Montag, 17. märz 2008
44

Gestern wollte ich meinen Augen nicht trauen. Bei der Verwaltung meiner Beiträge fiel mir auf, daß meine Beiträge (04) bis (07) verschwunden sind. Trotz sorgfältiger Suche blieben sie unauffindbar. Stattdessen existieren von meinem Beitrag (18) "Kurzgeschichte 1" insgesamt vier Kopien, alle unter der KULTUR-SCHOCK Community eingestellt. Was ist hier los, dachte ich. Schließlich waren die fehlenden Beiträge von mir nicht bearbeitet worden, was ein Verlust derselben hätte erklärbar machen können. Die Inhalte der vier Beiträge befaßten sich mit folgenden Themen:

(04) Zeitarbeit
(05) Reichtum
(06) deutsche Wirtschaft
(07) BILD-Zeitung

Da diese Beiträge sehr kritisch gewesen sind, wobei auch in den Kommentaren Personennamen des öffentlichen Lebens genannt worden sind, mag derjenige ein Schelm sein, der Böses beim unerklärlichen Verschwinden solcher Beiträge denkt oder ahnt. Nun, sie werden in Kürze wiederhergestellt und hier unter einzaungast.over-blog.org dann zu lesen sein.

P.S.: Nachdem ich diesen Beitrag gerade ins Netz gestellt habe, erscheint in meiner Artikelliste der Beitrag (04) wieder, dafür ist Beitrag (08) verschwunden. Handelt es sich womöglich um ein administrativ-technisches Problem? Komisch! So werde ich eine Kopie von Beitrag (18) löschen und schauen was passiert. Ansonsten benöige ich Eure Hilfe.

PPS.: Jetzt habe ich vermeintlich eine Kopie gelöscht, doch in meiner Artikelliste erscheint der Beitrag (18) jetzt überhaupt nicht mehr. Stattdessen sind die Beiträge (04) bis (08) alle anwesend. Ehrlich gesagt, ich kapiere gar nichts mehr. Gibt es vielleicht eine Artikelobergrenze o.ä.?

PPS.: Der Beitrag (18) läßt sich nirgendwo mehr auffinden. Unverständlich! Ärgerlich! Zumal ich keine schriftlichen Aufzeichnungen mehr dazu besitze. Schade, er bleibt wohl für immer verloren.

PPPS.: Mittlerweile habe ich eine Vermutung. Zum Zeitpunkt der Verwaltung hat over-blog seine Website umorganisiert und dabei ist wahrscheinlich dieses Durcheinander und Verschwinden entstanden. Schade! Es hat meinen Beitrag (18) gekostet.
 
von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Kultur-Schock
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Donnerstag, 13. märz 2008
43

Tageszeitungen überfliege ich seit geraumer Zeit nur noch. Mich interessieren keine Artikel mehr zu Politikern, die z.B. auf Kosten eines Unternehmens etc. geflogen sind, warum wieder Menschen entlassen werden etc. oder was Uli Hoeneß über seinen Trainer Ottmar Hitzfeld labert. Alles alte Hüte. Längst gegessen. Es wäre einfach schade um die kostbare Zeit. Ich bin lediglich auf der Suche nach DEN Artikeln. Heute morgen war wieder so ein Moment.

Ich habe auf der Wissensseite der Süddeutschen Zeitung einen interessanten und hochinformativen Artikel gelesen. Das Thema: Wasserverschmutzung durch Medikamentenrückstände. In diesem mehrspaltigen Artikel ist die Rede davon, daß bei Wasseranalysen in den Vereinigten Staaten und Deutschland (Anm.: vermutlich auch in anderen Ländern) zahlreiche Substanzen gefunden worden, die Medikamenten zuzuordnen sind. Die Liste dieser Substanzen liest sich wie das Who is Who der Horrorwelt. Unter den Substanzen sind antibiotische, herz- und nierenaktive, hormonelle etc. Bestandteile und Schmerzmittelrückstände zu finden. Sie befinden sich in unserem Trinkwasser.

Jetzt wird mir manches klar. Mein konsultierter Arzt hat zahlreiche Untersuchungen vorgenommen, aber keine Erkrankung feststellen können. Denn vor einigen Jahren hatte sich meine Klitoris überraschenderweise und späterhin unerklärlicherweise vergrößert. Bis heute blieb sie in dieser unnatürlichen Größe. Mal sehen, was sich zukünftig noch so alles an mir, an euch, unseren Haustieren und den Wildtieren und -pflanzen so alles verändern wird.
 
von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Tier-, Natur- und Umweltschutz
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Montag, 3. märz 2008

42

Nun habe ich in einundvierzig Beiträgen zuvor von Visionen gesprochen, aber nie erläutert, was ich darunter konkret verstehe. Martin Walser sagte einmal, daß Visionen stets durch das Fehlen von Vernunft entstehen und daher per se verdächtig seien. Dem kann und will ich nicht gänzlich widersprechen, denn die Menschheitsgeschichte bietet ausreichend Beweismaterial für seine unterstellende Behauptung. Aber lebensfreundliche, also konstruktive und nicht destruktive Visionen, möchte ich davon ausklammern. Schließlich darf die Hoffnung nie zu Grabe getragen werden. Nun, ohne kürzlich einen Traum gehabt zu haben, möchte ich hier meine persönliche Vision in Form eines Interventionsplans vorstellen. Dieser enthält weder ausdifferenzierte Vorstellungen aus den Bereichen Politik, Bildung, Erziehung und Religion noch nimmt er für sich in Anspruch, vollständig zu sein. Womöglich habe ich gar den einen oder anderen wichtigen Punkt unerwähnt gelassen. Dieses mögen mir die Leserinnen und Leser bitte nachsehen oder gerne als hinweisenden Kommentar (neben weiteren Kommentaren selbstverständlich) anmerken.

Drei Axiome stelle ich meinem visionären Plan voran:

1. Der Klimawandel und andere ökologische Entwicklungen sind nicht mehr aufzuhalten
2. Die kapitalistische Marktwirtschaft ist nicht mehr zeitgemäß
3. Die Weltgemeinschaft ist sich ausnahmslos der Punkte 1 und 2  und den daraus resultierenden Bedrohungen bewußt geworden

Auf Grundlage der beiden ersten Feststellungen bietet sich meiner Ansicht nach folgender globaler Interventionsplan an, der auf eine Dauer von 200 Jahren angelegt sein, drei- oder vierstufig verlaufen und einzig und allein unter der Regie der UN (Vereinten Nationen) verwirklicht werden soll. Deren exekutiven Kompetenzen und Befugnisse sowie die Finanzkraft müssen von den Mitgliedsstaaten bereits vorab ausreichend ausgeweitet bzw. gestärkt werden (Schlußfolgerung aus Punkt 3).


Stufe 0 (Aufbau der UN-Interventionsbasis innerhalb von einem Jahr)

Stufe 1 (Sofortintervention, Umsetzung innerhalb der folgenden 2,5 Jahre)


a1) Unterbrechung aller (bewaffneten) Konflikte für die Dauer des Interventionsplans
b1) Einführung der 1-Kind-Familie
c1) Einstellung jeglicher Fischerei für eine Dauer von 50 Jahren
d1) Reduktion des weltweiten Energiebedarfs um 35% durch Konfiszierung und Recycling von elektronischen Haushaltshilfen (mit Ausnahme von Waschmaschinen), Freizeit- und Hobbygeräten (mit Ausnahme von TV- und Radiogeräten) etc.
e1) keine neuen Nuklearbauten oder (Wieder)Inbetriebnahmen
f1) Stillegung aller Produktionsstätten für Waffen, -systeme und sonstiges Rüstungsmaterial

g1) Umwidmung aller Produktionsstätten für künstliche Verpackungsmaterialien wie z.B. Kunststoffe, zugunsten einer Produktion von Mehrwegverpackungen

h1) Einstellung der KI- und Hirnforschung sowie Gen- und Nanoforschung
i1) Stillegung aller Produktionsstätten für Roboter-, Gen- und Nanotechnik

j1) Einstellung von Neuerschließungsmaßnahmen fossiler Energiestofflagerstätten
k1) Stillegung aller Produktionsstätten für mineralische und chemische Gebrauchsstoffverbindungen für die konventionelle Landwirtschaft

l1) Stillegung aller Einholzungsmaßnahmen in Urwäldern
m1)
Umwidmung der Produktionsstätten für Papier zugunsten der Produktion von Altpapier

n1) Aufgabe der Monokulturlandwirtschaft

o1) Offenlegung aller Bankkredite; Angaben: an wen? wofür?
p1) Festschreibung des maximalen effektiven Zinssatzes für Bankkredite auf 5,5% p.a.; Festschreibung des maximalen Guthabenzinses auf 3,75% p.a.
q1) Verbot von Kreditvergaben für Finanzierungen von Rüstungs-, sozialfeindlichen und umweltzerstörerischen Projekten

r1Recycling aller ABC- und Weltraumwaffen

s1) Gründung eines Sozialfonds, aus dem Sozialleistungen für alle alten, gehandicapten, berufsunfähigen, kriegsversehrten, schwangeren, arbeitslosen u.a. Menschen gezahlt werden

t1) Heranziehung des Vermögens der Reichen zur Finanzierung des UN-Haushalts (inklusive Sozialfond)

u1) arbeitsunfähige Empfänger von Sozialleistungen, entlassene Arbeitnehmer und beschäftigungslose Selbständige werden von der UN eingestellt, ausgebildet (wenn notwendig) und auf ihre jeweiligen Aufgaben vorbereitet

v1) schrittweise wachsender Ausbau der UN-Basisstrukturen

w1) ersatzlose Streichung von Lehrplaninhalten: betrifft Grundlagenwissen aus den Bereichen Biologie (Genetik), Chemie/Physik (Molekularchemie, -physik)

x1) namentliche Erfassung aller traumatisierten, mißbrauchten, mißhandelten, verwahrlosten etc. Kinder und Jugendlichen
y1) Beginn mit schrittweiser Ausweitung der pädagogischen Betreuung und Therapierung betroffener Kinder und Jugendlicher


Stufe 2 (3,5 bis 100 Jahre)


a2) schrittweise Abschaltung aller Nuklearanlagen innerhalb von 50 Jahren; 1. Dekade: 5%, 2. Dekade: 10%, 3. Dekade: 15%, 4. Dekade: 50%, 5. Dekade (= 6,5 Jahre): 20%
b2) vollständiges Recycling aller freiwerdenden Roh- und Werkstoffe (Metalle, Ziegelsteine, Kunststoffe, Flüssigkeiten etc.)
c2) schrittweises Stillegen aller Autos, die durchschnittlich mehr als 5 Liter/100 km Treibstoff verbrauchen innerhalb von 20 Jahren; 3,5-7 Jahre: 50%, 8-15 Jahre: 35%, 16-20 Jahre: 15% 
d2)
schrittweises Stillegen aller Flugzeuge, die mit fossilen Brennstoffen versorgt werden innerhalb von 30 Jahren; 3,5-10 Jahre: 25%, 11-20 Jahre: 30%, 21-30 Jahre: 45 %
e2) ab dem 25. Jahr Beginn der Produktion von umweltneutralen Mobilen als Schiff-, Auto- und Flugzeugersatz 

f2) schrittweiser Ausbau von Öko-Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien (ohne Wasserkraftnutzung durch Talsperrenbau)

g2schrittweiser Wandel von der großparzell-maschinisierten Landwirtschaft hin zur kleinparzell-manuellen Landwirtschaft
h2)
schrittweise Renaturierung von Kulturlandschaften; jährlich: 2000 km2
i2) schrittweise Renaturierung von nicht schiffbaren Flüssen und Seen; jährlich: 500 km2

j2) schrittweise Stillegung aller Autos mit Verbrennungsmotor innerhalb von 150 Jahren; 16-30 Jahre: 10%, 31-50 Jahre: 15%, 51-75 Jahre: 30%, 76-100 Jahre: 25 % = total: 80%
k2) schrittweiser Abbau der Produktion von Mehrwegverpackungen innerhalb von 10 Jahren, jährliche Verringerung: 10%
l2) schrittweiser Ersatz durch die Produktion von langlebigen umweltfreundlicheren Endlosverpackungen (Glas, Holz, Metall, Papier u.ä.) innerhalb von 10 Jahren, jährlicher Ersatz: 10%
m2) schrittweise Stillegung aller Förderstätten fossiler Energiereserven innerhalb von 200 Jahren; 3,5-50 Jahre: 20%, 51-100 Jahre: 40% = total: 60%

n2) Einstellung jeglicher Fischerei für eine Dauer von 50 Jahren; Rest: 47,5 Jahre
o2) schrittweise Wiederaufforstung vegetationskarger oder erodierter Landschaften mit standortüblichen Gewächsen; jährlich: 5000 km
2
p2) Renaturierung von Bächen, Tümpeln, Teichen und Kleinseen; jährlich: 100 km2

q2) schrittweise Entwaffnung aller Armeen bis zum Ende des globalen Interventionsplans; 3,5-50 Jahre: 20%, 51-75 Jahre: 20%, 76-100 Jahre: 20% = total: 60%
r2) Recycling aller eingezogenen Waffen

s2) schrittweise Entflechtung und Überführung von anonymen Kapitalgesellschaften in kleineren Unternehmenseinheiten, deren Eigentümer namentlich im Handelsregister aufgeführt sein müssen; 3,5-25 Jahre: 33%, 26-75 Jahre: 50%, 76-100 Jahre: 17%, d.h. Abschluß der Überführungen am Ende der Stufe 2
t2) schrittweise Beschränkung des bislang freien Kapitalflusses (Abschluß im 78,5. Jahr des Interventionsplans)

u2) innerhalb von 50 Jahren (also bis 53,5 Jahre) schrittweiser Umbau des Entlohnungssystems nach der Formel: Ausbildungsdauer multipliziert mit speziellem Faktor aus jeweiliger Nähe des Berufes am Menschen (Verantwortung im engsten Sinne) = maximal der 5fache Verdienst des am schlechtesten bezahlten Berufes pro Zeiteinheit

v2) innerhalb der ersten 40 Jahre (also bis 43,5 Jahre) Umbau des bislang auf den technischen Fortschritt ausgerichteten Bildungssystems; Oriertierung: Entwicklung von sozialen und ökolgischen Kompetenzen

w2) Ausweitung des Betreuungs- und Therapieprogramms auf betroffene Erwachsene


Stufe 3 (101 bis 200 Jahre)


a3) schrittweise Stillegung aller Förderstätten fossiler Energiereserven innerhalb von 200 Jahren; 101-200 Jahre: 40% = Rest: 40%

b3)
schrittweise Stillegung aller Autos mit Verbrennungsmotor innerhalb von 150 Jahren; 101-115 Jahre: 5%, 116-130 Jahre: 5 %, 131-150 Jahre: 10 % = Rest: 20%

c3) schrittweise Entwaffnung aller Armeen bis zum Ende des globalen Interventionsplans; 101-120 Jahre: 10%, 121-150 Jahre: 10%, alle weiteren 10 Jahre: 4% = Rest: 40%

d3) schrittweise Aufgabe von zuvor zahlenmäßig festgelegten und über die Erde verstreuten Siedlungsgebieten mit einer Mindestgröße von 10.000 km2; dadurch Schaffung von zwar frei zugänglichen, aber verlassenen Wildtier- und Naturvölkerarealen 

Ende des Interventionsplans nach 200 Jahren oder evtl. Beginn von Stufe 4 (bei mehr als 200 Jahren Laufzeit)


e4) Verkündung einer global anerkannten Ethik-Verfassung als gemeinsame Grundlage für die Achtung und Respektierung jeglichen Lebens 

evtl. Ergebnis: Erreichen einer stabilen lebens- und zukunftsfähigen Ausgangslage für ALLES Leben. Ob dadurch unsere Welt letztlich friedlich(er) und gerecht(er) wird, das steht meiner Ansicht nach in den Sternen. Hoffen wir es!

Hinweis: siehe Linkliste (42)


 
von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Visionen
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Montag, 11. februar 2008

41

Erinnerungen

Im Spätsommer 1997 erzählte mir auf der Straße eine frühere Schuldirektorin, die damals erst seit einem halben Jahr in meiner unmittelbaren Nachbarschaft wohnte, daß sie sich überhaupt nicht mehr zurechtfände in der schnellebigen Welt und sich daher nach der "guten alten Zeit" sehne. Ersteres konnte ich hinsichtlich ihres Alters nachempfinden - mir ginge es mit circa neunzig Jahren wohl nicht anders. Glücklicherweise ging ich damals erst auf die Vierzig zu.

Aber was meinte sie mit guter alter Zeit? Bei Deutschen im hohen Alter hatte ich mir im Laufe der Jahre angewöhnt, nachzufragen. Ich fragte sie daher ganz offen nach der Bedeutung ihrer Worte. Sie war erstaunt und erschrocken zugleich. Das hatte sie nicht erwartet. Ihre Augen verengten sich augenblicklich zu wahren Schlitzen und verrieten eine gewisse Feindseligkeit. Als sie sich gefangen hatte, begann sie mit einem Räuspern zu antworten. Naja, sie meinte damit lediglich die Übersichtlichkeit, die Ordnung, die Stille ... Sie benutzte auffallenderweise Gemeinplätze und vermied tunlichst, Verfängliches zu äußern. Aber ich hakte nach. Etwas provokativ. Ich fragte sie nämlich allen Ernstes, ob sie unter Übersichtlichkeit das weite Sichtfeld meinte, das ihr nach dem Krieg die Ruinenstädte boten oder ob sie darunter die geringere Bevölkerungszahl verstand. Unmerklich schluckte sie. Dann folgte ein Ja, es wäre nicht so betriebsam gewesen auf den Straßen. Weniger Menschen, weniger Autos und alles viel langsamer. Sie schien erleichtert über ihre gelungene Antwort und schickte sich an aufzubrechen. Vorsichtig schob sie den rechten Fuß nach vorne. Doch ich wollte mehr wissen. Was hätte sie denn gemacht, bevor sie Direktorin geworden war, fragte ich sie. Nach dem Krieg hätte sie eine Stelle als ganz normale Lehrerin angenommen und fünfundzwanzig Jahre(!) an derselben Schule unterrichtet. Stolz schwang in ihrer Stimme mit. Dann wäre sie an eine andere Schule gegangen, nach Aachen. Dort hätte sie die Position einer stellvertretenden Direktorin besetzt und anschließend ... Ich unterbrach sie. Ich wollte schließlich zur Zeit vor Mai Fünfundvierzig etwas hören. Bis 1942 hätte sie in Köln studiert, dann wäre sie auch dort Lehrerin geworden. Ob sie Mitglied der Partei gewesen wäre, wollte ich wissen. Nein! Ob sie nationalsozialistisch eingestellt gewesen wäre. Nein, kam es knapp, aber zögerlich aus ihrem Munde. Sie wollte los, es wurde ihr zu unbequem. Ich faßte nach. Ob sie jemals Abtransporte von Menschen erlebt hätte, fahrende militärische Standgerichte, KZ-Häftlinge, Arierpaß ... Sie brach ein. Diese Wucht an Wissensdurst hatte sie nicht erwartet. Auch noch nicht erlebt. Sie fing an zu Schluchzen, zu Weinen ... Ich war zu weit gegangen. Sie sank auf die Knie. Was hatte ich nur angerichtet? Ich wollte mich entschuldigen und ihr helfen. Andere wurden auf uns aufmerksam. Ich erwartete Abwehr, als ich ihr meine Hand reichte. Aber sie ließ sich von mir hochziehen. Ihr Gesicht war gerötet, die Augen feucht und verschwommen. Es war keine Spur mehr von Feindseligkeit in den Augen zu entdecken, sondern ... Dankbarkeit(?) Jetzt war ich erstaunt und erschrocken zugleich. Ich stand verdattert da. Einen fremden Mann, der zwischenzeitlich zu uns gekommen war, beruhigte sie mit den Worten, das alles in Ordnung wäre und ... Hatte ich richtig gehört? Ich sollte sie nach Hause bringen!

Ja, in der Tat, ich sollte. So geschah es. Bei ihr zu Hause folgte einem heftigen Gefühlsausbruch - soviele Tränen hatte ich bis dahin noch nie gesehen - ein mehrstündiger Dialog. Wobei sie phasenweise nur redete und redete. Eine Schleuse hatte ich unbedachterweise geöffnet. Sie berichtete mir vor allem von ihrer Schulzeit. Die letzten Klassenjahre hätte sie als deutsche Vollblutarierin auf einem Kölner Gymnasium verbracht, dessen Schuldirektor ein fanatischer Nationalsozialist und zugleich ihr Klassenlehrer gewesen wäre. Im Bund Deutscher Mädel wäre sie im nationalsozialistischen Sinne erzogen worden. Natürlich hätte sie als junger Mensch an den Führer und den Nationalsozialismus geglaubt. Aber diese Ideologisierung wäre in dem Augenblich wie Farbe von ihrem Körper abgewaschen worden, als sie andere, nachhaltigere Eindrücke erfuhr. Bereits vor Kriegsende hätte sie von Vergasungen und pseudomedizinischen Experimenten in Konzentrationslagern erfahren, was übrigens viele Deutsche wußten; sie hätte grausame Bilder gesehen, lange bevor ähnliche Bilder den Deutschen nach Kriegsende vorgeführt worden wären. Aber sie wäre nicht in den Widerstand gegangen. Warum das eigene Leben riskieren. Der Krieg wäre sowieso verloren gewesen. Die amerikanischen Truppenverbände ständen schließlich bereits vor den Toren Kölns. Vielmehr wollte sie beim Wiederaufbau helfen. Hitler, die Nationalsozialisten, aber auch die vielen mehr oder weniger mitlaufenden und größtenteils mitwissenden Deutschen hätten sie jedenfalls glücklicherweise nicht gebrochen. Dafür wäre die versuchte Indoktrination in den letzten Klassenstufen nicht ausreichend, quasi nur oberflächlich gewesen. Zumindest wäre es bei ihr so gewesen. Ihre grundsätzliche Prägung hätte in der Weimarer Zeit stattgefunden. Was sie als sehr bedauerlich empfände, wäre die Tatsache, daß den Kindern, die ausschließlich im nationalsozialistsichen Sinne erzogen und gebildet worden waren, ihr Leben gründlich ruiniert war. Von denen hätten nur wenige die Ideologisierung und Indoktrination unbeschadet überstanden, wenn nicht ein Freundeskreis oder das Elternhaus dagegen gesteuert hätte. Sie müßte es wissen, denn in den ersten Jahren nach dem Krieg hätte sie solche Kinder noch zu unterrichten gehabt. Ihrer Meinung nach wären ihre Leben verschenkt, geradezu verraten worden. Übrigens, sie hätte auch ihre beste Freundin an jene Zeit verloren. Bei ihr wäre die braune Farbe schon zu tief in die Haut eingedrungen. Oder war ihre beste Freundin vielleicht schon vor Dreiunddreißig indoktriniert gewesen?

Diesem Gespräch folgten noch sehr viele und, es entspann sich eine wundervolle Freundschaft zwischen uns beiden. Eine Freundschaft zwischen zwei Menschen, die zwar in unterschiedlichen Generationen aufwuchsen, aber trotzdem in manchen Dingen ähnliche Ansichten und Ideen vertraten und oft über alle Grenzen hinweg gleich fühlten. Warum ich meine Beziehung zu einer sehr alten Frau schildere. Dann ausgerechnet das Erlebnis des näheren Kennenlernens? Meine alte Freundin ist gestern im Alter von neunundachtzig Jahren, drei Wochen vor ihrem runden Geburtstag, daheim verstorben. Dieser Beitrag hier soll meine unauslöschliche Erinnerung an einen außergewöhnlichen Menschen sein.

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Mehr menschlichkeit
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Dienstag, 5. februar 2008
40

Standards

Die Mauer ist noch keine neun Meter fünfzig entfernt. Puffer schreitet gerade demonstrativ die Entfernung ab, um dem ...  Ja, was macht denn der Schiedsrichter? Er läuft auf Puffer zu und gibt ihm in der Tat die Gelbe Karte. Hätte er sich auch denken können, so provokativ er das gemacht hat. Das lassen sich die wenigsten Schiedsrichter gefallen. Sie merken, in diesem Spiel steckt Feuer. Noch steht es Null zu Null. Aber aus dieser so oft geübten Standardsituation könnte das lang ersehnte Tor fallen. Noch sind sie nicht bereit. Die Italiener debattieren nach wie vor mit dem Schiedsrichter. Nur zögerlich gehen sie nach hinten. Es wird wohl die letzte Aktion in der ersten Halbzeit sein.

Herr Katt sitzt im Fernsehsessel und telefoniert gerade mit Frau Dönges-Beinhard. "Haben Sie mir die neuesten Zahlen schon rübergemailt?" ... "Schön, dann schaue ich mir diese gleich an. Ich rufe zurück." Herr Katt klappt sein Handy zu. 

Endlich ist die Mauer fertig. Neben Puffer stehen Boggick und Zäh. Schau'n wir mal, was sie sich haben einfallen lassen. Der Schiedsrichter gibt den Ball frei. Boggick legt mit der Hacke auf Zäh, der paßt nach links zu ... Nein, nicht zu Puffer. Von hinten kommt Sand und knallt vollspan aufs Tor. Dinatodoni hält. Vielmehr faustet er den Ball zur Seite weg. Warum steht denn da draußen keiner? Eine Flanke, das wärs vielleicht gewesen. Nun ist es zu spät. Der Schiri pfeift zur Pause. Die Idee war ja nicht schlecht, aber nur mit Standards wird Deutschland dieses Abwehrbollwerk nicht knacken. Doch Überraschungsmomente habe ich auch keine gesehen. Trotzdem, da muß in der zweiten Halbzeit mehr kommen... 

Schon erhebt sich Katt aus seinem Sessel und geht in das Arbeitszimmer. Dem Kommentator hört er beim Hinausgehen nicht mehr zu. Er richtet sein Interesse jetzt vielmehr der Mail seiner Assistentin. Kurz überfliegt er diese. Sein Gesichtsausdruck verändert sich nicht sonderlich, aber ein gewisses Unbehagen darin ist nicht zu leugnen. Er greift zu seinem Handy, drückt die Kurzwahltaste und schon spricht er: ""Wie ist denn ihre Einschätzung?" ... "Also, das klingt aber eher suboptimal." ... "Und? An welche Lösung dächten Sie?" ... "Ja, ich sehe das auch so. Wieviele wären Ihrer Meinung nach von einer Freisetzung betroffen?" ... "Das scheint mir zu verhalten." ... "Ja, ich weiß. Aber verdoppeln Sie die Zahl. Und." Katt wartet einen kurzen Moment. "Machen Sie es kurz, schnell und schmerzlos. Am Besten, Sie schicken gleich morgen früh alles raus!" ... "Ja, ... morgen." Schon klappt Katt sein Handy zu. Er geht zu einem Schrank, öffnet diesen und holt sich ein Whiskyglas samt Flasche heraus. Dann geht er zum Fernseher zurück, setzt sich hin und schenkt sich das Glas voll. Genüßlich nippt er daran. "So Deutschland, voran!" entfährt es plötzlich seinem Munde.

Das Gespräch war kurz und bündig. So bekommt er noch die Nachrichtenmeldungen mit. Die US-Amerikaner wollen in den Iran einmarschieren. Sie sähen keine diplomatischen Lösungsmöglichkeiten mehr. Angesichts des desaströsen saarländischen Wahlergebnisses diskutierten die Vertreter der demokratischen Parteien über ein erneutes Verbotsverfahren gegen die rechtsextremistische NVP. Frau Leier von der KSU fordert als Innenministerin des Landes Niedersachsen, daß dies nun ernsthaft geprüft werden müsse. Es ginge schließlich nicht an, daß eine solche undemokratische Partei ihre braunen Parolen ungestraft verbreiten dürfe. Zugelich auch noch Steuergelder dafür kassiere. Dafür bekommt sie einhellig Zuspruch seitens aller Demokraten. Bei der Besetzung des Vorsitzendenpostens innerhalb der ÖCP/KSU-Bundestagsfraktion habe es noch keine Einigung gegeben. Aber sie stehe kurz bevor, laut dem ÖCP-Sprecher, Herrn Aitel. Der Vertreter des größten deutschen Arbeitgeberverbandes, Herr Raff, und der liberale Parteivorsitzende, Herr Bilanz, fordern im Rahmen einer internationalen Fachtagung, daß das Steuerniveau in Deutschland abgesenkt werden müsse. Vor dem Hintergrund eines sich global verschärfenden Wettbewerbs sei ein Festhalten an die bisherigen Steuersätze für die Hochverdiener und Unternehmen nicht förderlich aus Sicht der deutschen Wirtschaft. Dagegen stellen sich die Gewerkschaften für den öffentlichen Dienst bereits auf Streik ein, weil sich der Bundesminister gegen die geforderten Gehaltserhöhungen sträubt. Da wäre wohl ein Arbeitskampf nicht zu vermeiden. Aus dem Bereich Sport wird abschließend gemeldet, daß Trainer Altkötter nach vier sieglosen Spielen am Abend entlassen wurde. Es gäbe allerdings noch keinen Ersatz. Die Wetterfee meldet, daß für die kommenden Tage alles beim Alten bleibt. Grau in Grau. Dann hört Katt wieder die Stimme des TV-Kommentators.

Vielen Dank für diese Analyse, Lutz Wisser. Liebe Fußballfreunde. Lutz Wisser sagte uns soeben. Deutschland könnte nur ein Tor schießen, wenn die Standards einfach besser ausgespielt werden würden. Die Ecken und Freistoßflanken müßten viel präsiser kommen. Schließlich hätte man in der Mannschaft genügend Spieler, die von da oder dort auf's Tor köpfen oder schießen könnten. Lassen wir uns überraschen. Die Mannschaften stehen bereit. Der Schiedsrichter ... pfeift die zweite Halbzeit an. Puffer spielt zu Boggick. Ein langer Paß zu Sand. Der läuft an der Linie entlang und flankt. Aber Mantozzi ist dazwischen und klärt auf Kosten einer Ecke. Ja, Lutz. Hier haben wir eine weitere Ecke. Mal sehen, was die Jungs daraus machen. Eine typische Standardsituation ... Vielleicht ...

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Kultur-Schock
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Montag, 4. februar 2008

39

Die Erwachsenen unter uns Menschen haben weder menschenfreundliche Visionen noch menschenfreundliche Antworten auf drängende Fragen unserer Zeit. Ein paar Beispiele gefällig: Du Islamist du, du willst töten uns Christen. Dann wir dich fliegen nach Guantanamo und machen dort ein bißchen Waterboarding. Mal sehen wie lang aushälst du Luft aus Wasser, du dreckiger Islamist. So oder so ähnlich muß die Wirklichkeit ablaufen in den Foltergefängnissen und -kellern des US-Militärs, -geheimdienstes und anderer Nationen. Es wird in den USA ernsthaft darum gestritten, ob (!?) Waterboarding, also das Beinahe-Ertrinkenlassen Folter sei oder nicht. In einem Rechtsstaat. In DER Demokratie dieser Welt. Diese und andere produzieren viele, darunter auch sehr gemeine Waffen. Eine dieser gemeinen fiesen feigen ... Waffen sind Minen. Ob du aus der Türkei nach Griechenland oder umgekehrt gelangen willst, jedenfalls durch den Grenzfluß watend, oder als kosovarisches Kind/ Bauer spielen oder ackern willst, in Vietnam, im Irak, zwischen Nord- und Südkorea, in Tschetschenien u.v.a. unterwegs bist, ein falscher Tritt und schwups, da sind die Füße, Beine, Unterleiber ... weg. Das nennt sich dann Kollateralschäden. Übersetzt heißt das: lebenslange Verstümmelung oder Tod. Du demonstrierst friedlich für oder gegen etwas: Die peruanische, amerikanische, britische, italienische, spanische, schweizerische, deutsche Polizei kesselt dich ein, läßt dich frieren und die Blase in deine Kleidung entleeren und nennt das verfassungswidrige Verhalten dann mit dem Schlagstock in der Hand angemessen. Herr Ackermann und seine Hintermänner und Großaktionäre verdienen x,x Millionen Euro im Jahr, auch auf Kosten von Freisetzungen; Verzeihung: Massenentlassungen. Gehörst du zu jenen, die im Laufe von 12 Monaten keine neue Arbeit finden, dann Pech gehabt. Hartz IV winkt zur Belohnung. Ein bißchen Bürgersteig putzen, oder vielleicht sofort ein paar Pfandflaschen sammeln? Ist doch ein gutes Zubrot! Wie schaffen nur arbeitslose Nigerianer, Kolumbianerinnen, Iraner etc. in ihren Heimatländern zu überleben? Als Wohnsitzloser hast du erst recht schlechte Karten - überall. Aber selbst in Deutschland bist du deines Lebens nicht mehr sicher. Die haben da nämlich einen Tick mit dem sogenannten Asozialentum. Eine Verwechslung! Denn die wirklich Asozialen sind die weiter oben erwähnten, aber das will den nachfolgenden nicht in ihre Birne. Neonazitrupps schlagen Wohnsitzlose, gemeinhin auch "Penner" genannt, bei Nacht und Nebel den Körper zu Brei und schleichen sich dann mit einer "ernsten" Ermahnung aus dem Gerichtssaal. In den USA jagen nach wie vor Ku-Klux-Clan-Mitglieder, wenn auch heimlicher, den einen oder anderen "Nigger" aus dessen Hütte. Na ja, Rassismus ist weltweit verbreitet. Der Klimawandel auch. Der wird nach wissenschaftlichen Erkenntnissen durch den zu hohen und raschen CO2-Ausstoß, also durch das Verbrennen fossiler Rohstoffe, verursacht. Also erbauen wir doch wieder neue Atomreaktoren. Schließlich seien die klimaneutral. Das bißchen Radioaktivität mehr macht den Kohl auch nicht fett. Hauptsache, wir haben Strom für TV, Brotschneidemaschine und Ölverarbeitung. Außerhalb der großen Industrie- und Dienstleistungsländer grassieren Armut, Korruption und Kriege (Anm.: mit Beteiligung aller Industrie- und Dienstleistungsländer). Was tun wir? Wir denken an Zäune und Geschäft. Schließlich muß auch der ärmste Schlucker hinter Timbuktu oder sonstwo mit genmanipuliertem Saatgut oder Alkohol versorgt werden. Falls er damit nicht mehr zufriedenzustellen ist, dann klopft er natürlich, was Wunder, an unserer Tür und bittet um Einlaß. Die ganz Frechen unter denen wagen es in der Tat, unsere Festungszäune überklettern zu wollen. Die schießen wir kurzerhand runter. Wäre ja gelacht. Der Verbraucher will Fisch. Er kriegt Fisch. Wenn wir keinen Fisch mehr haben, weil das Meer keinen Fisch mehr beherbergt - das nennt man im Fachjargon Überfischung respektive Ausrottung -, dann gibt es halt keinen Fisch mehr. A propos Verbraucher: Der will auch jedes 1,79ntel Jahr eine neue Möbeleinrichtung. Dafür müssen Bäume her; äh, gefällt werden. So schwinden weltweit die Urwälder, zurück bleiben karge erodierende Landschaften. Na ja, und die Artenvielfalt nimmt rapide ab. Das nennt sich dann Artenschwund. Egal, wir werden uns schon zu helfen wissen. Schließlich gibt es Gentechnik und Pillen. Wenn wir gerade beim Verbraucher sind. Viele wollen auch noch Fleisch essen, obwohl erwiesen ist, daß zuviel davon das Entstehen von Krankheiten wie Gicht, Rheuma, Darmkrebs u.a. fördert. Auch hierfür müssen Wälder weichen. Die Rindviecher brauchen nämlich Gras- und Weideland. Das Gleiche gilt für die Papierherstellung. Soviel Fläche wie abgeholzt wird, läßt sich gar nicht wieder aufforsten. Erst recht nicht gleichwertig. Die Folge: Unfruchtbares Land, Savanne, Wüstenbildung. Und wenn ich noch an die ganzen unerwähnten Faktoren denke, die ich hier aber nicht mehr aufführen will, dann läßt sich für die Zukunft nur noch feststellen: So wird das nix, Mensch!
 

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Kultur-Schock
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Mittwoch, 30. januar 2008

38

Basis 1:
Jeder Mensch ist aufgrund seiner naturgegebenen Fähigkeiten in der Lage, selbst komplexe Bilder, Geräusche, Gefühle, Texte u.a. zu verstehen und vielfach zu verarbeiten. Zusammenhänge ergeben sich daher zwangsläufig von selbst. Das gilt unabhängig vom jeweiligen Schulabschluß.

Basis 2:
Ob jeder Mensch diese Fähigkeiten stets wachhält oder ob der eine oder andere eher zu geistiger und/ oder emotionaler Bequemlichkeit neigt, das steht auf einem anderen Blatt Papier.

Exakt an der Schnittstelle zwischen Basis 1 und Basis 2 verläuft die Grenzmarkierung, von der das Bewußtsein Millionen von unterschiedlichen Wegen einschlagen kann. Es reicht vom einen Extrem, "alles" wahrzunehmen, zu verarbeiten, einzuordnen, zu entscheiden bis hin zum anderen Extrem, nur die Faktoren wahrzunehmen, die für die tägliche Existenz entscheidend sind: In der Masse wohl Essen, Trinken, Waschen, Schlafen, Arbeiten und Fernsehschauen. Doch sowohl für den einen als auch für den anderen sind Veränderungen machbar, ganz zu schweigen von denen, die sich im mehr oder weniger stark ausgeprägten Bewußtsein ihrer Fähigkeiten dazwischen bewegen. Veränderungen, welche die eigene Rolle als Individuum innerhalb einer sozialen Gemeinschaft festigen.

Ein Beispiel aus der Vorgeschichte der Menschheit:

Maximal einhundertdreißig Zentimeter große Vormenschen streifen mit Holzknüppeln ausgestattet durch die Savanne auf der Jagd nach Beute. Einer von ihnen hockt auf einem Baumstumpf und sondiert die Umgebung, denn hohes Gras versperrt weitgehend die Sicht. Doch sie müssen noch Raubtiere fürchten, gegen die sie im Nahkampf keine Chance hätten.
Fallbeispiel 1: Da der Wächter sehr wachsam ist, entgeht ihm nicht, daß sich von hinten ein Rudel Urraubkatzen anschleicht. Er ruft die Gruppe zurück in Sicherheit. Darauf folgt soziale Anerkennung.
Fallbeispiel 2: Der Wächter achtet mehr auf seine Entzündung am rechten Fuß und übersieht dabei die schleichenden Urraubkatzen. Ein Gruppenmitglied wird daraufhin angefallen und getötet, die anderen kommen mit dem Schrecken davon. Der Wächter wird daraufhin aus der Gruppe ausgestoßen. Sein Todesurteil.

Millionen Jahre Evolution und menschliche Zivilisationsgeschichte später:
 
Die Weltmacht Pfiff greift das Land Pfurz an, das von Pfiff den Besitz von Massenvernichtungswaffen bezichtigt wird. Allerdings kommt schnell heraus, daß Pfiff nur an die riesigen Wasserressourcen Interesse hat. Das Wahlvolk in Pfiff unternimmt nichts, um das regierende Staatsoberhaupt zu entmachten, damit der Krieg sofort beendet werden kann.

Fallbeispiel 1: Die Verbraucherinnen und Verbraucher außerhalb von Pfiff gehen zwar auf die Straße und protestieren gegen diesen abscheulichen Angriffskrieg, aber gehen nach wie vor in McPfiff-Filialen, Pfiff-Kino, Pfiffee-Cafés und kaufen unbekümmert Produkte, die entweder aus Pfiff stammen oder von Firmen hergestellt werden, die von Pfiff-Unternehmen oder Pfiff-Bürgern beherrscht werden. Der Krieg setzt sich fort, Tag für Tag sterben Menschen in Pfurz.
Fallbeispiel 2: Die gleichen Verbraucherinnen und Verbraucher beginnen mehrheitlich zunächst Produkte aus Pfiff und von Pfiff-Firmen zu boykottieren. Der Massenprotest führt bereits nach einer Woche zu einem enormen Umsatzrückgang. Die Gewinnerwartungen werden schleunigst nach unten korrigiert. Die Börsenkurse drohen abzustürzen. Eine Woche später lenkt das regierende Staatsoberhaupt von Pfiff auf Druck der heimischen Wirtschaft ein, und zieht die ersten Truppenverbände aus Pfurz ab.   

Eine vierköpfige Familie freut sich bereits im Winter auf die kommende Urlaubszeit, denn die Planung steht jetzt an. Es muß das Wann, Wohin und Wie geklärt werden. Das Geld spielt keine bedeutende Rolle, denn der alljährliche Urlaub hat vor allem anderen Priorität. Schnell ist das Ziel klar; der Südosten soll es sein, und zwar die hinteren drei Wochen der schulischen Sommerferien. Nun fehlt nur noch die Entscheidung, ob mit der Bahn, dem Flugzeug oder dem eigenen Wagen. Auch hier entscheiden sie sich rasch. Sie werden dieses Jahr mit dem Flugzeug verreisen.

Fallbeispiel 1: Die Eltern gehen in das Reisebüro vor Ort und buchen nach eingehender Beratung die dreiwöchige Urlaubsreise. Das ist bereits die siebte Reise, die sie in "ihrem" Reisebüro gebucht haben.
Fallbeispiel 2: Die Eltern gehen dieses Mal ins Internet und buchen dort ihre Urlaubsreise. Da sie günstiger ist als gedacht, können sie die Reise etwas komfortabler ausstatten. Ihr bislang genutztes Reisebüro vor Ort schließt zwei Jahre später seine Ladentüren mangels Kundschaft.

Zwei Männer verbindet eine langjährige Freundschaft. Sie stammt noch aus der gemeinsamen Kindheitszeit, den elterlichen Verboten zum Trotz. Einer von ihnen ist Meuwe, der andere Roppe. Beiden leben hier, in Euroland. Nun stehen Wahlen in der Meuwai an und sie sind als Auslandsmeuwen aufgerufen ihre Stimme per Post abzugeben. Beide haben in Euroland Rassismus am eigenen Leib erfahren.

Fallbeispiel 1: Daher lehnen beide rassistische oder nationalistische meuwaische Parteien grundsätzlich ab. Sie wählen beide eine demokratisch gesinnte Partei, die Gewalt, Folter und Korruption ablehnt. In der Tat erfolgen in der Meuwai schrittweise Veränderungen in Richtung Humanität. Keine ethnischen Säuberungen, keine Folterungen in Gefängnissen mehr, ...
Fallbeispiel 2: Der meuwaische Freund wählt die gemäßigte Religionspartei, sein Freund, der Roppe, den politischen Ableger der roppischen Unabhängigkeitspartisanen. Zwei Wochen nach Ende der meuwaischen Sommerferien ist der meuwaische Freund noch nicht nach Hause zurückgekehrt. Sein roppischer Freund wundert sich und fragt dessen Arbeitskollegen, den er dazu extra aufsucht. Dieser erzählt ihm, daß sein Freund bei einem Überfall auf einen Militärposten in Nokama von roppischen Partisanen erschossen wurde. Er trauert.

Anhand dieser acht grobgestrickten Fallbeispiele möchte ich das Wesentliche verdeutlichen, daß nämlich im Rahmen der naturgegebenen menschlichen Fähigkeiten es durchaus möglich ist, den Aspekt Soziale Verantwortung höherzustellen als den Aspekt Materieller oder sonstiger Vorteil.

Also, Veränderungen sind machbar!
Aus sich selbst heraus und in sämtlichen Bereichen!
Allerdings nicht uneingeschränkt!
Denn es gibt auch nachvollziehbare (natürliche) Hindernisse!

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Wahlen 2008
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Montag, 28. januar 2008

37

Seit Jahren läßt sich in der Politik ein ganz bestimmter Trend verfolgen; die Wahlbürgerinnen und Wahlbürger verlieren zunehmend das Vertrauen in die Politik und die Politiker. Das hat nichts mit Politikverdrossenheit zu tun, wie es irrtümlicherweise in den 90er Jahren in den Medien verlautbart wurde, sondern vielmehr damit, daß die politischen Entscheidungsträger keine visionären Gedanken äußern und zukunftsweisende Entscheidungen fällen. Lieber denken und agieren sie für den Zeitraum einer Legislaturperiode und sorgen damit für Stillstand in allen politisch beeinflußbaren Bereichen. Und nicht minder bedeutungsvoll sind persönliche Eitelkeiten und das Verfolgen eigener Karrierepläne, weil sie visionäre Ideen - mögen sie eventuell unpopulär oder antiestablished sein - unterdrücken. Stattdessen werden alte Parolen, Verhaltensmuster oder Gedanken in "neuen Schläuchen" dem Wahlvolk angeboten. Seither verloren die beiden Volksparteien dramatisch an Zustimmung im Wahlvolk; mitunter im zweistelligen Prozentbereich.

Die Wählerinnen und Wähler spüren sowohl Ratlosigkeit als auch Stillstand und versuchen durch ihr Wahlverhalten verzweifelt gegenzusteuern. Der Erfolg ist mäßig, denn es gibt von Braun über (Dunkel)Rot, Gelb, Grün bis Schwarz keine politischen Alternativen in diesem Land. So kommen kaum noch klare Voten heraus. Ein Ausdruck der Verzweiflung ist die quasi vor zwei Jahren auf Bundesebene gewählte "Große Koalition". Zugleich sinkt aber von Jahr zu Jahr das Vertrauen in den demokratischen Staatsaufbau, randständige und radikale Gruppierungen werden somit zunehmend gestärkt. Und gestern?

In Niedersachsen verloren CDU und SPD zusammen ca. 9%, in Hessen verlor die CDU sage und schreibe 12%. Nutznießer dieses Wahlverhaltens war DIE LINKE. In Niedersachsen wird dennoch weiterhin die CDU mit der FDP regieren; in Hessen kündigt sich erneut eine Große Koalition an. Frau Ypsilanti von der SPD wird kaum Wortbruch begehen und mit der Linken koalieren wollen, um eine Große Koalition zu verhindern.

Alles zusammen ergibt für mich ein altbekanntes Bild; es erinnert mich nämlich an die Weimarer Republik. Auch da begann das Ende der ersten demokratischen Republik mit einer Großen Koalition, die nicht halten konnte, weil zuviele gegensätzliche Einzel- und Lobbyinteressen dagegensprachen. Dem Koalitionsbruch folgten Wahl auf Wahl das Erstarken radikaler Parteien (KPD, DNVP, NSDAP) und letztlich der Offenbarungseid, u.a. ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise ab 1929. Also, ich würde sagen, lassen wir uns mal in fünf Jahren wiedersehen!

Hinweis: siehe Linkliste unter (37) 

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Samstag, 26. januar 2008

36

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 - 1900), ein vermutlich großer wie auch stark umstrittener deutscher Dichter, Philosoph und Philologe, postulierte diese Aussage vor mehr als hundert Jahren. Er meinte damit, daß Gott tot sei, weil er und alle anderen Mitmenschen ihn getötet hätten, indem sie die christliche Morallehre nicht mehr geachtet hätten. Was die Morallehre betrifft, da hatte er wohl recht. Denn im 19. Jahrhundert zeigte sich das Großbürgertum beinahe zügellos. Aber letztendlich hatte er Unrecht. Weil. Gott hat nie gelebt. Zumindest nicht der Gott, den die Religion für die Gläubigen bereithält. Sowohl der christliche wie auch der islamische und jüdische Gott ist eine Erfindung von Menschen, die Macht nicht mehr teilen wollten. Ein Grund für den Ein-Gott-Glauben (= Monotheismus). Um diesen einen Gott haben die Manifestierer eine Religion gebastelt, die bereits mehr als zweitausend Jahre lang in die Menschheitsgeschichte hineinwirkt. Mit allen ihren Nachteilen!

Gott hat nie gelebt! Das dachte ich bereits in der 6. Schulklasse, als im Religionsunterricht zum wievielten Male die Frage nach ... aufgeworfen wurde. Und "Religion ist Opium für das Volk", begegnete mir zum ersten Mal in der Auseinandersetzung mit den Werken von Berthold Brecht. Das war damals. Heute gehe ich noch weiter.

Gott hat nicht nur nicht gelebt; nein, er wurde und wird in Form einer monotheistischen Religion auch als Krücke mißbraucht. Stütz' Dich auf diese Krücke, dann wird dir geholfen! So ein Schwachsinn. Ob geistig oder gefühlsmäßig wahrgenommen, spielt dabei keine Rolle. Es bleibt in meinen Augen wie in meinem Herzen wohlgezielter Schwachsinn.

Götter dagegen gibt es dagegen sehr. Aus diesem Grunde waren mir die im Deutschunterricht die alten Griechen mit ihren mystischen Götterwesen einerseits sympathischer, andererseits glaubwürdiger. Das läßt sich durchaus auf den Hinduismus, doch in erster Linie auf die Naturreligionen ausdehnen. Die Vielfalt innerhalb dieser religiösen polytheistischen Weltanschauung bietet eine deutlich größere seelische und moralische Heimat.

Aber vielleicht ist es letztendlich besser, eher an einen Gott als an Götter zu glauben, bevor man an gar nichts glaubt. Ob metaphysisch oder elementarphysisch. Von denen, die an gar nichts glauben, gibt es wahrscheinlich schon sehr viele.

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Kultur-Schock
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Samstag, 26. januar 2008

35

Die Nukleartechnik ist von Beginn an ein Politikum gewesen und bis heute geblieben. Schließlich diente ihre Entwicklung zunächst militärischem Nutzen; erst später wurde sie auch zivil in Gestalt von Atomreaktoren für die Stromgewinnung genutzt. Aus dem Schatten der Verharmlosungen und Verheimlichungen trat sie bis heute jedoch nie heraus, nicht zuletzt auch, weil anfangs verängstigte, später aufgeklärte kritische Bürger dieser gewaltighaltigen Technik eher ablehnend gegenüberstanden. Weltweit mußten daher mit wenigen Ausnahmen Politik und Atomwirtschaft samt ihrer Lobbyisten in der jüngsten Vergangenheit einlenken und Neubauten von Nuklearanlagen verschieben oder stoppen; in Deutschland wurde gar der Atomausstieg vereinbart.  

Doch vor dem Hintergrund des Klimawandels und einer global angestrebten CO2-Reduktion erlebt die Nukleartechnik neuerdings wieder Auftrieb, weil sie seitens der Befürworter als "klimaneutral" eingestuft wird. Persönlich bezweifle ich das, weil dabei zuviele Faktoren unberücksichtigt bleiben wie z.B. die riesenhaften Maßnahmen zur Erkundung von Uranvorkommen, deren großflächiger Abbau, Transport etc. Doch an dieser Stelle sollen diese Faktoren nicht weiter thematisiert werden. Vielmehr möchte ich hier auf die Folgen der bislang angewendeten Nukleartechnik erinnern. Ausgelöst wurde mein Vorhaben durch Textpassagen, die ich heute Vormittag in einer offziellen Ausgabe des kasachstanischen Staates mit dem Titel "Kasachstan - Daten, Fakten, Hintergründe" (copyright 2007 Botschaft der Republik Kasachstan in der Bundesrepublik Deutschland) zum früheren sowjetischen Atomwaffentestgelände Semipalatinsk lesen durfte. Demnach diente das Gebiet Semipalatinsk im heutigen Kasachstan der Sowjetunion zwischen 1949 und 1989 als Atomtestgelände. Insgesamt wurden dort 470 Atombomben gezündet, die addiert im Vergleich zur Hiroshimabombe einer 1000fach stärkeren Sprengkraft entsprechen. Es folgen nun die erwähnten Textpassagen:

"... Anfang der 90er Jahre wurde eine Studie über die Säuglingssterblichkeit in den an Semipalatinsk angrenzenden Gebieten durchgeführt. Danach stieg sie nicht nur in der ersten, sondern auch in der zweiten Generation. Den Höhepunkt erreichte die Säuglingssterblichkeit in den Jahren 1975 und 1976, als die Kinder verstrahlter Eltern selbst Kinder gebaren. Spätfolgen in der dritten Generation sind nicht auszuschließen. Gegenwärtig liegt die Zahl der Menschen, die von 1949 bis 1965 radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren, bei etwa dreißig Prozent der Bevölkerung des Gebiets. Die zweite Generation, 1965 bis 1980 von verstrahlten Eltern geboren, hat einen Anteil von vierzig Prozent an den Einwohnern von Semipalatinsk. Die dritte, nach 1980 geborene Generation stellt rund zwanzig Prozent der Bevölkerung. Insgesamt sind etwa 1,5 Millionen Menschen in Kasachstan verstrahlt." [Anm.: 15,4 Mio Gesamteinwohner] "Seit 1950, ein Jahr nach Aufnahme der Atomwaffentests, erhöhte sich die Kindersterblichkeit um 400 Prozent. Die Lebenserwartung sank im Jahresdurchschnitt um 25 Prozent. Vor Beginn der Versuche waren angeborene Fehlbildungen bei Säuglingen im Gebiet Semipalatinsk nicht häufiger als in anderen Gebieten des Landes. Danach aber stieg die Häufigkeit rapide und erreichte 1962 die Zahl von 212 Mißbildungen bei tausend Neugeborenen. Inzwischen sind 88 Prozent des Atomtestgeländes als ungefährlich ausgewiesen, acht Prozent bedürfen einer besonderen Untersuchung und nur 720 Quadratkilometer sind so stark radioaktiv verseucht, daß sie sich als Agrarland nicht mehr eignen und für den Mensch sogar lebensgefährlich sind." (Zitat S.143/144)

"Die Folgen für die Umwelt waren verheerend, ganze Landwirtschaftsgebiete wurden zerstört. Da es keine Umweltdaten für diesen Zeitraum gibt, läßt sich das tatsächliche Ausmaß der Schäden kaum einschätzen. Die vorhandenen Daten beweisen jedoch die weit über das Gebiet hinausgehende radioaktive Verseuchung. Die radionuklide Belastung von Milch und Fleisch aus den umliegenden Landwirtschaftsbetrieben überstieg die Norm- und zulässigen Werte um ein Mehrfaches. Das Fehlen eines Überwachungssystems der Umwelt, des Trinkwassers, der Lebensmittel und der landwirtschaftlichen Erzeugnisse führte zu zusätzlichen Strahlenbelastungen der Bevölkerung."
 (Zitat S.17/18)

"Die ökologischen Folgen der Atomtesta sind noch lange nicht überwunden, gefährdet ist die Gesundheit der Bevölkerung, beeinträchtigt ist die Landwirtschaft und die gesamte Wirtschaft der Region. Radioaktive Rückstände wurden in den Flüssen Tschagan und Aschtschisu, im Balapansee und anderen Gewässern im Gebiet entdeckt. Auf mindestens 4500 Quadratkilometern sind der Boden und die Hydrosphäre verpestet. Über zehn Millionen Curie radioaktive Stoffe sinbd an den unterirdischen Explosionsorten unweit des Irtysch konzentriert. Das Risiko besteht, daß Radionuklide über unterirdische Wasserläufe zum Irtysch gelangen. Neueste Stichproben, die eine erhöhte Tritiumkonzentration in den unweit der unterirdischen Räumen liegenden Bohrlöchern aufweisen, bestätigen diese Gefahr." (Zitat S.19)

Eindrucksvoller können Folgen einer destruktiven Technik nicht aufgezeigt werden. Es gibt schließlich noch ganz andere Belege - und zwar weltweit - für die (langfristige) Zerstörungskraft der Nukleartechnik, obgleich die Befürworter aus Politik, Wirtschaft und Lobbyismus das stets verharmlosen.

Hierzu zählen die weltweit verstreuten Atomwaffentestgelände der Franzosen (Nordafrika, Südpazifik), Briten (Australien), Chinesen, Inder, Pakistani, Nordkoreaner und nicht zuletzt der US-Amerikaner (Nevada, Süd- und Zentralpazifik). Die Folgen dürften sich nicht sonderlich von denen weiter oben geschilderten unterscheiden. Die Amerikaner haben es im Rahmen ihrer Tests sogar fertiggebracht, nicht nur zehntausenden Menschen ihre Heimat (z.B. Bikini-Atoll) zu rauben, sondern sie zudem unter einer dicken Betondecke eingekapselt für lange Zeit verseucht und unbewohnbar zu hinterlassen.

Hiroshima und Nagasaki, die beiden japanischen Orte, auf denen die us-amerikanische Air Force im zweiten Weltkrieg erstmals Atombomben abgeworfen hatte, sind immer noch radioaktiv belastet.

Tschernobyl 1984 wirkt bis heute nach. Neben tausenden von Soforttoten, siechte bis zum Tod und siecht bis heute ein Vielfaches an Menschen in einem erbärmlichen Gesundheitszustand nur so dahin. Fehl- und Mißbildungen treten auch heute noch auf. Die Kernzone in einem Umkreis von 60 km (!) gilt heute noch als sichere TODESZONE. Trotzdem wird das Atomkraftwerk nach wie vor betrieben. Die Ukrainer wollen scheinbar auf diese Stromgewinnung nicht verzichten. Dabei brauchen viele radioaktiv belastete junge Menschen dringend Entlastung vor solchen Strahlen. Seit damals sorgt ein in Westeuropa angeregtes Netz dafür, daß solche Jungen und Mädchen einen befristeten Erholungsurlaub in Westeuropa genießen können. Aber Tatsache bleibt auch, daß die radioaktive Verseuchung damals weite Teile Europas erfaßt hat. So ist heute noch in Deutschland der Verzehr bestimmter Pilzarten nicht angeraten. Finnland, Schweden, Polen, Tschechien und die Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Türkei spüren heute noch - wenn auch in  abgeschwächter Form - die Nachwirkungen des damaligen GAU.  

Weit weniger bekannt oder verdrängt ist, daß in den USA der späten 70er Jahre bereits der erste bekannte GAU (!), also ein paar Jahre früher, stattgefunden hat. Ich kann mich noch gut an die sehr kurze Nachrichtenmeldung im Fernsehen erinnern. Die Region um das us-amerikanische Atomkraftwerk "Three Mile Island" bei Harrisburg gilt seither als unbewohnbar. TODESZONE! Damals sind in der Folge zahlreiche Menschen sofort gestorben oder über Jahre hinweg genauso jämmerlich krepiert an den Strahlenschäden wie Jahre später in der ukrainischen Sowjetrepublik. Auch hier traten und treten Miß- und Fehlbildungen auf.

Wieviele GAUs haben in der Zwischenzeit noch ohne Wissen der Öffentlichkeit stattgefunden; vor allem in der Frühzeit, als den Menschen von den Behörden noch suggeriert wurde, daß ein einfaches Dach aus Zeitungspapier vor radioaktivem Niederschlag schützen würde.

Nach diesen Fakten wirkt die Tatsache, daß es weltweit Hunderte von Atomreaktoren mit der höchsten Dichte in Japan, Europa und im Osten der USA gibt, erst richtig bedenklich. Ob Windscale (England), Cattenom (Frankreich), Leibstadt (Schweiz), Doel (Belgien), Loviisa (Finnland), Krsko (Slowenien), Vandellòs (Spanien), Paks (Ungarn), Forsmark (Schweden), Temelin (Tschechien), Kola (Rußland), Latina (Italien), Cernavodâ (Rumänien), Ignalina (Litauen), Bohunice (Slowakei), Borssele (Niederlande), Kosloduj (Bulgarien), Biblis, Obrigheim, Isar 1 und 2, Krümmel (alle Deutschland), Point Lepreau (Kanada), Mcguire, Crystal River und Clinton (alle USA), Laguna verde (Mexiko), Atucha (Argentinien), Angra (Brasilien), Mezamor (Armenien), Ling'ao (China), Rajasthan (Indien), Chashma (Pakistan), Buschehr (Iran), Fukushima Daiichi (Japan), Wolsong (Südkorea), China Chan (Taiwan) und Koeberg (Südafrika); überall ist die Strahlenbelastung und die Verseuchung erhöht. Rund um das norddeutsche Geesthacht an der Elbe wurde jahrelang ein erbitterter Gutachterstreit ausgetragen, ob das nahgelegene AKW Krümmel für die erhöhte Zahl leukämiekranker Säuglinge verantwortlich sei oder nicht. Kürzlich widerlegte endlich eine großangelegte Studie, die mehrere AKW-Standorte umfaßte, die Behauptungen der AKW-befürwortenden Gutachter (was Wunder!!!), die gesundheitsschädlichen Folgen seien wahrscheinlich auf natürliche Ursachen zurückzuführen.

Doch der schleichende Tod durch strahlende Verseuchung scheint angesichts der Klimadiskussion nicht aufzuhalten sein. Mehrere Länder erklärten bereits, sie wollten auf Atomkraft weiterhin oder jetzt setzen, ungeachtet der unkalkulierbaren Risiken und unsicherer Standorte wie Erdbebengebiete (!?) Na, prost, fällt mir dazu nur noch ein. 


von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Naturtipps
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  • : 7.01.2008
  • : von Beate
  • : Dieser Blog enthält meine freigeistigen Meinungen zu allen gesellschaftlichen und poli-tischen Themenbereichen unserer Zeit.
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  • : weiblich
  • : 1.01.1960
  • : Nordrhein-Westfalen
  • : gehöre nicht dazu, aber bin doch Teil von ihnen

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