15
Vor einigen Jahren (ca. 1999) tötete in Hamburg ein sogenannter "Kampfhund" einen Kleinjungen auf der Rasenfläche
eines Parks. Ob der Hundehalter zur Rechenschaft gezogen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Doch in der Folgezeit entbrannte vor allem eine Diskussion über die verschiedenen Hunderassen, die
als Kampfhunde einstufbar seien. Ferner gab es zahlreiche Vorschläge für die Behandlung von Hunden im allgemeinen; diese reichten vom völligen Halteverbot bis zum Maulkorbzwang. Monate später
versachlichte sich die Diskussion ein wenig, weil die Protagonisten merkten, daß z.B. auch Schäferhunde als Kampfhunde gelten könnten. Gerade in Deutschland ein heikles Thema angesichts der
vielen Schäferhundvereine und Polizeischulen. Zwar war und bin ich kein Hundehalter, doch eines fiel mir damals schon auf. Seltsamerweise gerieten die betreffenden Menschen nie in das
Hauptblickfeld der Diskussionen. Dabei sind doch gerade sie, die Erwachsenen, für unser liebstes Haustier verantwortlich. Als Züchter, Erzieher oder Ausbilder und als Hundehalter. Gibt
es für alle Hundehalter die Verpflichtung, einen Hundeführerschein zu erlangen? Nein! Schließlich gibt es sogar Dackel, welche bekanntlich nicht zu den Kampfhunden gehören, die bereits
in der Vergangenheit Menschen totgebissen haben. Zwar im Schlaf, aber danach fragt der Tod nicht. Charaktertest für Hundezüchter? Hundehalterverbot für gewalttätige und psychisch labile oder
erkrankte Menschen? Fehlanzeige. Seither gab es immer wieder Bißunfälle oder tötliche Attacken von (Kampf)Hunden. Doch die erwachsenen Hundehalterinnen und Hundehalter blieben und
bleiben weiterhin völlig ausgeblendet. Statt Vorbeugung erfolgt, wenn überhaupt, nur nachträgliche Bestrafung.
Vor Jahren (ca. 2000) gab es in München einen dreizehnjährigen Jungen namens Mehmed, der durch zahlreiche Strafdelikte aufgefallen war. Aufgrund seines Alters war er nicht strafmündig. Die Eltern
wurden offenbar nicht zur Rechenschaft gezogen; auch nicht andere Erwachsene, die mit dem Jungen Umgang pflegten wie z.B. SchullehrerInnen, Sporttrainer, Jugendamtspersonal, Angestellter
sozial-pädagogischer Einrichtungen etc. Schließlich muß es Ursachen für Mehmeds Verhalten gegeben haben. Fehlanzeige! Die erwachsenen Verantwortlichen (jetzige Ministerpräsident und frühere
Innenminister der CSU, Beckstein; Ausländerbehörde) hatten nichts Eiligeres zu tun als einen minderjährigen Menschen in das Land seiner Eltern abzuschieben, obwohl er dorthin keine familiären
Kontakte besaß und nicht einmal die türkische Sprache beherrschte. Was für eine menschenverachtende Bestrafung.
Vor Jahren (ca. 2003) wurde ein achtjähriger Junge dabei "erwischt" wie er an einem jüngeren Mädchen Doktor spielte. Tatort: USA. Die Eltern des Jungen, Schweizer, flohen angesichts der
aufgeheizten Stimmung erst einmal aus dem Land. Die Justiz hatte nichts Besseres zu tun als einen Achtjährigen zu erwachsenen, zum Teil Schwerverbrechern einzusperren. In oranger
Anstaltskleidung. In Hand- und Fußfesseln. Irgendwann erkannte die amerikanische Justiz, daß die Vorwürfe des sexuellen Mißbrauchs haltlos waren. Der Junge wurde nach wochenlanger Haftzeit
entlassen. Was er wohl dort erlebt haben mag?
Vor Tagen (2008) begann in einigen Bundesländern der Landtagswahlkampf. In Hessen profiliert sich ein krimineller Ministerpräsident mit NPD-Parolen und fordert für straffällig gewordene
Jugendliche, v.a. für ausländische Jugendliche und Jugendliche mit Einwandererhintergrund, härtere und erweiterte Strafen. Als er Rückendeckung von der eigenen Parteibasis erhält, verschärft er
seine Forderungen, in dem er auch Kinder - also jünger als 14 Jahre - miteinbeziehen will.
Heute las ich, daß in Mexiko ein siebenjähriger Junge seine vierjährige Schwester beim Räuber-und-Gendarm-Spiel mit der Schußwaffe seines Vaters erschossen hat. Die Waffe lag auf dem Küchentisch.
Wieviele Jahre werden wohl noch vergehen, bis in einem ähnlichen Fall das Kind statt der Erwachsene zur Rechenschaft gezogen werden soll. Zehn? Fünf?
eure Kommentare