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Es bedarf wahrlich keines Hellsehers, um die Zukunft in groben Zügen zu erkennen. Ein bißchen Rechenkunst und gesundes Einfühlungs- und Urteilungsvermögen
offenbaren jedem, der es will, daß die kommenden Zeiten spürbar rauher werden. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind nur noch scheinbar Weltmacht Nr. 1. Staaten wie Rußland, China oder Indien
rücken vehement nach und sorgen für einen angeheizten Wettbewerb. Die militärische Rüstung wird allerorten hochgefahren. Doch einzig glaubwürdig erscheint mir vor diesem Hintergrund nur Indien.
Wahrscheinlich wird mir in diesem Punkt die Zukunft das Gegenteil beweisen. Hinzu kommen die nuklearen Wackelkandidaten Israel, Nordkorea, Iran und Pakistan, welche die Welt - besonders vor
dem Hintergrund eines Einflußes ideologisierter Fanatiker - bestimmt nicht sicherer machen.
Religiöser Fundamentalismus und Fanatismus breiten sich stetig aus; nicht nur bei Moslems, sondern auch bei Christen, Juden und Hindus. Demokratische Gesellschaften entziehen sich diesem Trend
nicht. Die Religionszugehörigkeit artet in bewaffnete Konflikte aus; die ersten Toten sind bereits zu beklagen - noch überwiegend in der islamischen Welt, aber infolge von laufenden
Terroranschlägen auch sonstwo in der Welt.
Der Kampf um Rohstoffe ist schon längst entbrannt. Bereits der erste Golfkrieg stand unter dieser Direktive. Wäre dies nicht der Fall gewesen, dann hätte Saddam Hussein schon damals seine Macht
eingebüßt. Doch er wurde in Ruhe gelassen. Es folgten kriegerische Konflikte in Westafrika (Diamanten), im Kongo (Metalle, Holz etc.), Irak (Öl) sowie handelspolitische Konflikte wie die
Sperrung der Öl- und Gaszufuhr Rußlands gegenüber der Ukraine und Weißrußlands. Wasserressourcen werden weltweit nationalisiert durch Talsperren- und Kanalbau.
Die Politik in den einzelnen Ländern nationalisiert bzw. ethnisiert sich zusehends. Grenzen werden wieder errichtet oder ausgebaut. Warenaustausch wird nur noch eingeschränkt erfolgen
(Protektionismus). Manche Staaten werden daher auseinanderbrechen. Darüberhinaus werden Minderheiten bestenfalls ausgegrenzt, vermutlich verfolgt, schlimmstenfalls vertrieben oder ermordet.
Die Weltwirtschaft wird in den kommenden Monaten und Jahren, ausgelöst durch die Hypothekenkrise in den USA, extrem leiden. Steigende Weltmarktpreise für Öl, Gas, Kohle und andere Rohstoffe sowie
aufkommender Protektionismus werden zusätzlichen Druck auf die Wirtschaft ausüben. Der Privatisierungswahn wird eine zusätzliche Belastung für die wirtschaftliche
Entwicklung darstellen. Überschuldungen, zunehmende Arbeitslosigkeit, Armut und Flüchtlingsströme werden überall drastische Folgen sein.
Der vom Menschen angestoßene und sich stetig beschleunigende Klimawandel wird weltweit für eine ungeahnte Verschärfung der Versorgungslage und für eine Verknappung an Siedlungsfläche sorgen.
Bangladesh ist ein Staat, der schon vor 20 Jahren zeitweise ganz unter Wasser stand, weil es größtenteils unter dem Meeresspiegel liegt. Wohin werden 200 Millionen Bangladeshi fliehen, wenn ihr
Land permanent unter Wasser steht? Was wird diese Flüchtlingswelle anstoßen? Eine weitere, noch größere womöglich? Wie lösen Menschen ein langandauerndes Dürreproblem? Oder wo Böden unter
sintflutartigen Regenfällen großflächig erodieren? Es kommt sicher Bewegung auf.
Da die meisten Menschen die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt haben, sie schlichtweg verharmlosen oder ignorieren, werden zwangsläufig dramatische Veränderungen erfolgen. Wozu bzw. wohin allein
nur die erwähnten Veränderungen konkret führen werden, das weiß ich nicht. Schließlich können Tendenzen und Strömungen gegenläufig sein und sich damit teilweise ausgleichen, sie können sich aber
genausogut auch überlagern oder gegenseitig verstärken. Doch eines ist gewiß: Die kommenden Jahrzehnte werden eine äußerst unruhige und unselige Zeit. Weltweit. Auch direkt vor unserer
Haustür. Womöglich ausgetragen im eigenen Heim. Wie und ob überhaupt die menschliche Welt diese Veränderungen überstehen wird, das bleibt womöglich abzuwarten. Aber frei nach Goethe läßt
sich sagen; wir können behaupten, dabei gewesen zu sein.