16
Hartmut Mehdorn, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, ist wahrhaftig der personifizierte Inbegriff von Inkompetenz und Raffgier. Jahrelang erhöhte
sich der Bahnvorstand unter seiner Führung in exorbitanterweise die Managergehälter [Stundenlöhne von mehr als 1.000 Euro (!?)]. Auch wenn aus meiner Sicht solche Gehälter grundsätzlich
nicht gerechtfertigt sind, bei der Deutschen Bahn AG fehlte dazu auch noch eine nachvollziehbare Begründung. Denn der massenhafte Stellenabbau dürfte wohl nicht als Erfolg gelten,
auf den Herr Mehdorn immer so gerne hinweist, oder doch? Jedenfalls, der Service läßt seit vielen Jahren arg zu wünschen übrig. Schlangestehen, kaputte oder nicht funktionsfähige Automaten, nicht
besetzte Schalter an kleineren Bahnhöfen, unverschämte Fahrpreiserhöhungen etc. zeigen eine ganz andere Erfolgsgeschichte. Nicht zu vergessen seien hier die ungefähr 140 Toten von Eschede. Kurz
gesagt: Die Gegenleistung fehlt also völlig.
Dann kamen die Tarifverhandlungen mit den einzelnen Gewerkschaften, die im Falle der GDL in einen monatelangen Arbeitskampf mündete. Der Bahnvorstand unter Herr Mehdorn war nicht in der
Lage, die berechtigten Forderungen der Lokführer anzuerkennen. Stattdessen verschärfte er durch seine Ignoranz die Tarifauseinandersetzung. Streik drohte. Der Vorstandsvorsitzende schwadronierte
in großen Worten davon, daß ihn ein Streik nicht schreckte. Das Management hätte vorgesorgt. Tausende von Eisenbahnern aus diversen Nachbarländern stünden bereit. Streik kam. Ein Desaster. Kaum
ein Zug kam pünktlich eingefahren. Was mir nebenbei hängengeblieben ist von solchen Streiktagen, waren die propagandistischen Bahnsteigdurchsagen: ... auf Betreiben der "Gewerkschaft der
Lokführer" verkehren die Züge heute mit erheblichen Verspätungen. Wir bitten Sie ... Von Verkehren konnte in dieser Zeit kaum die Rede sein. Zum Glück hat die GDL nicht wirklich Ernst gemacht,
denn obwohl sie streiken ließ, hat sie die Tarifauseinandersetzung nicht eskalieren lassen. Es wäre ein Leichtes für sie gewesen, alles lahmzulegen; vor allem vor Weihnachten. Sie unterließ es.
Dagegen wehrte sich der Bahnvorstand mit allen, auch unfairen Mitteln. Während laufender Verhandlungen hinter dem Rücken des Kontrahenten eine gerichtliche Verfügung erlangen zu wollen, gehört
wohl dazu. Eine im übrigen gängige Praxis von Unternehmensvorständen wie auch von Vorgesetzten im allgemeinen. Wahrscheinlich lernt man solche Praktiken in Seminaren innerhalb dieser
"eiskalten" BWL-Studiengängen.
Nachdem nun der Bahnvorstand oder vielmehr der Eigentümer, vertreten durch den Bundesverkehrsminister Tiefensee, mit der GDL eine Tarifeinigung erzielt hat, tönt Herr Mehdorn erneut: Stellenabbau
und Fahrpreiserhöhungen seien die Folge für die Mehrkosten von 50 - 65 Millionen Euro im Jahr. Nur zur Erinnerung, Herr Mehdorn. Ihre letzte Erhöhung der Managergehälter lag gleichfalls in dieser
Größenordnung, nachdem sie sich schon im neuen Jahrtausend mehrmals ein höheres Salär zukommen ließen. Dagegen kann ich mich nicht daran erinnern, daß die Lokführer in den letzten
acht Jahren eine Gehaltserhöhung erhalten haben. Unfähigkeit gepaart mit Halskrankheit ist eine gefährliche Kombination. Sie gefährdet generell die Existenz von Unternehmen und den Standort, in
diesem speziellen Fall den Standort Deutschland. ALSO: ZIEHEN SIE DEN HUT, Mehdorn! Nehmen Sie am besten alle Vorstandsmitglieder, die Sie unterstützt haben, gleich mit. Und
ziehen Sie bloß nicht über LOS.
Anmerkung: Die Rolle des zuständigen Fachministers bleibt hingegen äußerst fragwürdig. Mich beschleicht das Gefühl, er hat Herrn Mehdorn benutzt nach dem Motto: Schau' mal, ob er die
Tarifauseinandersetzung mit der GDL zu unseren Gunsten (keine Mehrkosten für den Staat) meistert. Halt' Du dich solange zurück. Pech gehabt! Die Rechnung ist nicht aufgegangen. Herr
Tiefensee kann allerdings unbeschadet aus dem Tarifkonflikt als der große Zampano auftreten, der er aber keineswegs ist.
eure Kommentare