Samstag, 5. april 2008

54


Pawlowsche Zweibeiner

Rechts von mir

sitzen die Armen

an Geist und Gefühl

Beißen nach allem

was sich unerlaubt

nähert

sei es auch schwarz

oder schwul



von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Mehr menschlichkeit
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Samstag, 5. april 2008

53


Eiszeit

Mit jedem Tag länger

es schneit oder fürchterlich

windet, ob naß oder

kalt

ist völlig egal weil

Wärme im Norden das

Eise so quält

was den Strome arg

in die Tiefe zieht

so daß unser Atem

in Kristallen erstickt

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Tier-, Natur- und Umweltschutz
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Freitag, 4. april 2008

52

Sport!?! Sport ist Mord fiel mir bislang stets zu diesem Begriff ein. Obwohl auch ich Sport treibe, aber in Maßen, amateurhaft, laienhaft eben, also nicht professionell. Sieht die Öffentlichkeit von ein paar Ausnahmen (Doping und Vorerkrankungen) mal ab, dann ist diese Weisheit natürlich auch übertrieben. Aber darauf wollte ich eigentlich gar nicht hinaus.

Mein Lebensgefährte, ein leidenschaftlicher Anhänger des ruhmreichen Fußballclubs Borussia Mönchengladbach, klagte mir jüngst sein Leid. Nein, nicht wegen des Tabellenplatzes. Schließlich steht sein Verein auf dem ersten Platz (der Zweiten Liga!!!), und seine Mannen haben am vergangenen Wochenende auch gewonnen. Und nicht nach einer 4:0 Führung noch 4:5 verloren, wie es der Titel vermuten läßt. Nein, es stört ihn etwas anderes, was auf lange Sicht sein Interesse am Fußball gänzlich untergraben könnte. Wahrscheinlich geht das auch anderen Fans so. Da das, was er zunächst seinen Freunden erzählte, und ich mithören durfte, selbst derart interessant finde, dachte ich mir, die wesentlichen Passagen der Diskussion zu veröffentlichen. Natürlich mit dem Einverständnis meines Lebensgefährten und seiner Freunde. Ich bin gespannt wie hoch die Resonanz auf diesen Beitrag sein wird.

Zu Beginn behauptete mein Lebensgefährte, daß es seit einigen Jahren vermehrt auffällige Ereignisse gebe, die sich bei Fußballspielen in den ersten und zweiten Ligen im In- und Ausland ereignen würden. Zum Beispiel läßt ein Torhüter den Ball unerwartet fallen, woraus ein Gegentor resultiert; ein Spieler benutzt unerklärlicherweise zur Abwehr einer Flanke seine Hände und verursacht damit einen Elfmeter; ein Stürmer köpft oder schießt ein komisches Eigentor; das Zeigen einer Roten Karte wird ohne Not provoziert, seltsame Verletzungen mit urplötzlichen Genesungen. Mannschaften oder eine Gruppe von gleichstarken Mannschaften verlieren oder gewinnen gerade dann (gleichzeitig), wenn es vollkommen unerwartet ist, und daraufhin die Tabellensituation insgesamt wieder spannender wird. Abstieg und Meisterschaft scheinen plötzlich wieder offen zu sein. Mein Lebensgefährte betont, daß es solche Vorkommnisse und Überraschungen auch schon vor zwanzig, vierzig, sechzig oder hundert Jahren gegeben habe. Aber nicht derart gehäuft! Heute verginge kaum ein Spiel ohne eines oder mehrerer solcher Ereignisse. Ich glaube, er muß es wissen, denn er beschäftigt sich mit dem Thema, worauf dieser Beitrag abzielt, beruflich.

Hierzu möchte ich neun stellvertretende Beispiele anführen:

1. Bei einem wichtigen Europapokalspiel zwischen Werder Bremen und Juventus Turin fängt der Torwart der deutschen Mannschaft den Ball sicher, setzt zu einer Rolle vorwärts an und verliert dabei den Ball, was zu dem alles entscheidenden Gegentreffer führt. Machogehabe?

2. Bei einem Meisterschaftsspiel der türkischen Süperlig zwischen Fenerbahce Istanbul und Konyaspor (Saison 2006/2007) vergeben die Stürmer beim Stande von 3:0 reihenweise beste Einschußmöglichkeiten. Aber nicht, weil sie von Gegenspielern daran gehindert werden oder weil die Positionen ungünstig sind. Nein, die Spieler brechen sich beinahe die Beine, um ja nicht schießen zu müssen bzw. sie schießen so schwach, daß der Ball unterwegs einzuschlafen droht - aus 10, 5, 3 ... Metern. Unvermögen?

3. Beim diesjährigen Premier-League-Spiel zwischen Arsenal London und Manchester United steht es bis 10 Sekunden vor dem Pausenpfiff 0:0, obwohl beide Mannschaften Torchancen hatten. Mit dem letzten Angriffszug fällt dann aus heiterem Himmel das 0:1, was wenige Minuten nach Wiederanpfiff egalisiert wird und der Stand von 1:1 bis zum Ende des Spiels bleibt (trotz zahlreicher Torchancen hüben wie drüben). Zufall?

4. An den meisten Spieltagen der zweiten französischen Liga (Saison 2006/2007) fielen in den meisten Spielen weniger als drei Tore; hin und wieder kam bzw. kommt es vor, daß zur Halbzeit insgesamt weniger als 3 oder 4 Tore (von zehn Spielen) gefallen sind. Weniger als 3 Tore heißt im Wettjargon "unter Tore".

5. Beim kürzlichen Telekom-Bundesligaspiel zwischen LASK Linz und Rapid Wien fallen insgesamt acht Tore (Endstand 4:4). Linz führt 2:1, 3:2 und 4:3. Die letzte Führung gilt auch noch in der letzten Spielminute. Als allerletzte Aktion bekommt der Gast einen Freistoß zugesprochen. Ein direkter Schuß verbietet sich, es muß geflankt werden. Also flankt der Rapidspieler in die Mitte und per Kopf oder Fuß verlängert ein Mitspieler den Ball ungehindert ins Tor und markiert damit den Ausgleich. Ungehindert, weil alle zehn Gegenspieler herausgelaufen sind, um auf Abseits zu spielen. Wirklich Zufall?

6. Vor wenigen Tagen führte der FC Barcelona bei Betis Sevilla mit 2:0. Die Gäste waren haushoch überlegen. In der zweiten Halbzeit trat plötzlich eine Veränderung ein, aber ohne, daß die Hausherren stärker geworden wären. Die Folge dieser Veränderung (das große Barcelona war von jetzt auf gleich ängstlich geworden ?) waren drei Gegentreffer. Das Spiel ging verloren. Wirklich Zufall? 

7. Beim gestrigen UEFA-Pkal-Hinspiel zwischen dem FC Bayern München gegen den FC Getafe fällt in der allerletzten Spielminute der Ausgleich zum 1:1 durch die Spanier. Wirklich Zufall?

8. Beim Champions-League-Finale 2005 führt der AC Mailand mit 3:0 (!) gegen den FC Liverpool. Am Ende steht es 3:3, Verlängerung, Elfmeterschießen, Liverpool verläßt als Sieger den Platz. Wirklich Zufall?

9. Beim Ligaspiel (Saison 2007/08) zwischen dem Ersten Red Bull Salzburg und einem Verfolger namens Rapid Wien werden sage und schreibe sieben Tore geschossen. In das Salzburger Tor! Mit diesem Sieg zieht Rapid kurz vor Saisonende in der Tabelle an Salzburg vorbei. Und?

Ereignisse dieser und anderer Art ließen sich auch aus Greichenland, Italien, der Schweiz, Tschechien, Portugal, Dänemark, Rußland u.a. europäischen und außereuropäischen Ländern dokumentieren.

Was haben solche Ereignisse auf den ersten Blick alle gemein?

Sie erhöhen den Unterhaltungswert eines Fußballspiels sowie einer -saison. Schließlich geht man doch gerne ins Stadion oder setzt sich vor den Fernseher, wenn viele und womöglich kuriose Tore fallen. Wenn nicht nur die Favoriten gewinnen, sondern auch die Außenseiter eine Chance haben. Das bringt Fun, Spannung, Heiterkeit, treue Zuschauer und Lust auf mehr.

Was bedeutet der Einbruch der Unterhaltungsphilosophie in den Fußballsport?

Zunächst einmal bedeutet mehr Unterhaltung mehr Medienpräsenz, mehr Vermarktung, v.a. mehr Werbung, Merchandising, mehr Geld, höhere Profite. Es entsteht ein milliardenschwerer Markt. Hier läßt sich richtig "leichtverdiente" Kohle machen. Mit relativ geringem Aufwand.

Welche Konsequenz bringt diese enorme Wirtschaftlichkeit mit sich?

Diese Profitmaximierung zieht natürlich selbstredend auch kriminelle Subkulturen an. In erster Linie denke ich da an die massenhaften Wettanbieter und an die Personen, die mittels eines solchen Angebots dank ihrer Einflußmöglichkeiten (Verbände, Funktionäre, Vereinsvorstände, Manager, Spielerberater, Schiedsrichter, Spieler, Vereinskapitaleigner, Sponsoren, Mäzene, Geldwäscher, Drogendealer, das organisierte Verbrechen wie z.B. die Mafia etc.) versucht sein könnten, sich ein großes Stück vom Kuchen abschneiden zu wollen. Korruption und Wett- sowie Spielmanipulationen gibt es nicht erst seit gestern, aber mit der Liberalisierung des Fußballsports (Einkaufen in Sportvereine, siehe Chelsea London, FC Liverpool, Zenit St. Petersburg oder Quasi-Einkaufen, siehe TSG Hoffenheim, Schalke 04 u.v.a.) und des Wettgeschäfts wird der Profifußball seinen sportlichen Charakter und seine sozio-kulturelle Vorbildfunktion einbüßen. Wettskandale in Italien (Juventus Turin u.a., noch immer nicht abgeschlossen), Belgien, Deutschland (der Fall Hoyzer) und neuerdings in Portugal (FC Porto) stellen nur die Spitze des Eisbergs sowie lediglich eine Momentaufnahme dar.

Warum zieht man seitens der sportlich verantwortlichen nicht die Reißleine?

Das liegt zum einen daran, daß die Lobby der Unterhaltungsindustrie fast schon übermächtige Positionen besetzen in den Medien, im Bereich Sport, aber vor allem in Justiz, Politik und Verwaltung. Das erkennt man daran, daß in Deutschland der neue Glücksspielstaatsvertrag, der privaten Wettanbietern ihr Geschäft verbietet, gültig seit dem 1.1.2008, von der EU torpediert und in Deutschland selbst gar nicht umgesetzt wird. Damit läuft der Schutz von Wettabhängigen absolut ins Leere. Auch die DFL, der DFB und andere Fußballverbände sind nicht geneigt, einzugreifen, weil schließlich will man sich nicht den Ast absägen, auf dem man selbst sitzt. Fernseheinnahmen in Millionenhöhe wären gefährdet, damit die eigene Position, das Ansehen etc.

Was sind die mittel- bis langfristigen Folgen?

Last but not least bleibt der sportliche Wettbewerb auf der Strecke. Einzelne Spiele und Spielsaisons verkommen zu reinen Unterhaltungsveranstaltungen, die allerdings keine Aussagekraft mehr besitzen über die sportliche Leistungsfähigkeit eines Teams oder gar einer Region/ Landes. Ein Beispiel: Der österreichische Fußball liegt im internationalen Vergleich deshalb so auf dem Boden, weil das Unterhaltenwollen jeglichen Anreiz nimmt, kontinuierlich sportliche Bestleistungen zu erbringen. Was dazu führt, daß es keinen allgemeingültigen Leistungsmaßstab mehr gibt. Die Ergebnisse der österreichischen Fußballnationalmannschaft im Vorfeld der EM 2008 sprechen dafür Bände (natürlich gibt es auch noch andere Gründe).

Fußball mag zwar jetzt unterhaltender sein als Micky Mouse in Disneyland, aber seinen Reiz wird es seiner Meinung nach in spätestens zehn Jahren bei ehrlichen Sportfans eingebüßt haben. Das meint mein Lebensgefährte und befürchtet, daß er nicht eines allzu fernen Tages mitansehen müßte wie seine - hinter mir natürlich!!! - heißgeliebte Borussia auf den Wink irgendeines einflußreichen oder reichen oder verbrecherischen oder nur dummen Menschen hin gewinnen darf oder verlieren muß. Hoffentlich wird dieser Zeitpunkt soweit hinausgezögert wie nur möglich. Denn er möchte noch lange Freude haben an seinem Team, am Fußballsport und seiner Arbeit.

P.S.: Mein Lebensgefährte vermutet, daß an diesem Wochenende der 1.FC Nürnberg auswärts gewinnt, und Arminia Bielefeld zu Hause verliert. Darauf hält er fast jede Wette. Wetten?

Nachtrag 7.4.2008:
Nürnberg gewinnt 3:1, Bielefeld gewinnt und dank eines katastrophalen Torwartfehlers durch ein Tor in der Nachspielzeit mit 1:0

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Lebensalltag
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Freitag, 4. april 2008

51

Wenn anschließend auch der Konjunktiv regieren wird, es bleibt die Gewißheit, denn die Erfahrungen aus der Menschheitsgeschichte sprechen für sich.

Der einzige Grund, warum Adolf Hitler, Staats- und Regierungschef des damaligen nationalsozialistischen Deutschen Reiches, nicht Bündnispartner der einzig wirklichen Weltmacht USA geworden ist, lag daran, daß er einen eigenen Weltmachtanspruch formuliert hatte. Hätte er dies nicht getan und erst recht nicht den zweiten Weltkrieg ausgelöst, dann wäre er womöglich Jahre später Seite an Seite mit Präsident Eisenhower oder Truman gegen die kommunistische Sowjetunion marschiert. Trotz der von den Deutschen ermordeten Juden, Sinti und Roma, geistig und körperlich Gehandicapten, sog. "Asozialen", Andersdenkenden etc.

Was sagt uns das? Nun, das Weltmächte oder Mächte, die es werden wollen, keine Skrupel kennen, um das Ziel zu erreichen oder den Status Quo zu erhalten oder in ihrem Sinne auszubauen. Historische Beispiele: Hitler-Stalin-Pakt (40er Jahre), Sowjetunion-Ostblockländer (50er bis 90er Jahre), USA-Pinochet-Regime (70er Jahre Chile), USA-Mobutu-Regime (70er/89er Jahre Zaire, heute Kongo), USA-Saddam Hussein (80er Jahre Irak), USA-Contra-Paramilitärs (80er Jahre Nicaragua), China-Sudan-Regime (neues Jahrtausend/Darfur-Konflikt) u.v.m.

Was sagt uns das noch? Vor solchen menschenverachtenden Bündnissen wird die Menschheit auch in der Zukunft nicht gefeit bleiben, wenn sie sich weiterhin so passiv verhält als ginge ihnen dies nichts an. Freiheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit, kurz: die Bewahrung der Menschenwürde, sind nämlich nicht an Nationalitäten, Glaubensbekenntnissen, Wohlstand oder anderen Faktoren gebunden außer an Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem (menschlichen) Leben. Vieles hätte uns bereits erspart bleiben können, und Vieles könnte uns erspart bleiben.

 

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Mehr menschlichkeit
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Mittwoch, 2. april 2008

50

Ob es schick ist oder nicht, das sei mal dahingestellt. Aber Tatsache ist, daß die Medien seit geraumer Zeit etwas tiefgreifender über die Wirklichkeit berichten. Sie beleuchten, hinterfragen wäre wohl zuviel des Guten, nämlich die Folgen kapitalistischer Wirtschaftsweisen in Verbindung oder vor dem Hintergrund westlich demokratischen Denkens.

Dazu findet sich in der ZEIT Nr. 14 vom 27. März 2008 ein hochinteressanter Artikel unter dem Titel "Der grosse Ausverkauf". Darin wird zunächst der Rahmen der kapitalistischen Marktideologie anhand von zeitgenössischen Beispielen beschrieben, bevor im hinteren Teil Schlußfolgerungen "Wie man weiß, besitzt der Kapitalismus ein großes Talent dafür, die sozialen und seelischen Nebenkosten seiner Selbstentfaltung abzuwälzen und unsichtbar zu machen. In Krisentagen ist stets jemand anderes schuld, zum Beispiel die Trägheit der Seelen oder die Selbstsucht des Managers, die saumselige Gesellschaft oder der faule Arbeitslose."(Zitat 1 Seite 50, 4. Spalte, 2. Absatz), "Auch das Ansehen demokratischer Institutionen bröckelt besorgniserregend. Vor allem der Bundestag musste einen dramatischen Prestigeverlust hinnehmen, weil immer weniger Bürger glauben, die Demokratie sei in der Lage, die sozialen Probleme des Landes zu lösen." (Zitat 2 Seite 50, 4. Spalte, 3. Absatz) und Rückschlüsse "Doch wer sagt eigentlich, dass westliche Demokratien auf diese neue Herausforderung genauso reagieren werden wie bei der Systemkonkurrenz mit dem Kommunismus? Wer sagt, dass sie auf die Freiheit setzen, um dem autoritären Ausbeutungskapitalismus Paroli zu bieten?... Politische Eliten und rechte Intellektuelle könnten aus der ökonomisch verursachten Legitimationskrise der Demokratie die Lehre ziehen, dass auch der liberale Kapitalismus endlich autoritärer werden und durch Demokratieverzicht neue ökonomische Triebkräfte entfesseln muss." (Zitat 3 Seite 50, 4. Spalte, 8. Absatz) "Wenn die Demokratie durch ihre langen Entscheidungsketten das Wachstum bremst und soziale Spaltung befördert, dann müssen wir über diese Regierungsform neu nachdenken. Auch das von Juristen gern unters Volk gebrachte Argument, der Staat müsse wieder Härte zeigen und Opfer verlangen, ist für ökonomische Bedrohungslagen anschlussfähig. Der blockierende Bürger muss dann eben das Opfer der Gerechtigkeit und der Freiheit bringen, damit das Wachstum wieder Fahrt aufnimmt, die asiatische Herausforderung pariert und der soziale Zerfall gestoppt wird." (Zitat 4 Seite 50, 4. Spalte, 9./vorletzter Absatz) bzw. Zukunftsaussichten "Übrigens, das manager magazin hat auch verraten, was junge Führungskräfte am meisten fürchten: dass eines Tages wieder Barrikaden brennen." (Zitat 5 Seite 50, 4. Spalte, letzter Absatz) geäußert werden.

Das fürchten nicht allein nur junge Führungskräfte! Doch die Barrikaden werden zwangsläufig brennen, wenn sich nichts Grundsätzliches ändert. Allerdings nicht in die Richtung, die aus den Schlußfolgerungen hervorgeht.

Die Zitate 1 und 2 geben genau die Eindrücke wieder, die sich einer Beobachterin geradezu aufdrängen. So gibt es sowohl selbstsüchtige Manager als auch faule Arbeitslose, aber zugleich auch selbstsüchtige Arbeitslose und faule Manager etc. Sie allein aber stellen prozentual keine Bedrohung für das kapitalistische Marktwirtschaftssystem dar. Dennoch werden sie in der Öffentlichkeit als diejenigen wahrgenommen und von allen Seiten angeprangert, die für den Niedergang hierzulande verantwortlich seien. Dabei handelt es sich hier vielmehr um eine Frage des persönlichen Charakters. Dort Gier, hier Bequemlichkeit, Gedankenlosigkeit oder Resignation. Die Politiker und zusammen mit ihr die Demokratie haben in der Tat sehr viel an Ansehen verloren. Umfragewerte und niedrige Wahlbeteiligungen geben dieser Beobachung Ausdruck. Es scheint geradeso, daß die politisch Verantwortlichen nur herumlavieren.

Die Zitate 3 und 4 spiegeln exakt das wider, was nicht nur diskutiert wird, sondern mittlerweile in manchen Lebensbereichen gängige Praxis bzw. die eingeschlagene Richtung ist. Fast jeder Bürger erlebt z.Zt. eine drastische Beschneidung seiner persönlichen Rechte, zugleich ein Aushöhlen seines arbeitnehmerrechtlichen Status. Die Angst um den Arbeitsplatz wird permanent geschürt.

Eine Frage suchte ich vergeblich in diesem letztlich oberflächlichen Artikel. Die Frage nach dem Warum. Warum gibt es in einem Land mit einem geschätzten Privatvermögen von 350 Billionen Euro (= 350 000 000 000 000 €) rund 4 Millionen offen ausgewiesene Arbeitslose? Warum entlassen Unternehmen, die in ihren Jahresbilanzen stolz acht- bis zehnstellige €-Gewinne ausweisen, mehrere tausend Arbeitnehmer? Warum werden die Besitzverhältnisse und Eigentumsverteilung dieses Landes nicht erläutert? Diese Frage ist sehr wichtig im Hinblick auf das Demokratie- und Politikverständnis. Last but not least warum wird nur eine Richtung aufgeführt?

Weil Gewinne und damit Vermögen eben nur auf Kosten anderer erwirtschaftet werden kann; auf Kosten des Arbeitnehmers (niedriger Lohn), auf Kosten des Verbrauchers (geringe Qualität), auf Kosten des Staates (Subventionen, Steuervergünstigungen etc.), auf Kosten der Umwelt (Raubbau, Umweltverschmutzung, -zerstörung etc.), sogar auf Kosten der Konkurrenz (ruinöse Niedrigpreispolitik)  usw.

Weil Deutschland ein Großgrundbesitzerland ist. Mehr als 80% der gesamten Grundfläche liegt in Privathand, davon widerum besitzen altherrschaftliche, also früher adlige, und großbürgerliche Familien mehr als 90%. Die Machtbasis schlechthin. Die Herkunft mancher Abgeordnete des Bundestages wie Hermann Otto Solms oder von Bismarck und damit deren Politik läßt sich am Namen ablesen, die meisten der Großgrundbesitzer schicken dagegen über die jeweiligen Parteien Vertreter in den Bundestag wie z.B. die Familie Quandt. Diese Machtkonzentration geschieht auf allen politischen Ebenen, d.h. in Land-, Kreis-, Städtetagen, Bürgermeisterämtern, und reicht bis in die Behörden, vom Bundesamt für Verfassungsschutz bis zum Marktmeisteramt oder Grundschule einer mittelgroßen Gemeinde namens Muckelhofen. Mit anderen Worten: Im Wesen ist Deutschland nach wie vor ständisch organisiert und "Demokratie" allenfalls ein dünnes Deckmäntelchen.

Weil in der tagtäglichen Erfahrung nie das Gegenteil bewiesen wird. Nehmen wir z.B. die Leute, die einen Teil ihres Vermögens am Fiskus vorbei nach Liechtenstein gebracht haben. Es handelt sich hier nicht um Peanuts, sondern um horrende Beträge. Hätte Bürgerin xyz nur einen Bruchteil davon nach Liechtenstein gebracht; selbst bei einer Selbstanzeige würde ihre Strafe im Vergleich härter ausfallen als die, welche den Millionen und Milliardenbetrügern treffen müßte. Doch bei letzteren greifen die verwandtschaftlichen, landsmannschaftlichen, studentischen, hierarchischen  Verbindungen, berufliche Abhängigkeiten, Käuflichkeiten, Loyalitäten wie Standesdünkel etc, über die Bürgerin xyz normalerweise nicht verfügt. Eine Bürgerin namens xyz würde auch über gar keine Beträge verfügen, für die es sich lohnen würde nach Liechtenstein zu reisen. Weil in der Justiz mit zweierlei Maß gemessen wird. Aber auch, weil in der Öffentlichkeit mit vielerlei Maß gemessen wird. Ein Polizist, mag er der mieseste Rassist sein, zählt in der öffentlichen Wahrnehmung mehr als eine Rentnerin, die im Altersheim dahinvegetieren muß (Kinder haben sie abgeschoben, das Personal läßt sie mangels Zeit verwahrlosen/verhungern/verdursten/sich das Bein brechen).

Weil diese Art von Demokratie niemals in der Lage sein wird, ökonomisch verursachte soziale Probleme, nachhaltig zu lösen. Neben der geltenden Wirtschaftsordnung einerseits wegen der Besitzstrukturen, die eine echte Demokratie gar nicht aufkommen läßt und anderseits, weil durch die Anonymität und Intransparenz im Politbetrieb Demokratie ad absurdum geführt wird. Mit anderen Worten: Die Besitzstrukturen müssen erst einmal verändert, und die Größeneinheit muß geschrumpft werden. Deutschland ist zu groß für eine demokratische Regierungsform. Nur in kleineren Einheiten läßt sich nachvollziehen, wer sich zur Wahl stellt und ob der Kandidat unabhängig ist oder nur der Vertreter eines Großgrundbesitzers (sofern es noch welche gibt) ist. Doch als Wählerin weiß ich das! Heute weiß ich kaum etwas, weil mir die Leute zumeist unbekannt sind. Selbst längeres Rechechieren bringt nicht unbedingt Licht ins Dunkel.

Weil das gesamte kapitalistische Wirtschaftssystem ein ruinöses Unding ist. Wenn nun mehr Druck ausgeübt wird, je eher und heftiger treten die sozialen Verwerfungen ans Tageslicht und desto eher werden die Barrikaden errichtet. Wenn sich also nicht bald die genannten Schichten und Grüppchen bewegen, dann wird sich die Gegenseite bewegen und singt vielleicht demnächst die Marsaillaisewie anno 1789; Allons enfants de la patrie, le jour de glorie est arrivé ... Köpfe rollen, Schuldige und Unschuldige werden sterben, ein ungeahntes Leiden wird einsetzen. Alle anderen Faktoren sind hierbei noch unberücksichtigt geblieben. Es liegt also an Ihnen Frau Merkel, Herr Prof. Sinn, Herr von Beust, Herr Henkel, die Damen und Herren Staatsanwälte, RichterInnen, höheren Polizisten, Aktionären und anderen Kapitaleignern, ManagerInnen, Haus- und Grundbesitzenden etc., ob es letztlich dazu kommt. Soviel zum o.g. ZEIT-Artikel.

P.S. Die eingeschlagene Richtung, die seit dem Mauerfall gilt, aber erst jetzt durch die innenpolitischen Verhältnisse und Veränderungen spürbar werden, zeigt sich gerade dieser Tage besonders deutlich am Beispiel Tibet.

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Lebensalltag
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Dienstag, 1. april 2008

49

Kürzlich erhielt ich einen Kommentareintrag zu meinem Beitrag (24) 'Privatisierung - Segregation - Apartheid'. Ich hielt den Inhalt eher für einen Witz und fragte nochmals nach beim Kommentator. Doch der bestätigte mir das Geschriebene und nannte mir zudem den Namen des Polizeibeamten. Von dort war anschließend keine Stellungnahme dazu zu erhalten. Also hier kommt die Satire:


Ratlos in Deutschland

An einem frühen Mittwochmorgen geht der Dienstgruppenleiter Lauter [übrigens vom 19. Frankfurter Polizeirevier - schon bestens bekannt!!! siehe Beitrag (17)] in Begleitung einer jungen Kollegin im Flughafen Frankfurt Streife. Zeitgleich schleicht der Pfandsammler Axel ängstlich durch die Hallen, denn er muß auf der Hut sein vor ganz bestimmten Leuten vom Sicherheitsdienst wie z.B. Herrn Sommer. Die kennen keinen Spaß und schrecken auch vor Gewalt nicht zurück, um Leute wie Axel vom Sammeln abzuhalten. Glücklicherweise ist zu diesem Zeitpunkt keiner von denen unterwegs. Axel schaut also gerade um die Ecke und erblickt auf dem Boden eine leere Pfanddose als Dienstgruppenleiter Lauter mit seiner Kollegin um die Ecke kommt. Axel denkt sich nichts dabei, denn vor der Polizei muß er erfahrungsgemäß keine Furcht haben, und geht auf die Dose zu, bückt sich und will sie gerade aufheben als er hinter sich ein lautes ÄhHäm vernimmt. Er dreht sich um und sieht geradewegs in die Gesichter zweier Polizisten. Der männliche Polizist bedeutet ihm mit dem hin- und herschwingenden Zeigefinger seiner rechten Hand, daß er Axels Tun nicht in Ordnung findet. Axel ist erstaunt und muß sich sogleich belehren lassen. Das Sammeln von Pfandflaschen und Pfanddosen verstößt gegen die öffentliche Ordnung. Außerdem beschädigt es das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland in der Welt. Axel solle dies also unterlassen. Nun ist Axel nicht mehr erstaunt, sondern baff. So baff, daß er weder loslachen noch etwas erwidern kann. In die kurze Stille hinein marschiert ein Troß lärmender Neonazis, die mit ihren Pauken und Trompeten, Fahnen und Parolen an den dreien vorüber, ohne eine Reaktion bei den Polizisten auszulösen. Also wiederholt die Polizistin die Ermahnung, schaut anschließend zu ihrem Kollegen stolz auf. Gemächlich entfernen sie sich dann. Zurück bleibt ein ratloser Axel.

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Kultur-Schock
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Dienstag, 1. april 2008

48

Baccarastrauß


Ein Blumenstrauß ganz

aus Rosen prahlt

mit seiner bunten Pracht

der frische Duft betört

die Nasen unergründlich

sink' ich nieder tief

hinab in eine träumerische Nacht 


Doch mit dem Schnitt ist sein

Schicksal schon besiegelt

Wasser noch, gar Licht

verfeinerte Sorge hält

kein Welken auf, die

Blüten fahl, sie fallen

dörr zerfällt er zu feinem Staub

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Gedichte
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Dienstag, 1. april 2008

47

Sinnlos

Ihr Spießbürger fahrt die Kisten

unverhohlen an die nackte Wand

Was kommt uns bloß da entgegen auf den Pisten?

setzt die ganze Welt in kaltem Brand

Solche Gier, maßlos flackernd in euren Augen

gepaart mit Dummheit, Angst und Ignoranz

Die Geschichte kennt, ach! Zuviele Zeugen

Seid gewarnt!

Kaum Einer wird es überleben

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Kultur-Schock
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Dienstag, 1. april 2008

46

Hymne an den Freitod

Du wirst der Wirklichkeit Dich

nicht lebend mehr entzieh'n

weil überall nur Spießer

unser aller Erde malträtier'n
 

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Gedichte
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Freitag, 28. märz 2008

45

Gedicht einer/eines Unbekannten


Ein Junge aus Bethanien

Seit ewig Zeiten strebt dorthin

Auf seinem Weg, ganz gleich er tat

Schon dessen Zeugung hieß Verrat

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Gedichte
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über diesen Blog

  • : 7.01.2008
  • : von Beate
  • : Dieser Blog enthält meine freigeistigen Meinungen zu allen gesellschaftlichen und poli-tischen Themenbereichen unserer Zeit.
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Profil

  • : ein Zaungast
  • : weiblich
  • : 1.01.1960
  • : Nordrhein-Westfalen
  • : gehöre nicht dazu, aber bin doch Teil von ihnen

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