Donnerstag, 24. april 2008

74

China habe ich noch nie in meinem Leben besucht. Das wird bis dahin wahrscheinlich auch noch etwas dauern. Daher sind mir Chinesen fremd. Von den paar Kontakten, die ich hier in Europa hatte und an zwei Händen abzählen kann, läßt sich auch nicht viel ableiten außer positive und negative oder gar keine Erfahrungen. Dennoch ist mir China nicht unbekannt. Ich habe ein Bild von diesem Land. Schließlich läßt sich darüber einiges in Erfahrung bringen, sei es durch Lesen, Hören oder Fernsehschauen.

Die Chinesen sind ein sehr altes Kulturvolk, dessen wechselvolle Geschichte bereits mehr als 5000 Jahre zurückreicht. Sie waren bereits Hochkultur, da existierten die Griechen in geschichtlich relevanter Form noch gar nicht. Diese Zeitspanne hat sie viel Wissen, viele Erfahrungen und viele Weisheiten ansammeln und lehren lassen. Man denke nur an Konfuzius oder Laot-ses Lehren. An TCM, Akupunktur und Tai-Chi. Über die Jahrtausende verinnerlichte und gelebte Traditionen. Welch' starkes Vermächtnis.

Umso krasser erscheint mir der Gegensatz zur Gegenwart.  Maos Kulturrevolution in den 60er Jahren ließ das Land in Blut ertrinken. Panzer überrollten 1989 friedliche studentische Demonstranten. Die Nationale Volksarmee schoß wahllos in die Menge und richtete damals im Herzen Pekings ein Blutbad an. Flüsse erstrahlen zuweilen in bunten Farben, weil Chemikalien durch Unfall oder vorsätzlich eingeleitet wurden. Tibet wurde vor mehr als 50 Jahren annektiert und seither chinesisiert. Kohlegruben befinden sich in einem maroden Zustand und führen regelmäßig zu fahrlässigen Bergwerksunfällen. Die "abtrünnige" Insel Taiwan wird immer wieder bedroht. Hinzu kommen tagtägliche Bespitzelungen, Repressionen, Willkürmaßnahmen, Provokationen und nicht zuletzt rohe Gewalt gegen alle, die nicht auf Linie sind.

Warum wiederholt ein solch altes Volk die Fehler, die anderswo schon längst gemacht wurden und sich als unwirksam, geradezu kontraproduktiv erwiesen haben. Warum besinnen sich die Chinesen nicht auf ihre positiven Traditionen? Mit 5000 Jahren Kulturgeschichte im Rücken sollten Fehler dieser Art vermeidbar sein, nicht wahr? Erhabenheit über die kleingeistigen Motive wären zudem angebrachter. Oder ist dieses Vermächtnis gar nicht so stark wie ich glaube? Spielen fünf Jahrtausende keine Rolle bei der Beantwortung heutiger Fragen, bei der Entstehung von Motiven etc. Und jetzt!?

Jetzt schickten die Chinesen bzw. ihre kommunistisch-sozialistisch-marktwirtschaftlich orientierte Regierung einen Frachter los, bis unter die Dachluken beladen mit Waffen und Munition, adressiert an das totalitäre zimbabwsche Regime Robert Mugabes! Ich gebe zu: Ich verstehe es nicht. Es liegt wohl daran, daß ich nur ein paar Chinesen getroffen habe. In Europa.
 

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Mehr menschlichkeit
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Mittwoch, 23. april 2008
73

Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu!

Ausspruch eines Fußballspielers namens Uwe Wegmann, die "Kobra"

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Sinn und Unsinn
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Dienstag, 22. april 2008

72

Es ist gleißend hell. Die Sonne brennt. Der Schatten bietet nur wenig Abkühlung. Überdies sehen die drei Männer nichts als Sand. Sand soweit das Auge reicht. Den nicht allzu sehr Abkühlung bringenden Schatten bietet das Flugzeug der drei Männer. Abgestürzt, muß festgestellt werden. Abgestürzt in einer Wüste, weitab von jeder menschlichen Besiedlung. Bei mehr als 40° C im Schatten. Vor zwei Tagen abgestürzt. Das Wasser ist aufgebraucht. Die maßgeschneiderten Buisness-Anzüge der Herren sehen bereits arg ramponiert aus. Die Gesichtszüge von Hunt, Hänkel und Tumann sind schlaff. Wenn nicht bald Hilfe eintrifft, dann werden in ein paar Tagen unweigerlich die Geier das zähe Fleisch bis auf die Knochen abreißen.

Plötzlich ist aus der Ferne ein Klingeln zu vernehmen, ein Klingeln wie von einem Eiswagen. Eiswagen? In der Wüste? Das kann nicht sein. Halluzinationen. Ganz gewiß! Aber das Klingeln wird lauter. Jetzt sind auch die scharfen Umrisse eines ... Eis ..., in der Tat eines Eiswagens zu erkennen. Also doch keine Einbildung. In den drei Managern macht sich sowas wie Leben breit. Aber zum Aufstehen sind sie zu schwach.

Jetzt kommt der Eiswagen vor ihnen zum Stehen. Der Eismann, oder ist es eine Eisfrau, fragt es mit freundlicher Stimme nach ihren Wünschen. Wasser! erschallt es wie aus einem Mund. Damit könne es nicht dienen, aber es hätte Eis in allen Farben und Geschmacksrichtungen anzubieten. Die Herren wollen nicht. Sie schreien nochmals nach Wasser. Es hat kein Wasser zu verkaufen. Aber es hat ein Herz. So holt es aus einer Kühltruhe eine halbvolle Wasserflasche und reicht sie den Herren. Dann fährt es ab.

Zwei Monate später steht Herr Hunt wieder auf einem Podest und hält vor hundert gleichgesinnten BWL-Rassisten eine Rede gegen die drohende Resozialisierung deutscher Wirtschaftspolitik. Applaus brandet nach jeder Pause auf. Allerdings von Tumann und Hänkel hört und sieht niemand mehr etwas.

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Lebensalltag
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Montag, 21. april 2008

71

Die Machwerker können es einfach nicht lassen. Sie müssen lügen. Immerzu lügen. Sogar bei Werbung in eigener Sache können sie es nicht lassen. Ist Ihnen im öffentlichen Straßenbild auch die Werbekampagne aufgefallen? Da reicht eine nackte Eva einem nackten Adam den verführerischen roten Apfel, gepflückt vom Baum der Erkenntnis. Natürlich darf auf dem Bild die "böse, verführende" Schlange nicht fehlen. NICHT ESSEN! steht in großen weißen Lettern darüber geschrieben. Ja, was will sie denn? So steht es doch in der Bibel. Nein, so steht es eben nicht in der Bibel. Aber wieso denn das? Nun, schauen Sie mal genauer hin. Zwar bin ich weit davon entfernt, mich als bibelfest zu bezeichnen, aber seit wann steht in der Bibel, daß Eva den Apfel mit Feigenblatt vor ihrer Scham pflückt? Sogar Adam trägt ein Feigenblatt vor seiner Scham. Dabei hat dieser noch nicht einmal den Apfel angefaßt. Sündenfall? Nein. Also, LÜGE, und Lügen (können) töten! Das haben die Machwerker schon bewiesen: anno 68!

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Lebensalltag
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Sonntag, 20. april 2008

70

Was sehe ich, wenn ich um mich herum blicke? Verfall, Agonie, das Recht des Stärkeren und Gewalt, aber auch Gleichgültigkeit. Oder ist es womöglich Resignation? Können wir noch etwas lernen? Und was? Von wem? Wer bietet die Aussicht auf eine bessere Welt ohne Hunger, Krieg und Schreckensherrschaften?

Parteien und Politiker? Nein, die bestimmt nicht.
Staaten? Ich denke nicht. Die Vereinigten Staaten haben komplett abgewirtschaftet, erst moralisch, dann militärisch und jetzt ökonomisch. Diesem Land stehe ich allerhöchstens noch fünfzig Jahre Siechtum zu. Das war es dann auch.
Europa? Alt oder neu? Nein, keine Chance.
Die Chinesen vielleicht? Menschen mit Panzern überrollen, sie in Arbeits- und Umerziehungslager verschleppen, sie durch Todesurteile eliminieren, Meinungen unterdrücken, Parolen und Drohungen ausstoßen - das hat die Welt schon lange vorher durch die Europäer erlebt.
Dann die Rückbesinnung auf religiöse Werte? Bloß das nicht. Dogmatismus wäre der völlig falsche Weg.

Wer verheißt uns eine glücklichere Zukunft?

Der Dalai Lama? Der ist zwar friedlich, aber weltfremd, so scheint mir. Womöglich ist er selbst seiner Zeit um zweitausend Jahre voraus. Also wer? Ich denke, nur wir selbst. Durch Nachdenken, Mitfühlen, Bescheidenheit, Zivilcourage und Entschlossenheit. Friedlich, aber nicht wehrlos. Schließlich wehrt sich jedes Lebewesen, wenn es angegriffen wird. Sogar ein zahnloser Fisch beißt in solchen Fällen zu. Wehren sollten wir Menschen uns auch. Friedlich, aber konsequent!

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Samstag, 19. april 2008

69

Neulich begegnete ich am Flughafen Berlin-Tegel vier jungen Leuten, einem Mann und drei Frauen, die alle ein vielfarbiges T-Shirt trugen, auf dem stand in fünf Zeilen geschrieben: Na und! Bin ich halt ein Müllgammler. Was bist Du? Waffenhändler? Geldwäscher? Menschenschleuser?

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Freitag, 18. april 2008
68

Nur wer bereit ist, unter Teppiche zu schauen, der sieht auch die Welt aus der Perspektive eines Staubpartikels.           (Franz Krämer)
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Donnerstag, 17. april 2008

67

Weiße Kragen 

An den Fensterscheiben zog draußen die Finsternis vorbei. Hier und da erschien das bleiche nebelgestreute Licht einer Straßenlaterne. Es war schon Juni, aber noch erstaunlich frisch. Endlich näherte sich der Linienbus seiner Endhaltestelle. Drinnen standen gerade vier Leute auf. Ein smart gekleideter Geschäftsmann, so um die vierzig und einem schicken Ring zufolge verheiratet, der sich mit zwei älteren Frauen zuvor leise unterhalten hatte und eine Teenagerin. Auf der letzten Bank saß noch ein Mann mit strubbeligem Haar und einer offenen Bierflasche in der Hand. Er verließ als letzter den Bus.

Das Mädchen befand sich auf dem Heimweg als es von hinten plötzlich die Gefahr wahrnahm. Doch bevor sie sich umdrehen und reagieren konnte, erhielt sie einen brutalen Schubser von hinten. Sie stürzte auf den Bürgersteig. Es tat weh. Ihre Augen verschwammen vor Schmerzen. Jemand packte sie kräftig am Kragen ihrer Jacke und zehrte sie ins Gebüsch. Aber sie war nicht imstande zu schreien oder sich zu wehren. Starr vor Angst. Sie spürte nur die stumme Entschlossenheit, mit der der Unbekannte vorging. Ein Reißverschluß öffnete sich hörbar, dann wurde ihr die Jeans abgestreift. Ihr Slip fortgerissen. Die Beine gespreizt. Am Po war es jetzt kalt und naß zugleich. Sie fröstelte. Der Unbekannte kniete nieder, zwischen ihren Beinen rückte er immer näher bis er auf ihr lag. Zunächst blieb ihr die Luft blieb weg. Sie drohte das Bewußtsein gänzlich zu verlieren. Doch dann fühlte sie etwas Hartes, das unten in sie eindringen wollte. Der Versuch allein tat schon weh. Nur noch einen Moment, und sie hätte ihre Würde vollständig verloren.

Während sie darauf wartete, daß sich Kälte in ihrem Körper breitmachte, hörte sie noch das Wort Dreckskerl und gleich darauf wurde eine Glasflasche zertrümmert. Dort, wo sie den Kopf des Vergewaltigers vermutete, zersprang die Flasche. Wie ein naßer Sack kippte der schlanke Körper zur Seite weg, direkt neben sie. Jetzt erkannte sie einen weißen Hemdkragen, eine Krawatte, den Ärmel eines dunkelgrauen Mantels, eine feingliedrige Hand, dessen Ringfinger ein Ring trug. Noch etwas nahm sie wahr: Alkohol. Von irgendwoher drang Alkoholdunst zu ihr. Dann brach sie zusammen.

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Kultur-Schock
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Mittwoch, 16. april 2008
66

Des Fürsten Thron drückt
immer mehr hinab, die Kirche
schleicht hinten dran
mit ihrem Zehnt
beid' vergeuden stets
mein Schweiß und Leben
dies wird sich rächen bald

Antoine Sainte Dauvray ( ? - 1781, Bauer aus dem Périgord)


Hatte der französische Bauer das Kommende bereits vorausgeahnt oder war es nur ein literarischer Wunschgedanke?

übersetzt in die heutige Zeit heißt das:

Wenn die Herrschenden und Besitzenden durch ihr Verhalten die Existenzsicherung auf die bloße Frage "Sein oder Nichtsein?" verengen, dann weiß der betroffene Mensch eine Antwort darauf: schrankenlose Gewalt!
von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Gedichte
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Freitag, 11. april 2008

65

Menschenkenntnis kann Menschen töten

Es trug sich vor Jahren zu. Eine verheiratete Nachbarin, soweit ich damals wußte war sie Sozialpädagogin, hatte einen Liebhaber. Ich hatte sie mehrmals in unserer Stadt mit einem Mann, nicht ihr Ehemann, händchenhaltend und eng umschlungen gesehen. Adrett sah er aus und schien auch gut zu ihr zu passen. Ein Liebhaber halt. Feurig! Den späteren Zeitungsberichten zufolge sollte ihre Ehe zu diesem Zeitpunkt längst zerrüttet gewesen sein. Das schien mir auch so als ich mitansehen konnte wie sie ihn küßte. Leidenschaftlich. Explosiv. Verschlingend.

Monate später trugen sie morgens einen schnöden Blechsarg aus dem Nachbarhaus. Was war geschehen? Diesbezügliche Fragen beantworteten nur die lokalen Tageszeitungen in den folgenden Tagen und Wochen. Nun, ich hielt mich zurück. Aber deren Schlußfolgerungen schienen mir zu simpel: Ehemann erschlägt Liebhaber aus rasender Eifersucht.

Der Ehemann sitzt heute auf der Anklagebank, trotz seiner Haltung machte er von Beginn der Verhandlung an auf mich den Eindruck eines jähzornigen äußerst impulsiven Menschen. Obwohl ich ihn früher als zuvorkommenden und freundlichen Menschen kennengelernt hatte. Vielleicht nur Fassade. Denn er ist der Täter, daran gibt es keinen Zweifel. Das weiß er auch. Das wissen alle. Zerknirscht sitzt er auf der Anklagebank. Den Kopf gesenkt und in seinen Händen vergraben. Alles läßt er über sich ergehen. Regungslos. Wortlos. Ein Häufchen Elend. Ahnt er denn gar nichts?

Warum ich mir so sicher bin? Eine Woche nach dem tödlichen Ereignis sah ich meine Nachbarin wieder. Es war schon dunkel, aber ich konnte sie erkennen. Dazu konnte ich noch jemanden erkennen: den Feurigen!

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Mehr menschlichkeit
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über diesen Blog

  • : 7.01.2008
  • : von Beate
  • : Dieser Blog enthält meine freigeistigen Meinungen zu allen gesellschaftlichen und poli-tischen Themenbereichen unserer Zeit.
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Profil

  • : ein Zaungast
  • : weiblich
  • : 1.01.1960
  • : Nordrhein-Westfalen
  • : gehöre nicht dazu, aber bin doch Teil von ihnen

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