Dienstag, 8. april 2008

60

Schlange stehen

Also ich weiß zwar nicht wie es ihnen innerlich so ergeht, wenn sie mal wieder in einer der vielen Schlagen anstehen wie einst die Ossis beim Konsum für die berühmt berüchtigten Bananen. Kürzlich, d.h. heute, sind mir Dinge passiert, die werden sie nicht glauben wollen.

Alles fing damit an, daß es heute morgen noch dunkel war, als ich das Haus verließ. Vor dem Wochenende war das noch anders, aber irgendwelche superschlauen und hochbezahlten Freaks haben ja bekanntlich vor Jahren die Sommerzeit eingeführt. Heute morgen ist mal wieder der erste Arbeitstag danach gewesen. "Entschuldigen Sie, darf ich mal durch?" "Ja, natürlich." "Danke." Muß die sich jetzt hier durchzwängen, blöde Kuh. Also, ich war noch nicht ganz wach als ich ins Auto stieg, um zur Arbeit zu fahren. Aber es reichte, irgendwie doch den gewohnten Weg zu finden. So fuhr ich denn ... "Verzeihung!" Herje, noch so eine. Was gehen die Leute in den Supermarkt, wenn sie doch nichts einkaufen? So bescheuert möchte ich auch mal sein. Wo war ... ach ja, so fuhr ich also denn die Hauptstraße entlang und hörte ein bißchen Musik, kratzte mich kurz am Kopf, weil die frisch gewaschenen Haare irgendwie fürchterlich juckten als plötzlich im Rückspiegel ein Polizeitransporter mit hohem Tempo auf mich zugerast kam. Ehrlich gesagt, ich dachte mir nichts dabei. Schließlich war ich weder zu langsam noch zu schnell gefahren, angeschnallt war ich auch, getrunken hatte ich nichts. Also, das konnte nicht mir gelten. Vor einer roten Ampel mußte ich halten. Der Transporter mit zwei jungen Polizisten drinnen auch.

Plötzlich hält der Beifahrer seine Kelle raus. Ich hielt das eher für einen Irrtum oder war an meinem Wagen womöglich irgendetwas kaputt? So kurbelte ich das Fenster runter und sprach mit dem jungen Beamten. Ich solle doch mal bitteschön rechts ranfahren. Mein Hinweis, daß ich auf dem Weg zur Arbeit bin, ließ er nicht gelten. Also fuhr ich rechts ran, nachdem die Ampel auf Grün gesprungen war... Warum geht das hier eigentlich nicht weiter. "Darf ich mal!" Schon wieder einer, der ohne Einkauf durch die Kasse will. Was ist denn mit den Leuten los heute? ... Nun ja, ich fuhr rechts ran. Es blieb mir ja auch nichts anderes übrig. Der Transporter setzte sich hinter meinen Wagen. Es dauerte eine Weile bis die beiden Beamten ausstiegen und auf mich zukamen. Der Fahrer kam zu mir ans Fenster, der andere stellte sich in den toten Winkel. Wie alt mochte der Beamte sein, der mich ansprach. 23? Sah ja ganz passabel aus. Führerschein und Fahrzeugpapiere wolle er sehen. Meine Frage, was denn los sei, ignorierte er. Minuspunkt. Er ging zum Auto zurück und überprüfte wohl meine Dokumente. Das dauerte wieder eine Weile. Es schien eine halbe Stunde vergangen zu sein, bevor er wieder vor der Fahrertür stand. Wortlos gab er mir meine Dokumente zurück. Noch einen Minuspunkt. Aber er verabschiedete sich nicht, sondern er wartete ab. Worauf wartete er nur? Es war noch dunkel, immer noch kalt und überhaupt wurde mir die ganze Situation langsam unheimlich. Außerdem geriet ich allmählich in Zeitdruck. A propos Zeitdruck! "Geht das hier vielleicht mal irgendwann weiter? Warum besetzt denn niemand die andere Kasse?" Mögen Sie mir vielleicht mal verraten, warum Sie mich angehalten haben, sagte ich ihm. Er antwortete nicht. Der Kerl hatte die Ruhe weg. Weiderte er sich vielleicht an meiner aufkommenden Furcht? Endlich rückte er mit der Sprache raus. Er hätte mich beim Telefonieren beobachtet! Äh, beim Telefonieren? Wie das? Ich glaubte an einen Scherz und wollte schon loslachen, denn ich besitze kein Mobiltelefon und mein Wagen ist auch mit keinem Autotelefon ausgestattet. Aber sein Gesichtsausdruck verriet keinen Spaß. Zwei Minuspunkte mehr. Zwei Sterne und schon so borniert. Armer Kerl. Wirst es weit bringen. Also erwiderte ich, daß das nicht möglich sein könne, denn ich besitze gar kein mobiles Telefon, mit dem ich jetzt hätte telefonieren können. Doch er blieb standhaft. Ich bot ihm an, mein Auto, meine Taschen etc. zu durchsuchen. Er würde nichts finden. War ich eigentlich völlig plem-plem? Hallo Fräulein, schon mal was von Grundrechten gehört. 

Doch er beharrte auf seine Behauptung. Jetzt war ich hellwach. So fragte ich ihn, wie er denn so sicher sein kann bei den Lichtverhältnissen, dem sichtbehindernden Autoverkehr, dem sehr kurzen Moment von einem Bruchteil einer Sekunde. Ungerühert füllte er unterdessen einen Zettel aus. Allmählich stieg blanke Wut in mir hoch und legte sich auf meine Stimme. Dieser verdammte Schnösel. Was fällt diesem arroganten Pickelgesicht ein? Ich behielt es für mich, mußte aber alles tief schlucken. Dann wäre ja alles gut. Er übergab mir den Zettel mit dem Hinweis, dagegen könne ich ja Widerspruch einlegen und als Begründung alles das anführen, was ich gerade vorgebracht hätte. Arschloch! Als wenn er nicht wüßte, daß bei Aussage gegen Aussage ... "Können Sie mich 'mal durchlassen?" Nein, du Trottel. "Ja, natürlich." Das ist jetzt der vierte, der an mir vorbeigeht. Der hat wohl auch keine Geduld mehr gehabt. Warum liegen hier eigentlich überall Bananen rings um mich herum in den Regalen?

... Also bei Aussage gegen Aussage wird doch grundsätzlich dem Polizeibeamten geglaubt, mögen dessen Ausführungen noch so abstrus sein. Schließlich hatte ich keinen Zeugen und der andere Polizist, der noch jünger schien, sagte keinen Ton. Bevor er ging, verabschiedete er sich von mir. Ich nicht und still verwünschte ich diesen Vollidioten in die Hölle. Zu spät zur Arbeit bin ich überdies auch noch gekommen. Also der Tag fing nun wirklich nicht gut an. Wahrscheinlich hört er wohl auch nicht gut auf, wenn ich hier noch länger warten muß. Mein Magen beginnt zu grummeln. Ach ja. Während meiner kurzen Mittagspause stand ich über eine Viertelstunde beim Bäcker an, um dann eröffnet zu bekommen, daß die Sandwiches derzeit aus seien. Frust pur. Warum gibt es in Deutschland nicht mehr Personal? Überall Schlangen. Bei der Post. In der Bücherei. Im Zeitschriften- und Lottoladen. Bei der Bahn. Und überhaupt. Hier ja auch. Dabei schreiben die Unternehmen Jahr für Jahr horrende Gewinne und unsereins muß anstehen wie vor zwanzig Jahren die Menschen in den Ostblockländern. Die Marktwirtschaft ist ja mittlerweile sozialistischer als der damals real existierende Sozialismus. Ich laß' denen hier meinen randvoll gefüllten Einkaufswagen stehen, wenn es jetzt nicht gleich vorangeht...

Na endlich, muß immer erst gedroht werden, damit eingelenkt wird. Bitte, da steht es doch. 'Audi-Chef Bakschisch gibt veröffentlichte Höhe seines Gehaltes zu'. Das muß ich nachher lesen. Oder besser doch nicht. Es wundert mich äh nichts mehr. Jetzt schließen sie die andere Kasse, kaum daß sie die andere aufgemacht haben. Nein, mir reicht's jetzt. Julia, ab durch die Mitte. Demnächst können die hier die Bananen selber futtern. "Entschuldigen Sie bitte. Mögen Sie mich mal durchlassen?" ...

Endlich frische Luft. Wurde auch langsam Zeit. Das war ja nicht mehr zum Aushalten in der Kassenschlange. Nanu? Der uniformierte Typ da drüben sieht aber verdächtig aus. Hält 'ne Banane in der Hand und hat Ähnlichkeit mit, wie heißt der noch ... genau, Gaddhafi. Das wird doch nicht etwa ...

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Lebensalltag
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Montag, 7. april 2008
59

Eines frühen Morgens erklingt die flüsterne Stimme Wotans aus dem Himmel. "Lea, schleich' dich. Brunhilde kommt gleich. Wenn die dich sieht, dann wissen bald alle meine Gläubigen davon." Lea antwortet: "Was regst du dich denn so künstlich auf. Brunhilde ist doch die UrUrUrUr....Urenkelin von Abraham!" 
von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Balance
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Sonntag, 6. april 2008
58

"Woran erkennst du einen einzelnen Rechten?", fragt Klein-Bub seinen großen Bruder.

Der weiß darauf keine Antwort, sagt der Kleine: "Mensch, das ist doch ganz einfach. An der Panik in den Augen und dem hohlen Klammergriff seiner rechten Hand."
von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Linke Literatur & Toleranz
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Samstag, 5. april 2008
57

Wer surft, stößt oft auf sittenwidrige oder gar kriminelle Angebote. Gerade habe ich mehrere Seiten entdeckt, deren Inhalte auf das Bewerben und Vermitteln von Schneeballsystemen ausgelegt sind. Zu finden unter:

http://de.over-blog.com/com-1037698828/Taschengeld.html,
http://de.over-blog.com/com-1037644700/Reich_werden.html,
http://de.over-blog.com/com-1039798016/_Schlau_wir_der_Fuchs_.html

u.v.a. - Geradezu ein wahres Netz, das sich über over-blog hinweggezogen hat.

Kurz und bündig. Habe alles abgespeichert, der Over-blog-Administration und Staatsanwaltschaft in Münster darüber Mitteilung gemacht. Jetzt sind die an der Reihe, ihre Hausaufgaben zu erledigen. Mal sehen wie schnell das geht.
von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Lebensalltag
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Samstag, 5. april 2008
56

Früher haben die Köhler Holz zu Kohle gemacht.

Heute leitet ein Köhler nur noch eine Bananenplantage.

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Lebensalltag
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Samstag, 5. april 2008
55

Treffen sich zwei Rechte in Teheran.

Fragt der eine den anderen:

"Hey Du, was hast du mit deiner rechten Hand gemacht?"

Antwortet dieser: "Das gleiche wie du!"

"Wie! Geklaut?
von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Kultur-Schock
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Samstag, 5. april 2008

54


Pawlowsche Zweibeiner

Rechts von mir

sitzen die Armen

an Geist und Gefühl

Beißen nach allem

was sich unerlaubt

nähert

sei es auch schwarz

oder schwul



von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Mehr menschlichkeit
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Samstag, 5. april 2008

53


Eiszeit

Mit jedem Tag länger

es schneit oder fürchterlich

windet, ob naß oder

kalt

ist völlig egal weil

Wärme im Norden das

Eise so quält

was den Strome arg

in die Tiefe zieht

so daß unser Atem

in Kristallen erstickt

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Tier-, Natur- und Umweltschutz
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Freitag, 4. april 2008

52

Sport!?! Sport ist Mord fiel mir bislang stets zu diesem Begriff ein. Obwohl auch ich Sport treibe, aber in Maßen, amateurhaft, laienhaft eben, also nicht professionell. Sieht die Öffentlichkeit von ein paar Ausnahmen (Doping und Vorerkrankungen) mal ab, dann ist diese Weisheit natürlich auch übertrieben. Aber darauf wollte ich eigentlich gar nicht hinaus.

Mein Lebensgefährte, ein leidenschaftlicher Anhänger des ruhmreichen Fußballclubs Borussia Mönchengladbach, klagte mir jüngst sein Leid. Nein, nicht wegen des Tabellenplatzes. Schließlich steht sein Verein auf dem ersten Platz (der Zweiten Liga!!!), und seine Mannen haben am vergangenen Wochenende auch gewonnen. Und nicht nach einer 4:0 Führung noch 4:5 verloren, wie es der Titel vermuten läßt. Nein, es stört ihn etwas anderes, was auf lange Sicht sein Interesse am Fußball gänzlich untergraben könnte. Wahrscheinlich geht das auch anderen Fans so. Da das, was er zunächst seinen Freunden erzählte, und ich mithören durfte, selbst derart interessant finde, dachte ich mir, die wesentlichen Passagen der Diskussion zu veröffentlichen. Natürlich mit dem Einverständnis meines Lebensgefährten und seiner Freunde. Ich bin gespannt wie hoch die Resonanz auf diesen Beitrag sein wird.

Zu Beginn behauptete mein Lebensgefährte, daß es seit einigen Jahren vermehrt auffällige Ereignisse gebe, die sich bei Fußballspielen in den ersten und zweiten Ligen im In- und Ausland ereignen würden. Zum Beispiel läßt ein Torhüter den Ball unerwartet fallen, woraus ein Gegentor resultiert; ein Spieler benutzt unerklärlicherweise zur Abwehr einer Flanke seine Hände und verursacht damit einen Elfmeter; ein Stürmer köpft oder schießt ein komisches Eigentor; das Zeigen einer Roten Karte wird ohne Not provoziert, seltsame Verletzungen mit urplötzlichen Genesungen. Mannschaften oder eine Gruppe von gleichstarken Mannschaften verlieren oder gewinnen gerade dann (gleichzeitig), wenn es vollkommen unerwartet ist, und daraufhin die Tabellensituation insgesamt wieder spannender wird. Abstieg und Meisterschaft scheinen plötzlich wieder offen zu sein. Mein Lebensgefährte betont, daß es solche Vorkommnisse und Überraschungen auch schon vor zwanzig, vierzig, sechzig oder hundert Jahren gegeben habe. Aber nicht derart gehäuft! Heute verginge kaum ein Spiel ohne eines oder mehrerer solcher Ereignisse. Ich glaube, er muß es wissen, denn er beschäftigt sich mit dem Thema, worauf dieser Beitrag abzielt, beruflich.

Hierzu möchte ich neun stellvertretende Beispiele anführen:

1. Bei einem wichtigen Europapokalspiel zwischen Werder Bremen und Juventus Turin fängt der Torwart der deutschen Mannschaft den Ball sicher, setzt zu einer Rolle vorwärts an und verliert dabei den Ball, was zu dem alles entscheidenden Gegentreffer führt. Machogehabe?

2. Bei einem Meisterschaftsspiel der türkischen Süperlig zwischen Fenerbahce Istanbul und Konyaspor (Saison 2006/2007) vergeben die Stürmer beim Stande von 3:0 reihenweise beste Einschußmöglichkeiten. Aber nicht, weil sie von Gegenspielern daran gehindert werden oder weil die Positionen ungünstig sind. Nein, die Spieler brechen sich beinahe die Beine, um ja nicht schießen zu müssen bzw. sie schießen so schwach, daß der Ball unterwegs einzuschlafen droht - aus 10, 5, 3 ... Metern. Unvermögen?

3. Beim diesjährigen Premier-League-Spiel zwischen Arsenal London und Manchester United steht es bis 10 Sekunden vor dem Pausenpfiff 0:0, obwohl beide Mannschaften Torchancen hatten. Mit dem letzten Angriffszug fällt dann aus heiterem Himmel das 0:1, was wenige Minuten nach Wiederanpfiff egalisiert wird und der Stand von 1:1 bis zum Ende des Spiels bleibt (trotz zahlreicher Torchancen hüben wie drüben). Zufall?

4. An den meisten Spieltagen der zweiten französischen Liga (Saison 2006/2007) fielen in den meisten Spielen weniger als drei Tore; hin und wieder kam bzw. kommt es vor, daß zur Halbzeit insgesamt weniger als 3 oder 4 Tore (von zehn Spielen) gefallen sind. Weniger als 3 Tore heißt im Wettjargon "unter Tore".

5. Beim kürzlichen Telekom-Bundesligaspiel zwischen LASK Linz und Rapid Wien fallen insgesamt acht Tore (Endstand 4:4). Linz führt 2:1, 3:2 und 4:3. Die letzte Führung gilt auch noch in der letzten Spielminute. Als allerletzte Aktion bekommt der Gast einen Freistoß zugesprochen. Ein direkter Schuß verbietet sich, es muß geflankt werden. Also flankt der Rapidspieler in die Mitte und per Kopf oder Fuß verlängert ein Mitspieler den Ball ungehindert ins Tor und markiert damit den Ausgleich. Ungehindert, weil alle zehn Gegenspieler herausgelaufen sind, um auf Abseits zu spielen. Wirklich Zufall?

6. Vor wenigen Tagen führte der FC Barcelona bei Betis Sevilla mit 2:0. Die Gäste waren haushoch überlegen. In der zweiten Halbzeit trat plötzlich eine Veränderung ein, aber ohne, daß die Hausherren stärker geworden wären. Die Folge dieser Veränderung (das große Barcelona war von jetzt auf gleich ängstlich geworden ?) waren drei Gegentreffer. Das Spiel ging verloren. Wirklich Zufall? 

7. Beim gestrigen UEFA-Pkal-Hinspiel zwischen dem FC Bayern München gegen den FC Getafe fällt in der allerletzten Spielminute der Ausgleich zum 1:1 durch die Spanier. Wirklich Zufall?

8. Beim Champions-League-Finale 2005 führt der AC Mailand mit 3:0 (!) gegen den FC Liverpool. Am Ende steht es 3:3, Verlängerung, Elfmeterschießen, Liverpool verläßt als Sieger den Platz. Wirklich Zufall?

9. Beim Ligaspiel (Saison 2007/08) zwischen dem Ersten Red Bull Salzburg und einem Verfolger namens Rapid Wien werden sage und schreibe sieben Tore geschossen. In das Salzburger Tor! Mit diesem Sieg zieht Rapid kurz vor Saisonende in der Tabelle an Salzburg vorbei. Und?

Ereignisse dieser und anderer Art ließen sich auch aus Greichenland, Italien, der Schweiz, Tschechien, Portugal, Dänemark, Rußland u.a. europäischen und außereuropäischen Ländern dokumentieren.

Was haben solche Ereignisse auf den ersten Blick alle gemein?

Sie erhöhen den Unterhaltungswert eines Fußballspiels sowie einer -saison. Schließlich geht man doch gerne ins Stadion oder setzt sich vor den Fernseher, wenn viele und womöglich kuriose Tore fallen. Wenn nicht nur die Favoriten gewinnen, sondern auch die Außenseiter eine Chance haben. Das bringt Fun, Spannung, Heiterkeit, treue Zuschauer und Lust auf mehr.

Was bedeutet der Einbruch der Unterhaltungsphilosophie in den Fußballsport?

Zunächst einmal bedeutet mehr Unterhaltung mehr Medienpräsenz, mehr Vermarktung, v.a. mehr Werbung, Merchandising, mehr Geld, höhere Profite. Es entsteht ein milliardenschwerer Markt. Hier läßt sich richtig "leichtverdiente" Kohle machen. Mit relativ geringem Aufwand.

Welche Konsequenz bringt diese enorme Wirtschaftlichkeit mit sich?

Diese Profitmaximierung zieht natürlich selbstredend auch kriminelle Subkulturen an. In erster Linie denke ich da an die massenhaften Wettanbieter und an die Personen, die mittels eines solchen Angebots dank ihrer Einflußmöglichkeiten (Verbände, Funktionäre, Vereinsvorstände, Manager, Spielerberater, Schiedsrichter, Spieler, Vereinskapitaleigner, Sponsoren, Mäzene, Geldwäscher, Drogendealer, das organisierte Verbrechen wie z.B. die Mafia etc.) versucht sein könnten, sich ein großes Stück vom Kuchen abschneiden zu wollen. Korruption und Wett- sowie Spielmanipulationen gibt es nicht erst seit gestern, aber mit der Liberalisierung des Fußballsports (Einkaufen in Sportvereine, siehe Chelsea London, FC Liverpool, Zenit St. Petersburg oder Quasi-Einkaufen, siehe TSG Hoffenheim, Schalke 04 u.v.a.) und des Wettgeschäfts wird der Profifußball seinen sportlichen Charakter und seine sozio-kulturelle Vorbildfunktion einbüßen. Wettskandale in Italien (Juventus Turin u.a., noch immer nicht abgeschlossen), Belgien, Deutschland (der Fall Hoyzer) und neuerdings in Portugal (FC Porto) stellen nur die Spitze des Eisbergs sowie lediglich eine Momentaufnahme dar.

Warum zieht man seitens der sportlich verantwortlichen nicht die Reißleine?

Das liegt zum einen daran, daß die Lobby der Unterhaltungsindustrie fast schon übermächtige Positionen besetzen in den Medien, im Bereich Sport, aber vor allem in Justiz, Politik und Verwaltung. Das erkennt man daran, daß in Deutschland der neue Glücksspielstaatsvertrag, der privaten Wettanbietern ihr Geschäft verbietet, gültig seit dem 1.1.2008, von der EU torpediert und in Deutschland selbst gar nicht umgesetzt wird. Damit läuft der Schutz von Wettabhängigen absolut ins Leere. Auch die DFL, der DFB und andere Fußballverbände sind nicht geneigt, einzugreifen, weil schließlich will man sich nicht den Ast absägen, auf dem man selbst sitzt. Fernseheinnahmen in Millionenhöhe wären gefährdet, damit die eigene Position, das Ansehen etc.

Was sind die mittel- bis langfristigen Folgen?

Last but not least bleibt der sportliche Wettbewerb auf der Strecke. Einzelne Spiele und Spielsaisons verkommen zu reinen Unterhaltungsveranstaltungen, die allerdings keine Aussagekraft mehr besitzen über die sportliche Leistungsfähigkeit eines Teams oder gar einer Region/ Landes. Ein Beispiel: Der österreichische Fußball liegt im internationalen Vergleich deshalb so auf dem Boden, weil das Unterhaltenwollen jeglichen Anreiz nimmt, kontinuierlich sportliche Bestleistungen zu erbringen. Was dazu führt, daß es keinen allgemeingültigen Leistungsmaßstab mehr gibt. Die Ergebnisse der österreichischen Fußballnationalmannschaft im Vorfeld der EM 2008 sprechen dafür Bände (natürlich gibt es auch noch andere Gründe).

Fußball mag zwar jetzt unterhaltender sein als Micky Mouse in Disneyland, aber seinen Reiz wird es seiner Meinung nach in spätestens zehn Jahren bei ehrlichen Sportfans eingebüßt haben. Das meint mein Lebensgefährte und befürchtet, daß er nicht eines allzu fernen Tages mitansehen müßte wie seine - hinter mir natürlich!!! - heißgeliebte Borussia auf den Wink irgendeines einflußreichen oder reichen oder verbrecherischen oder nur dummen Menschen hin gewinnen darf oder verlieren muß. Hoffentlich wird dieser Zeitpunkt soweit hinausgezögert wie nur möglich. Denn er möchte noch lange Freude haben an seinem Team, am Fußballsport und seiner Arbeit.

P.S.: Mein Lebensgefährte vermutet, daß an diesem Wochenende der 1.FC Nürnberg auswärts gewinnt, und Arminia Bielefeld zu Hause verliert. Darauf hält er fast jede Wette. Wetten?

Nachtrag 7.4.2008:
Nürnberg gewinnt 3:1, Bielefeld gewinnt und dank eines katastrophalen Torwartfehlers durch ein Tor in der Nachspielzeit mit 1:0

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Lebensalltag
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Freitag, 4. april 2008

51

Wenn anschließend auch der Konjunktiv regieren wird, es bleibt die Gewißheit, denn die Erfahrungen aus der Menschheitsgeschichte sprechen für sich.

Der einzige Grund, warum Adolf Hitler, Staats- und Regierungschef des damaligen nationalsozialistischen Deutschen Reiches, nicht Bündnispartner der einzig wirklichen Weltmacht USA geworden ist, lag daran, daß er einen eigenen Weltmachtanspruch formuliert hatte. Hätte er dies nicht getan und erst recht nicht den zweiten Weltkrieg ausgelöst, dann wäre er womöglich Jahre später Seite an Seite mit Präsident Eisenhower oder Truman gegen die kommunistische Sowjetunion marschiert. Trotz der von den Deutschen ermordeten Juden, Sinti und Roma, geistig und körperlich Gehandicapten, sog. "Asozialen", Andersdenkenden etc.

Was sagt uns das? Nun, das Weltmächte oder Mächte, die es werden wollen, keine Skrupel kennen, um das Ziel zu erreichen oder den Status Quo zu erhalten oder in ihrem Sinne auszubauen. Historische Beispiele: Hitler-Stalin-Pakt (40er Jahre), Sowjetunion-Ostblockländer (50er bis 90er Jahre), USA-Pinochet-Regime (70er Jahre Chile), USA-Mobutu-Regime (70er/89er Jahre Zaire, heute Kongo), USA-Saddam Hussein (80er Jahre Irak), USA-Contra-Paramilitärs (80er Jahre Nicaragua), China-Sudan-Regime (neues Jahrtausend/Darfur-Konflikt) u.v.m.

Was sagt uns das noch? Vor solchen menschenverachtenden Bündnissen wird die Menschheit auch in der Zukunft nicht gefeit bleiben, wenn sie sich weiterhin so passiv verhält als ginge ihnen dies nichts an. Freiheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit, kurz: die Bewahrung der Menschenwürde, sind nämlich nicht an Nationalitäten, Glaubensbekenntnissen, Wohlstand oder anderen Faktoren gebunden außer an Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem (menschlichen) Leben. Vieles hätte uns bereits erspart bleiben können, und Vieles könnte uns erspart bleiben.

 

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Mehr menschlichkeit
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über diesen Blog

  • : 7.01.2008
  • : von Beate
  • : Dieser Blog enthält meine freigeistigen Meinungen zu allen gesellschaftlichen und poli-tischen Themenbereichen unserer Zeit.
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