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Was war das ein langwieriger Kampf mit dem Einzelhandel? Vor ungefähr drei Jahren! Ihr Widerstand grenzte geradezu an Willkür. Sie und die Getränkeindustrie
versuchten mit allen, auch unlauteren Mitteln die Einführung eines einheitlichen Pfandsystems für Einwegflaschen und -dosen zu verhindern. Die Leidtragenden waren zunächst die
Verbraucherinnen und Verbraucher. Wer erinnert sich noch an die leidigen Laufereien und Fragen. Wenn Sie die Flaschen nicht hier in dieser Filiale gekauft haben, dann können wir sie
auch nicht zurücknehmen. Der Hinweis, daß es sich schließlich um die gleiche Supermarktkette handle, zählte nicht. Denn jede Filiale einer Supermarktkette hatte sein eigenständiges
Pfandrücknahmesystem. Und wer schon in der richtigen Filiale war, aber keinen Kassenbon mehr vorweisen konnte, der bekam sein Pfandgeld auch nicht zurückerstattet. Dabei war die Idee und der
dahinterstehende Gedanke der damaligen rot-grünen Bundesregierung schlichtweg genial. Wer ein erhöhtes Pfandgeld (0,25 €) zahlen muß, der greift doch eher wieder auf Mehrwegpfandflaschen zurück
und entlastet damit die Müllentsorgung zugunsten der Umwelt. Wer dennoch Einwegflaschen oder -dosen kaufte, der würde sie sicherlich zurückbringen. Weniger wilder Abfall wäre die Folge. So
dachten wohl die für den Umwelt- und Naturschutz Verantwortlichen. Die Einführung der neuen Verpackungsverordnung (NVVO) erfolgte schließlich im Mai 2006, nachdem der zuständige grüne
Umweltminister Trittin erst mit Zwangsmaßnahmen drohen mußte.
Heute nun läßt sich die Frage stellen, ob die Erwartungen erfüllt worden sind. Keine Frage. Es liegt weniger Abfall auf den Straßen, am Wegesrand und in den Gebüschen. Unsere Umwelt scheint
"sauberer". Einwegflaschen sind dort kaum noch zu finden; lediglich die ohne (!?) Pfanderhebung. Aus umweltpolitischer Sicht ist dieser Umstand allerdings auch der einzige positive Aspekt.
Denn erstens geht die Anzahl der verkauften Mehrwegpfandflaschen von Jahr zu Jahr spürbar zurück, die Anzahl der Einwegflaschen und -dosen nimmt dagegen überproportional zu. Zweitens beinhaltet
die NVVO einen Kardinalfehler, denn sie bepfandet nicht wie der Name vermuten läßt, die Einwegverpackung, sondern den Inhalt. So durfte die Getränkeindustrie auf den Einbau zahlreicher
Ausnahmeregelungen in die neue Verordnung vertrauen. Sie nutzt sie weidlich aus. Wer den Getränkemarkt genau beobachtet, dem entgeht nicht, daß es zahlreiche Diät-, Mix-, koffeinartige
Getränke gibt, die der Verpackungsverordnung erstaunlicherweise nicht unterliegen. Die Verpackungen dieser Getränke sind daher überdurchschnittlich häufig als wilder Abfall oder
geordneter Hausmüll anzutreffen. D.h., sie gehen letztendlich dem vorbestimmten Recyclingkreislauf verloren. Und drittens werden darüberhinaus Woche für Woche neue Getränkekreationen in
Einwegverpackungen auf den Markt gebracht, die entweder legal (?) an der NVVO vorbei unbepfandet sind oder es finden sich pfandpflichtige Einwegverpackungen, die allerdings ohne Pfandsiegel
und damit auch am Recycling vorbei millionenfach verkauft werden. Für mich ist es unverständlich, daß z.B. schlanke 0,33L Coladosen grundsätzlich bepfandet sind, allerdings die frühere plumpere
Dosenform nicht. Ein Unding!!! Solche Irrungen sind allerdings auch regional unterschiedlich. So sind in der Hamburger Region die meisten pfandpflichtigen Verpackungen auch mit einem Pfandsiegel
versehen, dagegen in den Regionen Berlin, Köln, Ruhrgebiet und Frankfurt am Main gilt das genaue Gegenteil. Wahrscheinlich hängen die Zustände auch vom Engagement der jeweiligen
Umweltbehörden ab.
Und so lassen sich berechtigte Zweifel an der umweltpolitischen Wirksamkeit der NVVO nicht gänzlich verhehlen. Eine deutliche Nachbesserung - auch aus Wettbewerbsgründen - sowie ein besseres
Kontrollsystem sind dringend angezeigt. Ansonsten bleibt die NVVO das, was sie vermutlich auch sein sollte. Eine Mogelpackung und zugleich eine sozialpolitische Entscheidung, die allerdings
die Würde des Menschen eher verletzt. Denn landauf landab leben vom Sammeln bepfandeter Einwegverpackungen Zehntausende von HartzIV-Empfängern, Wohnsitzlosen, Drogenabhängige u.v.m. Was im
übrigen der Grund dafür ist, daß unsere Umwelt "sauberer" erscheint.
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