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Was mich stets in Erstaunen versetzt angesichts der Vielzahl von
Politik- und Geschichtswissenschaftlern sowie anderen Akademikern innerhalb der Kreise politischer Entscheidungsträger, Medienleuten, Militär, Polizei, Justiz und Lobbyisten, ist die
Tatsache, daß sie nicht gewillt sind, aus der Vergangenheit zu lernen. Seit Jahren ist eine zunehmende Abgrenzung der führenden Industrienationen zum Rest der Welt zu beobachten; die USA
errichten einen elektronisch hochgerüsteten Grenzzaun zu ihrem Nachbarland Mexiko und die EU-Europäer überwachen mit einem riesigen logistischen und technischen Aufwand (Marine, Luftwaffe,
Küstenwache etc.) die Gewässer entlang der nordafrikanischen Küstenlinie und verfügen ihrerseits über vergleichbare Grenzzäune in Nordafrika und entlang der EU-(Süd)Ostgrenzen.
Mit jedem Tag werden bestehende Lücken in jenen Systemen geschlossen; das Überwinden der Grenzen wird für die Flüchtlinge zu einem riskanten Unternehmen für das eigene Leben. Es sei hier an die
vielen Todesfälle erinnert durch Verdursten (lassen), Ertrinken (lassen), Verhungern (lassen), Erschlagen und Erschießen. Die zahlreich begangenen Menschenrechtsverletzungen sollen an dieser
Stelle allerdings nicht weiter thematisiert werden.
Vielmehr sei der Fokus auf die Menschheitsgeschichte gerichtet. Sie bietet anhand von ausgewählten Beispielen, die den weiter oben erwähnten Personenkreisen bekannt sind, die anschauliche
Erkenntnis, daß jede wie auch immer geartete Abgrenzung zum Scheitern verurteilt ist. Der RÖMISCHE LIMES wurde zum Schutze vor den germanischen Stämmen errichtet und nach und nach ausgebaut
und schrittweise mehr befestigt. Und? Half es was? Nein! Die Germanen überrannten den Limes in der Folgezeit mehrmals, plünderten die Städte des Römischen Reiches und sorgten damit für den
Untergang desselben. Die GROSSE CHINESISCHE MAUER wurde Jahrhunderte später zum Schutze vor den mongolischen Reitervölkern erbaut - geholfen hat auch sie nicht. China wurde
trotzdem über Generationen hinweg von Mongolen regiert oder war tributpflichtig und erlebte selbst nach dieser Epoche ausgewachsene Krisenzeiten. Was passierte 1989 mit
der INNERDEUTSCHEN MAUER? Sie fegte wochenlange friedliche Massendemonstrationen der DDR-Bürger hinweg. Alle drei Mauern degenerierten zu Geschichte mit anschließenden radikalen
Umwälzungen für alle dort lebenden Menschen.
Abgrenzungen dieser Art mögen unbestritten eine kurz-, vielleicht mittelfristig funktionierende Maßnahme sein. Solange der Druck von außen v.a. nicht sprunghaft zunimmt, d.h. die äußeren
Verhältnisse (Politik, Wirtschaft, Demographie) mehr oder weniger stabil bleiben - also keine zusätzlichen Bewegungen verursacht werden -, haben derartige Grenzanlagen nichts zu befürchten.
Das gilt für die drei angeführten historischen Beispiele genauso wie für die heutigen Grenzanlagen. Nur in einem Aspekt unterscheiden sie sich voneinander. Die Zeitdauer von der Errichtung bis
zum Zeitpunkt der Einbuße verkürzte sich. Hielt der Limes über mehrere Jahrhunderte dem Druck stand, verkürzte sich schon bei der Chinesischen Mauer dieser Zeitraum, ganz zu schweigen
von den 28 Jahren (!) der innerdeutschen Mauer.
Was wird also wohl werden aus den neuzeitlichen Grenzanlagen in Israel, den USA und Europa? Wie lange werden sie halten? Weniger als 28 Jahre? In einem bin ich mir absolut sicher. Sie werden
nicht fallen unter einem stetig wachsenden Druck, sondern die kritische Obergrenze wird plötzlich erreicht sein wie z.B. durch Völkerwanderungen. Weil wir alle in einer menschlichen Welt leben,
die überall vor großen Verwerfungen steht. Bewegungen, die hierdurch verursacht werden, lassen sich nicht mehr aufhalten - auch nicht durch festungsgleiche Grenzanlagen.
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