Donnerstag, 24. januar 2008

34

Die Russen drehen mal wieder an der Uhr, nicht wahr? Schaut, und wie sie drehen! Allerdings, das tun andere auch; und nicht minder schwungvoll. Was die Russen diesbezüglich betrifft, ist es nur die halbe Wahrheit. 

Denn lasse ich einmal die natürliche Paranoidität, die speziell jede Großmacht verfolgt, und die Gestörtheit Putins und seiner Hintermänner außer Acht, gibt es für deren Verhaltensänderung durchaus nachvollziehbare Gründe.

Wer wie die Noch-Weltmacht USA in Zeiten der konsolidierenden Schwäche seinen Partner innerhalb einer Dekade durch Nato-Ost-Erweiterung und Raketenschutzschild direkt bis vor die Haustür in die Enge treibt, der darf sich nicht wundern, daß die Russen einseitig die Aufhebung des Rüstungsstops in Europa erklären.

Weitere Faux-Pas stellen die rasante EU-Osterweiterung sowie das fragwürdige Eintreten für die wahrscheinlich einseitige Loslösung des Kosovos von Serbien - u.a. einem Kernland panslawistischer Weltanschauung. Hinzu kommen die stationierten und teilweise kämpfenden US-Truppen in Westeuropa und Zentralasien. 

Der schwelende Zwist um und die besondere Bedeutung des Kosovo gewinnen weltpolitisch immer mehr Eigendynamik. Daß die Russen daraufhin ausdrücklich betonen, sie hätten ein Recht auf den atomaren Erstschlag, wenn ihre Interessen gefährdet seien, ist zu vergleichen mit dem Rasseln der Klapperschlange, bevor sie auf einen Ignoranten zustößt. Es ist für die ganze Welt ein gefährliches Spiel, was die Amerikaner mit den Russen treiben.

Die Amerikaner wären gleichfalls sehr gut beraten, auf ihre europäischen Nato-Partner zu hören, die einem raschen Beitritt der Ukraine und Georgiens in das westliche Militärbündnis skeptisch gegenüberstehen. 

Es bleibt daher nur zu hoffen, daß der neue US-Präsident oder US-Präsidentin einen Kurswechsel vollzieht, was nicht bedeuten soll, jegliches Einmischen in russischen Einflußsphären wie damals während der ukrainischen orangen Revolution, sich von vornherein zu verbieten. Selbst Kritik an Tschetschenien darf auch sein - nur nicht gleich heute!

Das Ost-West-Verhältnis war stets eine sensible Beziehung und hat in der Vergangenheit arg gelitten. Zum einen geht es teilweise auf die Ambitionen Putins und seiner Gefolgsleute, aber überwiegend auf die Cowboypolitik der USA und deren Verbündeten zurück. Jedenfalls, das Verhältnis ist belastet und damit ungleich gefährlicher als zu Zeiten den "Kalten Krieges", weil die Welt durch Nuklearstaaten wie China, Indien, Nordkorea, Pakistan und Israel machtpolitisch deutlich polarer geworden ist.

Ein Pulverfaß steht bereits im Kosovo. Wer den Deckel abhebt, muß wissen, daß ein Funke genügen könnte.



von Beate veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Kultur-Schock
Kommentar hinzufügen Kommentare (1)    empfehlen
Donnerstag, 24. januar 2008

33

Eine ganz berechtigte Frage taucht heutzutage häufiger auf. Woran denken Sie zuerst, wenn Sie von organisiertem Verbrechen hören?

Persönlich bin ich mir da eben nicht mehr ganz so sicher, ob mir da Al Capone zuerst in den Sinn kommt oder doch die Gesichter unserer Politikerinnen und Politiker, Managerinnen und Manager, Großgrundbesitzerinnen und Großgrundbesitzer und Mitgliederinnen und Mitglieder der High-Society.

Also, das Antlitz von Hartmut Mehdorn oder Dr. Dieter Hundt verursacht bei mir doch mehr Magenkrämpfe als das vom alten Mafiapaten. Den hat schließlich die (korrupte) Justiz eingelocht. Aber bei diesen zutiefst sozialen Menschen von heute, wer schenkt denen mal zwei Jahre ein.



 

von Beate veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Visionen
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    empfehlen
Donnerstag, 24. januar 2008

32

ICH! ICH! ICH! Nur ICH! ICH zuerst! I'M FIRST! ÖSTERREICH ZUERST! Das ICH gewinnt seit Jahren an Fans. Will ich aus der S-Bahn aussteigen, versperren mir eine Menge ICH-Deppen den Weg. Im Straßenverkehr drängeln sich die unzähligen ICHs selbst auf Kosten eines eventuellen Unfalls noch im letzten Moment vor. Reißverschlußverfahren, schon mal gehört? Ja, aber ICH laß dich nicht rein. Wer will was geschenkt haben? ICHHHHHH. Vor der Bäckereitheke wartend kommt von hinten das ICH und will schon bestellen. HALT!!! Bis hier hin und nicht weiter! Ach, entschuldigen Sie, aber ICH habe Sie wirklich nicht gesehen. Man erlebt es am eigenen Leibe oder beobachtet als Dritte wie andere es erleiden müssen. Egoistischer Alltag in Deutschland. Doch das ICH macht sich breit; überall; hemmungslos. Und das ICH ist übertragbar, erweiterbar. Es beobachtet mich durch Videokameras, lauscht in mein Schlafzimmer, schnüffelt auf meiner Festplatte herum. Bald muß ich fürchten, daß ich beim Kotieren auch gefilmt werde. Denn das ICH will alles haben und alles zuerst wissen.

So ist es verständlich, daß mir das ICH allmählich zum Halse raushängt. Ich kann es nicht mehr ertragen, dieses ICH. Habe ich mich damals bei den Straßenwerbern geweigert, Scientology-Mitglied zu werden, um heute erleben zu müssen, daß fast die gesamte Gesellschaft, neuerdings auch der Staat zu einem rücksichtslosen scientologisierten ICH ohne Mitgliedsausweis degeneriert ist?


von Beate veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Wahlen 2008
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    empfehlen
Donnerstag, 24. januar 2008

31

... wächst ungehemmt. Seit dem "siecle des lumières" hat sich die Erdbevölkerung um ein Vielfaches vermehrt, was wohl auf den Fortschritt durch wissenschaftliche Erkenntnisse auf den Gebieten der Medizin, Landwirtschaft, Energiegewinnung etc. zurückzuführen ist. Doch mittlerweile haben wir die Schwelle von sechs Milliarden Menschen trotz zahlreicher Kriege, Hungersnöte, Seuchen etc. überschritten. Das Tempo des Wachstums nimmt beständig zu und allmählich erinnert mich die Entwicklung an ein früheres Experiment im Biologieunterricht. Wir haben in einem begrenzten Medium (Petrischale + Nährflüssigkeit = Erde) eine bestimmte Anzahl von Bakterien (= Urmenschen) bei konstanter Temperatur (= Weltklima) sich selbst uneingeschränkt vermehren lassen, dabei regelmäßig eine Bestandsaufnahme unternommen. Was passierte? In der Anfangsphase war das Wachstum sehr gering, die anschließende Vermehrungsphase zeigte ein stetig zunehmendes, also schneller werdendes Bakterienwachstum (!!!) bis zu dem Zeitpunkt, ab dem die konstante Phase erreicht wurde. Die Bakterien vermehrten sich also im gleichen Maße wie sie starben, verursacht durch ein Gleichgewicht von Nährflüssigkeit und giftigen Abfallprodukten. Anschließend folgte die letale Phase, in der quasi auf einem Schlag alle Bakterien abstarben.

Demnach befinden wir uns Menschen also noch in der Vermehrungsphase. Doch wie weit ist die konstante Phase entfernt? Beginnt sie gerade jetzt, im Jahr 2008, in zehn oder hundert oder doch erst in tausend Jahren?

Auch unsere Ressourcen sind begrenzt. Dazu zählen Ackerland, Wasser, Luft u.a. Handeln wir wider jeder Vernunft? Die Chinesen haben es mit einer restriktiven 1-Kind-Politik versucht. Sie sind am Menschen gescheitert. Warum haben bis heute nur die Chinesen eine Begrenzung versucht? Wem könnte etwas daran liegen, daß sich die Menschen weiterhin vermehren?

Mir fällt nur eine einzige Antwort ein. Den Befürwortern unseres Wirtschaftssystems, das einzig und allein vom Wachstum abhängig ist. Denn Wachstum ist das Schlüsselwort. Denn nur Wachstum verspricht die Sicherstellung einer Verzinsung. Die Verzinsung (Zinsen im engeren Sinne oder Spekulationsgewinne) anlagebereiten Kapitals.

Wozu werden Zinsen und Spekulationsgewinne verwendet? Nun, sie werden reinvestiert in neue flexible Kapitalanlagen und in Immobilien. Ziel ist, viel Grundbesitz zu erwerben. Hier läuft weltweit ein Konzentrationsprozeß ab. Denn privater Grundbesitz läßt sich umzäunen, bewachen, verteidigen. Darauf kann sich der Eigentümer zurückziehen. Unerwünschte und Habenichtse ausschließen!!!

Was ist mit plötzlichen Einschnitten wie Kriegen? Kriege haben nur die zu fürchten, die nichts besitzen oder ihr Kapital in Wertpapiere investiert haben. Denn Wertpapiere verlieren i.d.R. ihren Wert, z.B. durch eine Inflation (= Geldentwertung). Außerdem sind Kriege aus betriebswirtschaftlichem Sinn durchaus willkommen, sofern sie nicht allzu lange dauern und damit das Wirtschaften (= Verzinsung) verhindern. Kriege verursachen daher bei denen, die über viel Grundbesitz verfügen, keine nennenswerten Sorgenfalten? Eher im Gegenteil. Sie gewinnen auch hierdurch. Die Toten verlängern nämlich die Vermehrungsphase, die Zerstörungen sorgen für neues Wirtschaftswachstum. Schließlich muß wieder aufgebaut werden. Wer also bereits über viel Grundbesitz verfügt, der wächst mit dem neuerlichen Wirtschaftswachstum. Die Befürworter unseres Wirtschaftssystems kennen keine Scham, kein Gewissen, keine Verantwortung und keine Gnade.

Deshalb darf die Erdbevölkerung auch wachsen, wachsen und ...

von Beate veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Kultur-Schock
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    empfehlen
Donnerstag, 24. januar 2008

30

Der mdr ist eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt. Seine Fernseh- und Radioprogramme sind in Nordwest-Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Südwest-Brandenburg und Sachsen zu empfangen. D.h., das Sendegebiet erstreckt sich somit bis zur deutsch-polnischen Staatsgrenze und wahrscheinlich auch noch geringfügig darüber hinaus. Nehme ich geographische Kriterien zur Hand, dann liegt mehr als 60% des Sendegebiets allein im ostdeutschen Raum, der Rest teilt sich auf zwischen Norddeutschland und Mitteldeutschland. Warum nennt sich dieser Sender von der ersten Sekunde an also "Mitteldeutscher Rundfunk"?

Will dieser Name uns zu verstehen geben, daß östlich vom mitteldeutschen Rundfunk noch etwas Deutsches ist? Quasi als Erinnerung an verlorengegangene Gebiete, z.B. Schlesien? Es soll nach wie vor eine Menge Deutscher geben, die das Gebiet östlich der Oder als urdeutsches Territorium betrachten.

Tatsache ist, daß das deutsch-polnische Verhältnis von der Vergangenheit bis in die Gegenwart als belastet gilt. Das ist auch kein Wunder, nachdem was in mehr als 1000 Jahren zwischen diesen beiden Völkern vorgefallen ist - vor allem aus polnischer Sicht ist das Verhältnis arg getrübt. Kascinski her, Kascinski hin. Auch heute hegen viele Deutsche Ressentiments gegen Polen, und das Wissen voneinander ist hüben wie drüben  beschränkt. Leider liegen hierzulande den meisten Länder wie Spanien, Griechenland oder die USA näher als das direkte Nachbarland im Osten. 

Um nochmals auf den mdr zurückzukommen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Nichts ist für die Ewigkeit. Das gilt leider auch für den Frieden. Und wer weiß, Erika Steinbachs gibt es derer viele. Also, ihr Polen, seid auf der Hut und beoachtet genau, was in Deutschland passiert!

 

von Beate veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Linke Literatur & Toleranz
Kommentar hinzufügen Kommentare (1)    empfehlen
Mittwoch, 23. januar 2008

29

Dieses häufig zitierte Sprichwort beschreibt kurz und prägnant das Verständnis unserer menschlichen Welt. Jedenfalls höre ich diesen Ausspruch stets im Zusammenhang mit Ereignissen, die eine große politische oder wirtschaftliche Bedeutung besitzen. Aber regiert Geld wirklich die Welt? Ist es nicht eher ein Ersatzmittel, quasi eine Droge gegen die Ängste dieser Welt? Wer schließlich ausreichend Geld besitzt, muß keine Angst haben vor Krankheiten. Denn er kann sich einen (guten) Arzt und bei Bedarf hochwertige Behandlungsmethoden leisten. Einsamkeit im Alter? Keine Freunde? Kein Problem. Ein fahrbarer Untersatz, falls erwünscht, steht bereit. Der Tisch ist stets reichlich gedeckt, die Bude bleibt warm (mag vielleicht auch der Golfstrom abgesunken sein) ... der Urlaub ist auf Jahre hinaus gesichert. Wo liegt also das Problem?

Wie bitte? Sie haben heute schon nicht mehr genug Geld, um die GEZ zu bezahlen. Dann sind ihre Ängste absolut verständlich: Obendrein (fast) arbeitslos, eine unbezahlbar gewordene Wohnung, vergiftete LIDL-Nahrung, die Scheidung steht bevor. Alles Lebensnotwendige droht Ihnen im wahrsten Sinne des Wortes wie Sand zwischen den Fingern zu rieseln. Sie finden kaum noch Schlaf, Albträume begleiten sie. Sie befinden sich in einer unheimlichen Zwickmühle.


Der Wert des Geldes hängt bekanntlich vom Vertrauen der Leute ab. Falls dieses Vetrauen schwindet oder gar erlischt, besitzt Geld lediglich nur noch den Wert seines Materials. Selbst eine 1-Cent-Münze ist dann mehr wert als die heutige 200 Euro-Banknote. Kurios? Gar nicht. In Rumänien beispielsweise galten unter Ceaucescu für eine gewisse Zeit (westliche) Zigarettenpackungen mehr als die Landeswährung Leu. Warum sollte das nicht auch in einem größeren Maßstab, z.B. mit MegaBioMöhren (!) oder Quellwasser möglich sein.

Schließlich sind es die Ängste, nicht das Geld, die die Welt regieren. Die Lösung für manche Probleme liegt daher sehr nah. Es braucht aber ein wenig Kreativität. 

von Beate veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Kultur-Schock
Kommentar hinzufügen Kommentare (1)    empfehlen
Dienstag, 22. januar 2008

28

GewaltKonflikte

Wer Gewalt sät
Der wird Gewalt ernten!

Wer lebensunwichtiges
Eigentum mit Gewalt verteidigt
Dem wird steigende
Gewaltbereitschaft
Angetan.

Niemand
stiehlt oder raubt
Aus Spaß und
Dollerei

Wer keine Gewalt sät
wird Konflikte zwar nicht verhindern
Aber auch keine Gewalt ernten

von Beate veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Gedichte
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    empfehlen
Dienstag, 22. januar 2008

27

Jeder Vertrag basiert letztendlich auf die Verarbeitung von dinglichen Stoffen. Mag er noch so abstrakt sein.

Auf einer Tauschbörse geben Sie Ihren alten Kinderwagen gegen ein altes Radio ab. Ware gegen Ware.

Kaufen Sie sich morgens beim Bäcker ihre Brötchen, dann geben Sie der Verkäuferin das Geld und im Gegenzug erhalten Sie die Brötchen überreicht. Nun, Brötchen bestehen aus Mehl, Wasser etc., das Geld aus Metall. Das dürfte soweit klar sein. Ware gegen Bargeld. 

Beim Juwelier entscheiden Sie sich für den Kauf eines wunderschönen Ohrrings aus Feingold mit jeweils einem Smaragd. Sie legen die Kreditkarte zur Bezahlung auf den Tresen. Einmal RitschRatsch und der Vertrag ist abgeschlossen. Ware gegen Plastikgeld.

Ihre Hausbank macht Ihnen ein besonders günstiges Angebot. Sie können Anteile an einem Immobilienfonds spektakulär günstig erwerben. Hier wird es bereits etwas komplizierter, denn die Anteile bekommen Sie nicht ausgehändigt, aber Ihrem Depotkonto gutgeschrieben. Zugleich wird Ihr Girokonto belastet. Wertpapiere (Ware) gegen Buchgeld.

Auf Ihrer Urlaubsreise im fernen Buenos Aires wechseln Sie bare Euros gegen bare Landeswährung. Bargeld gegen Bargeld.

Die Aktienkurse sind nach Jahren der Hausse urplötzlich abgestürzt. Ihnen drohen enorme Kursverluste. Sie verkaufen zähneknirschend mit Verlust, weil Sie die Hypothek auf Ihrem Haus bedienen müssen. Wertpapiere (Ware) gegen weniger Buchgeld. Um das Loch zu stopfen, müssen Sie fortan mehr arbeiten, also schneller und mehr produzieren (lassen).

Während Sie diese Beispiele lesen, tauchen bei Ihnen bestimmt Fragen auf. Zum Beispiel: Was soll das? oder: Wieviele Bäume, Kohle und Metalle müssen der Erde entnommen werden zur Gewinnung von Energie und dessen Einsatz für Verarbeitung, Produktion und Transport der genannten Waren (inklusive Geld)? Wieviele Bäume, Kohle und Metalle müssen der Erde zusätzlich entnommen werden, um Verluste auszugleichen?  

Dabei wächst die Menschheit Tag für Tag ungebremst.
Gut für das Wirtschaftsleben!

Dingliche Stoffe sind endlich!
Schlecht für die Wirtschaft!

Was ist gut für die Menschheit?

von Beate veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Kultur-Schock
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    empfehlen
Montag, 21. januar 2008

26

Law-and-order-Parolen sind seit einigen Jahren in aller Munde. Hartes Durchgreifen gegen alles und jeden, der irgendwie verdächtig wirkt, ist seither in vielen Ländern dieser Erde angesagt.

Doch Law-and-order hat zu zahlreichen unschuldigen Opfern geführt! Denjenigen, die hartes Durchgreifen befürworten, scheint das egal zu sein. Und sie mißbrauchen Law-and-order als einseitig wirksame Waffe gegen andere. Unliebsame. Ausgestossene. Nonkomformisten. Andersdenkende. Einseitig auch deshalb, weil ansonsten müßten viel mehr Befürworterinnen und Befürworter von Law-and-order vor Gericht stehen und nach gültigem Recht verurteilt werden.

Dem ist nicht so! Traurig, aber wahr. Weltweit.


Hinweis: siehe Linkliste unter (26) 

von Beate veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Kultur-Schock
Kommentar hinzufügen Kommentare (0)    empfehlen
Montag, 21. januar 2008

25


Frei und unversehrt

Sapienso, ein flacher sechsfingriger Roboter, kauert auf dem Boden eines größeren Platzes. In seinem Rücken ist eine Gasse erkennbar, die links und rechts von niedrigen Gebüschen begrenzt wird. Sie scheint vom Platz aus schnurgeradeaus wegzuführen. Leider läßt sich das nicht genau sagen, weil sie wirkt leicht abschüssig. Just in dem Augenblick als Sapienso sich am Kopf kratzt, erscheinen drei junge, aber nicht minder furchterregende Kaosi. Sogleich stürzen sie sich auf ihn. Sapienso flüchtet. Die Gasse scheint der einzige Ausweg. Also hinein und die Kaosi hetzen hinterher.

Während der Verfolgung wachsen die Gebüsche immer mehr in die Höhe, so daß es allmählich dunkler wird. Außerdem verdichten sie sich zu einer undurchdringlichen regelrechten grünen Mauer. Immer wenn Sapienso sich umschaut, dann scheint von Mal zu Mal das rotgelbe Innere in den zähnefletschenden Mäulern der Kaosi heller zu leuchten. Sapienso gerät darüber so in Panik, daß er zwei Seitenausgänge verpaßt, die nur er hätte benutzen können. Denn selbst die Körper der jungen Kaosi sind noch zu groß für solche winzigen Lücken. Sie holen auf. Er mobilisiert seine letzten Reserven.

Die Gasse verengt sich stetig. Im Dämmerlicht nimmt Sapienso nur noch das Unfaßbare wahr. Dort vorne endet die Gasse. Eine Sackgasse!? Von tausend Gedanken gleichzeitig bleibt nur einer übrig: Über diese hohen Wände komme ich niemals. Was machen? Noch ein paar Schritte, dann ... Schon schnappt das erste Kaosi nach einem seiner hinteren Finger, aber es verfehlt ihn. Nochmal Glück gehabt. Sapienso verläßt sich auf die Ausgereiftheit seiner neuartigen Sprungtechnik. Also alle Kraft voraus. Und los! So springt er auf's Geradewohl ins Ungewisse und steigt immer höher. Er scheint es zu schaffen. Die Mauerkrone ist beinahe zum Greifen nah. Sapienso blickt zurück. Die Kaosi haben ihre Verfolgung aufgegeben. Erleichterung macht sich in ihm breit, obwohl ... Aber in der Tat. Er fliegt über die Mauer hinweg. Sapienso hat es geschafft, er ist frei. Und unversehrt. Nichts kann ihm mehr passieren. Freude zeigt sich überall bei ihm im Gesicht. Flugs wendet er es nach vorne. Und schaut geradewegs in das sperrangelweit aufgeklappte feuerrote Maul eines ausgewachsenen Kaosi.

von Beate veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch Community: Linke Literatur & Toleranz
Kommentar hinzufügen Kommentare (1)    empfehlen

über diesen Blog

  • : 7.01.2008
  • : von Beate
  • : Dieser Blog enthält meine freigeistigen Meinungen zu allen gesellschaftlichen und poli-tischen Themenbereichen unserer Zeit.
  • Zurück zur Startseite

Profil

  • : ein Zaungast
  • : weiblich
  • : 1.01.1960
  • : Nordrhein-Westfalen
  • : gehöre nicht dazu, aber bin doch Teil von ihnen

Empfehlen

Klicken Sie hier, um diesen Blog weiterzuempfehlen.

Links zu Blogverzeichnissen

Erstellen Sie einen Blog auf de.over-blog.com - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Werbung - Missbrauch melden