassen werden etc. oder was Uli Hoeneß über seinen Trainer Ottmar Hitzfeld labert. Alles alte Hüte. Längst gegessen. Es wäre einfach schade um die kostbare Zeit. Ich bin lediglich auf der Suche nach DEN Artikeln. Heute morgen war wieder so ein Moment.

Ich habe auf der Wissensseite der Süddeutschen Zeitung einen interessanten und hochinformativen Artikel gelesen. Das Thema: Wasserverschmutzung durch Medikamentenrückstände. In diesem mehrspaltigen Artikel ist die Rede davon, daß bei Wasseranalysen in den Vereinigten Staaten und Deutschland (Anm.: vermutlich auch in anderen Ländern) zahlreiche Substanzen gefunden worden, die Medikamenten zuzuordnen sind. Die Liste dieser Substanzen liest sich wie das Who is Who der Horrorwelt. Unter den Substanzen sind antibiotische, herz- und nierenaktive, hormonelle etc. Bestandteile und Schmerzmittelrückstände zu finden. Sie befinden sich in unserem Trinkwasser.

Jetzt wird mir manches klar. Mein konsultierter Arzt hat zahlreiche Untersuchungen vorgenommen, aber keine Erkrankung feststellen können. Denn vor einigen Jahren hatte sich meine Klitoris überraschenderweise und späterhin unerklärlicherweise vergrößert. Bis heute blieb sie in dieser unnatürlichen Größe. Mal sehen, was sich zukünftig noch so alles an mir, an euch, unseren Haustieren und den Wildtieren und -pflanzen so alles verändern wird.
 
von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Tier-, Natur- und Umweltschutz
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Montag, 3. märz 2008

42

Nun habe ich in einundvierzig Beiträgen zuvor von Visionen gesprochen, aber nie erläutert, was ich darunter konkret verstehe. Martin Walser sagte einmal, daß Visionen stets durch das Fehlen von Vernunft entstehen und daher per se verdächtig seien. Dem kann und will ich nicht gänzlich widersprechen, denn die Menschheitsgeschichte bietet ausreichend Beweismaterial für seine unterstellende Behauptung. Aber lebensfreundliche, also konstruktive und nicht destruktive Visionen, möchte ich davon ausklammern. Schließlich darf die Hoffnung nie zu Grabe getragen werden. Nun, ohne kürzlich einen Traum gehabt zu haben, möchte ich hier meine persönliche Vision in Form eines Interventionsplans vorstellen. Dieser enthält weder ausdifferenzierte Vorstellungen aus den Bereichen Politik, Bildung, Erziehung und Religion noch nimmt er für sich in Anspruch, vollständig zu sein. Womöglich habe ich gar den einen oder anderen wichtigen Punkt unerwähnt gelassen. Dieses mögen mir die Leserinnen und Leser bitte nachsehen oder gerne als hinweisenden Kommentar (neben weiteren Kommentaren selbstverständlich) anmerken.

Drei Axiome stelle ich meinem visionären Plan voran:

1. Der Klimawandel und andere ökologische Entwicklungen sind nicht mehr aufzuhalten
2. Die kapitalistische Marktwirtschaft ist nicht mehr zeitgemäß
3. Die Weltgemeinschaft ist sich ausnahmslos der Punkte 1 und 2  und den daraus resultierenden Bedrohungen bewußt geworden

Auf Grundlage der beiden ersten Feststellungen bietet sich meiner Ansicht nach folgender globaler Interventionsplan an, der auf eine Dauer von 200 Jahren angelegt sein, drei- oder vierstufig verlaufen und einzig und allein unter der Regie der UN (Vereinten Nationen) verwirklicht werden soll. Deren exekutiven Kompetenzen und Befugnisse sowie die Finanzkraft müssen von den Mitgliedsstaaten bereits vorab ausreichend ausgeweitet bzw. gestärkt werden (Schlußfolgerung aus Punkt 3).


Stufe 0 (Aufbau der UN-Interventionsbasis innerhalb von einem Jahr)

Stufe 1 (Sofortintervention, Umsetzung innerhalb der folgenden 2,5 Jahre)


a1) Unterbrechung aller (bewaffneten) Konflikte für die Dauer des Interventionsplans
b1) Einführung der 1-Kind-Familie
c1) Einstellung jeglicher Fischerei für eine Dauer von 50 Jahren
d1) Reduktion des weltweiten Energiebedarfs um 35% durch Konfiszierung und Recycling von elektronischen Haushaltshilfen (mit Ausnahme von Waschmaschinen), Freizeit- und Hobbygeräten (mit Ausnahme von TV- und Radiogeräten) etc.
e1) keine neuen Nuklearbauten oder (Wieder)Inbetriebnahmen
f1) Stillegung aller Produktionsstätten für Waffen, -systeme und sonstiges Rüstungsmaterial

g1) Umwidmung aller Produktionsstätten für künstliche Verpackungsmaterialien wie z.B. Kunststoffe, zugunsten einer Produktion von Mehrwegverpackungen

h1) Einstellung der KI- und Hirnforschung sowie Gen- und Nanoforschung
i1) Stillegung aller Produktionsstätten für Roboter-, Gen- und Nanotechnik

j1) Einstellung von Neuerschließungsmaßnahmen fossiler Energiestofflagerstätten
k1) Stillegung aller Produktionsstätten für mineralische und chemische Gebrauchsstoffverbindungen für die konventionelle Landwirtschaft

l1) Stillegung aller Einholzungsmaßnahmen in Urwäldern
m1)
Umwidmung der Produktionsstätten für Papier zugunsten der Produktion von Altpapier

n1) Aufgabe der Monokulturlandwirtschaft

o1) Offenlegung aller Bankkredite; Angaben: an wen? wofür?
p1) Festschreibung des maximalen effektiven Zinssatzes für Bankkredite auf 5,5% p.a.; Festschreibung des maximalen Guthabenzinses auf 3,75% p.a.
q1) Verbot von Kreditvergaben für Finanzierungen von Rüstungs-, sozialfeindlichen und umweltzerstörerischen Projekten

r1Recycling aller ABC- und Weltraumwaffen

s1) Gründung eines Sozialfonds, aus dem Sozialleistungen für alle alten, gehandicapten, berufsunfähigen, kriegsversehrten, schwangeren, arbeitslosen u.a. Menschen gezahlt werden

t1) Heranziehung des Vermögens der Reichen zur Finanzierung des UN-Haushalts (inklusive Sozialfond)

u1) arbeitsunfähige Empfänger von Sozialleistungen, entlassene Arbeitnehmer und beschäftigungslose Selbständige werden von der UN eingestellt, ausgebildet (wenn notwendig) und auf ihre jeweiligen Aufgaben vorbereitet

v1) schrittweise wachsender Ausbau der UN-Basisstrukturen

w1) ersatzlose Streichung von Lehrplaninhalten: betrifft Grundlagenwissen aus den Bereichen Biologie (Genetik), Chemie/Physik (Molekularchemie, -physik)

x1) namentliche Erfassung aller traumatisierten, mißbrauchten, mißhandelten, verwahrlosten etc. Kinder und Jugendlichen
y1) Beginn mit schrittweiser Ausweitung der pädagogischen Betreuung und Therapierung betroffener Kinder und Jugendlicher


Stufe 2 (3,5 bis 100 Jahre)


a2) schrittweise Abschaltung aller Nuklearanlagen innerhalb von 50 Jahren; 1. Dekade: 5%, 2. Dekade: 10%, 3. Dekade: 15%, 4. Dekade: 50%, 5. Dekade (= 6,5 Jahre): 20%
b2) vollständiges Recycling aller freiwerdenden Roh- und Werkstoffe (Metalle, Ziegelsteine, Kunststoffe, Flüssigkeiten etc.)
c2) schrittweises Stillegen aller Autos, die durchschnittlich mehr als 5 Liter/100 km Treibstoff verbrauchen innerhalb von 20 Jahren; 3,5-7 Jahre: 50%, 8-15 Jahre: 35%, 16-20 Jahre: 15% 
d2)
schrittweises Stillegen aller Flugzeuge, die mit fossilen Brennstoffen versorgt werden innerhalb von 30 Jahren; 3,5-10 Jahre: 25%, 11-20 Jahre: 30%, 21-30 Jahre: 45 %
e2) ab dem 25. Jahr Beginn der Produktion von umweltneutralen Mobilen als Schiff-, Auto- und Flugzeugersatz 

f2) schrittweiser Ausbau von Öko-Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien (ohne Wasserkraftnutzung durch Talsperrenbau)

g2schrittweiser Wandel von der großparzell-maschinisierten Landwirtschaft hin zur kleinparzell-manuellen Landwirtschaft
h2)
schrittweise Renaturierung von Kulturlandschaften; jährlich: 2000 km2
i2) schrittweise Renaturierung von nicht schiffbaren Flüssen und Seen; jährlich: 500 km2

j2) schrittweise Stillegung aller Autos mit Verbrennungsmotor innerhalb von 150 Jahren; 16-30 Jahre: 10%, 31-50 Jahre: 15%, 51-75 Jahre: 30%, 76-100 Jahre: 25 % = total: 80%
k2) schrittweiser Abbau der Produktion von Mehrwegverpackungen innerhalb von 10 Jahren, jährliche Verringerung: 10%
l2) schrittweiser Ersatz durch die Produktion von langlebigen umweltfreundlicheren Endlosverpackungen (Glas, Holz, Metall, Papier u.ä.) innerhalb von 10 Jahren, jährlicher Ersatz: 10%
m2) schrittweise Stillegung aller Förderstätten fossiler Energiereserven innerhalb von 200 Jahren; 3,5-50 Jahre: 20%, 51-100 Jahre: 40% = total: 60%

n2) Einstellung jeglicher Fischerei für eine Dauer von 50 Jahren; Rest: 47,5 Jahre
o2) schrittweise Wiederaufforstung vegetationskarger oder erodierter Landschaften mit standortüblichen Gewächsen; jährlich: 5000 km
2
p2) Renaturierung von Bächen, Tümpeln, Teichen und Kleinseen; jährlich: 100 km2

q2) schrittweise Entwaffnung aller Armeen bis zum Ende des globalen Interventionsplans; 3,5-50 Jahre: 20%, 51-75 Jahre: 20%, 76-100 Jahre: 20% = total: 60%
r2) Recycling aller eingezogenen Waffen

s2) schrittweise Entflechtung und Überführung von anonymen Kapitalgesellschaften in kleineren Unternehmenseinheiten, deren Eigentümer namentlich im Handelsregister aufgeführt sein müssen; 3,5-25 Jahre: 33%, 26-75 Jahre: 50%, 76-100 Jahre: 17%, d.h. Abschluß der Überführungen am Ende der Stufe 2
t2) schrittweise Beschränkung des bislang freien Kapitalflusses (Abschluß im 78,5. Jahr des Interventionsplans)

u2) innerhalb von 50 Jahren (also bis 53,5 Jahre) schrittweiser Umbau des Entlohnungssystems nach der Formel: Ausbildungsdauer multipliziert mit speziellem Faktor aus jeweiliger Nähe des Berufes am Menschen (Verantwortung im engsten Sinne) = maximal der 5fache Verdienst des am schlechtesten bezahlten Berufes pro Zeiteinheit

v2) innerhalb der ersten 40 Jahre (also bis 43,5 Jahre) Umbau des bislang auf den technischen Fortschritt ausgerichteten Bildungssystems; Oriertierung: Entwicklung von sozialen und ökolgischen Kompetenzen

w2) Ausweitung des Betreuungs- und Therapieprogramms auf betroffene Erwachsene


Stufe 3 (101 bis 200 Jahre)


a3) schrittweise Stillegung aller Förderstätten fossiler Energiereserven innerhalb von 200 Jahren; 101-200 Jahre: 40% = Rest: 40%

b3)
schrittweise Stillegung aller Autos mit Verbrennungsmotor innerhalb von 150 Jahren; 101-115 Jahre: 5%, 116-130 Jahre: 5 %, 131-150 Jahre: 10 % = Rest: 20%

c3) schrittweise Entwaffnung aller Armeen bis zum Ende des globalen Interventionsplans; 101-120 Jahre: 10%, 121-150 Jahre: 10%, alle weiteren 10 Jahre: 4% = Rest: 40%

d3) schrittweise Aufgabe von zuvor zahlenmäßig festgelegten und über die Erde verstreuten Siedlungsgebieten mit einer Mindestgröße von 10.000 km2; dadurch Schaffung von zwar frei zugänglichen, aber verlassenen Wildtier- und Naturvölkerarealen 

Ende des Interventionsplans nach 200 Jahren oder evtl. Beginn von Stufe 4 (bei mehr als 200 Jahren Laufzeit)


e4) Verkündung einer global anerkannten Ethik-Verfassung als gemeinsame Grundlage für die Achtung und Respektierung jeglichen Lebens 

evtl. Ergebnis: Erreichen einer stabilen lebens- und zukunftsfähigen Ausgangslage für ALLES Leben. Ob dadurch unsere Welt letztlich friedlich(er) und gerecht(er) wird, das steht meiner Ansicht nach in den Sternen. Hoffen wir es!

Hinweis: siehe Linkliste (42)


 
von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Visionen
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Montag, 11. februar 2008

41

Erinnerungen

Im Spätsommer 1997 erzählte mir auf der Straße eine frühere Schuldirektorin, die damals erst seit einem halben Jahr in meiner unmittelbaren Nachbarschaft wohnte, daß sie sich überhaupt nicht mehr zurechtfände in der schnellebigen Welt und sich daher nach der "guten alten Zeit" sehne. Ersteres konnte ich hinsichtlich ihres Alters nachempfinden - mir ginge es mit circa neunzig Jahren wohl nicht anders. Glücklicherweise ging ich damals erst auf die Vierzig zu.

Aber was meinte sie mit guter alter Zeit? Bei Deutschen im hohen Alter hatte ich mir im Laufe der Jahre angewöhnt, nachzufragen. Ich fragte sie daher ganz offen nach der Bedeutung ihrer Worte. Sie war erstaunt und erschrocken zugleich. Das hatte sie nicht erwartet. Ihre Augen verengten sich augenblicklich zu wahren Schlitzen und verrieten eine gewisse Feindseligkeit. Als sie sich gefangen hatte, begann sie mit einem Räuspern zu antworten. Naja, sie meinte damit lediglich die Übersichtlichkeit, die Ordnung, die Stille ... Sie benutzte auffallenderweise Gemeinplätze und vermied tunlichst, Verfängliches zu äußern. Aber ich hakte nach. Etwas provokativ. Ich fragte sie nämlich allen Ernstes, ob sie unter Übersichtlichkeit das weite Sichtfeld meinte, das ihr nach dem Krieg die Ruinenstädte boten oder ob sie darunter die geringere Bevölkerungszahl verstand. Unmerklich schluckte sie. Dann folgte ein Ja, es wäre nicht so betriebsam gewesen auf den Straßen. Weniger Menschen, weniger Autos und alles viel langsamer. Sie schien erleichtert über ihre gelungene Antwort und schickte sich an aufzubrechen. Vorsichtig schob sie den rechten Fuß nach vorne. Doch ich wollte mehr wissen. Was hätte sie denn gemacht, bevor sie Direktorin geworden war, fragte ich sie. Nach dem Krieg hätte sie eine Stelle als ganz normale Lehrerin angenommen und fünfundzwanzig Jahre(!) an derselben Schule unterrichtet. Stolz schwang in ihrer Stimme mit. Dann wäre sie an eine andere Schule gegangen, nach Aachen. Dort hätte sie die Position einer stellvertretenden Direktorin besetzt und anschließend ... Ich unterbrach sie. Ich wollte schließlich zur Zeit vor Mai Fünfundvierzig etwas hören. Bis 1942 hätte sie in Köln studiert, dann wäre sie auch dort Lehrerin geworden. Ob sie Mitglied der Partei gewesen wäre, wollte ich wissen. Nein! Ob sie nationalsozialistisch eingestellt gewesen wäre. Nein, kam es knapp, aber zögerlich aus ihrem Munde. Sie wollte los, es wurde ihr zu unbequem. Ich faßte nach. Ob sie jemals Abtransporte von Menschen erlebt hätte, fahrende militärische Standgerichte, KZ-Häftlinge, Arierpaß ... Sie brach ein. Diese Wucht an Wissensdurst hatte sie nicht erwartet. Auch noch nicht erlebt. Sie fing an zu Schluchzen, zu Weinen ... Ich war zu weit gegangen. Sie sank auf die Knie. Was hatte ich nur angerichtet? Ich wollte mich entschuldigen und ihr helfen. Andere wurden auf uns aufmerksam. Ich erwartete Abwehr, als ich ihr meine Hand reichte. Aber sie ließ sich von mir hochziehen. Ihr Gesicht war gerötet, die Augen feucht und verschwommen. Es war keine Spur mehr von Feindseligkeit in den Augen zu entdecken, sondern ... Dankbarkeit(?) Jetzt war ich erstaunt und erschrocken zugleich. Ich stand verdattert da. Einen fremden Mann, der zwischenzeitlich zu uns gekommen war, beruhigte sie mit den Worten, das alles in Ordnung wäre und ... Hatte ich richtig gehört? Ich sollte sie nach Hause bringen!

Ja, in der Tat, ich sollte. So geschah es. Bei ihr zu Hause folgte einem heftigen Gefühlsausbruch - soviele Tränen hatte ich bis dahin noch nie gesehen - ein mehrstündiger Dialog. Wobei sie phasenweise nur redete und redete. Eine Schleuse hatte ich unbedachterweise geöffnet. Sie berichtete mir vor allem von ihrer Schulzeit. Die letzten Klassenjahre hätte sie als deutsche Vollblutarierin auf einem Kölner Gymnasium verbracht, dessen Schuldirektor ein fanatischer Nationalsozialist und zugleich ihr Klassenlehrer gewesen wäre. Im Bund Deutscher Mädel wäre sie im nationalsozialistischen Sinne erzogen worden. Natürlich hätte sie als junger Mensch an den Führer und den Nationalsozialismus geglaubt. Aber diese Ideologisierung wäre in dem Augenblich wie Farbe von ihrem Körper abgewaschen worden, als sie andere, nachhaltigere Eindrücke erfuhr. Bereits vor Kriegsende hätte sie von Vergasungen und pseudomedizinischen Experimenten in Konzentrationslagern erfahren, was übrigens viele Deutsche wußten; sie hätte grausame Bilder gesehen, lange bevor ähnliche Bilder den Deutschen nach Kriegsende vorgeführt worden wären. Aber sie wäre nicht in den Widerstand gegangen. Warum das eigene Leben riskieren. Der Krieg wäre sowieso verloren gewesen. Die amerikanischen Truppenverbände ständen schließlich bereits vor den Toren Kölns. Vielmehr wollte sie beim Wiederaufbau helfen. Hitler, die Nationalsozialisten, aber auch die vielen mehr oder weniger mitlaufenden und größtenteils mitwissenden Deutschen hätten sie jedenfalls glücklicherweise nicht gebrochen. Dafür wäre die versuchte Indoktrination in den letzten Klassenstufen nicht ausreichend, quasi nur oberflächlich gewesen. Zumindest wäre es bei ihr so gewesen. Ihre grundsätzliche Prägung hätte in der Weimarer Zeit stattgefunden. Was sie als sehr bedauerlich empfände, wäre die Tatsache, daß den Kindern, die ausschließlich im nationalsozialistsichen Sinne erzogen und gebildet worden waren, ihr Leben gründlich ruiniert war. Von denen hätten nur wenige die Ideologisierung und Indoktrination unbeschadet überstanden, wenn nicht ein Freundeskreis oder das Elternhaus dagegen gesteuert hätte. Sie müßte es wissen, denn in den ersten Jahren nach dem Krieg hätte sie solche Kinder noch zu unterrichten gehabt. Ihrer Meinung nach wären ihre Leben verschenkt, geradezu verraten worden. Übrigens, sie hätte auch ihre beste Freundin an jene Zeit verloren. Bei ihr wäre die braune Farbe schon zu tief in die Haut eingedrungen. Oder war ihre beste Freundin vielleicht schon vor Dreiunddreißig indoktriniert gewesen?

Diesem Gespräch folgten noch sehr viele und, es entspann sich eine wundervolle Freundschaft zwischen uns beiden. Eine Freundschaft zwischen zwei Menschen, die zwar in unterschiedlichen Generationen aufwuchsen, aber trotzdem in manchen Dingen ähnliche Ansichten und Ideen vertraten und oft über alle Grenzen hinweg gleich fühlten. Warum ich meine Beziehung zu einer sehr alten Frau schildere. Dann ausgerechnet das Erlebnis des näheren Kennenlernens? Meine alte Freundin ist gestern im Alter von neunundachtzig Jahren, drei Wochen vor ihrem runden Geburtstag, daheim verstorben. Dieser Beitrag hier soll meine unauslöschliche Erinnerung an einen außergewöhnlichen Menschen sein.

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Mehr menschlichkeit
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  • : 7.01.2008
  • : von Beate
  • : Dieser Blog enthält meine freigeistigen Meinungen zu allen gesellschaftlichen und poli-tischen Themenbereichen unserer Zeit.
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