Montag, 21. januar 2008

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Soeben las ich bei "overblog" einen interessanten Beitrag über Gewalt, dessen Unterlassung oder Anwendung, was sie verursacht, wozu sie führen kann. Grundsätzlich lehne ich Gewaltanwendung ab, lediglich im Falle einer Notwehrsituation würde ich davon Gebrauch machen. Schon das Eintreten für andere, z.B. für (vermeintlich) Schwächere, beinhaltet stets das Risiko, manipuliert oder benutzt worden zu sein. Daher prüfe man wohl genau, bevor man sich für andere engagiert. Leider ist Gewalt allgegenwärtig geworden; sie begegnet uns in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf Schul- und Pausenhöfen, vor Kneipen und Restaurants, vor dem Sportstadion, in Kasernen und auf Polizeirevieren, auf allen TV-Kanälen, in der großen weiten Welt, in der Sprache von Wahlrednern und Präsidenten usw.

In diesem Zusammenhang sei auf den Kosovokrieg im Frühjahr 1999 erinnert, als die Nato ohne UN-Mandat (!) gegen die restjugoslawische, also überwiegend serbische Armee, zu Felde zog. Der Auftrag stand unter dem Motto: Verteidigung der Menschenrechte. Der damalige grüne Bundesaußenminister Joschka Fischer rechtfertigte die erste deutsche Kriegsbeteiligung nach dem zweiten Weltkrieg mit der Notwendigkeit des Eingreifens, um einen Völkermord an die betroffenen Kosovo-Albaner abzuwenden. Seither steht nach Ansicht vieler Fachleute die Anwendung eines völkerrechtswidrgen Angriffskrieges im Raume. Die restjugoslawischen Truppen und polizeilichen Sondereinheiten wurden bis hinter die serbische Grenze zurückgeschlagen. Eingesetzt wurden dabei von den Nato-Kampfverbänden u.a. zahllose Streubomben und plutoniumverseuchte panzerbrechende Munition.

Beide Waffenarten stehen im eklantanten Widerspruch zum Auftrag. Wie lassen sich Menschenrechte mit menschenrechtsverletzenden Waffenarten verteidigen? Nach meiner Ansicht in keinster Weise. Zumal die wenigsten Streubomben, die in hoher Zahl über den Kosovo abgeworfen wurden, überhaupt explodiert sind. Bis heute ereignen sich im Kosovo immer wieder Unfälle, in erster Linie trifft es dabei spielende Kinder, die auf Streubombenblindgänger zurückzuführen sind. (Frisch) Verstümmelte oder verkrüppelte Kinder, aber auch Erwachsene sind im Kosovo allerorten anzutreffen. Wie entsorge ich außerhalb meines Territoriums Nuklearabfall? Menschenverachtung pur! Ein ganz klarer Fall für hiesige Gerichte oder für das Völkerrechtsgericht in Den Haag!! Aber wo kein Kläger, da kein Beklagter!!!

Vor diesem Hintergrund erscheint mir auch der Auftragsgrund zweifelhaft geworden. Vor allem, weil auch der bewaffnete Arm der Kosovo-Albaner, die UCK, gegen das Völkerrecht verstoßen hatte. Daher rückt ein ganz anderer Aspekt in den Vordergrund. Der Südosten Europas galt bereits Jahre zuvor als ein riesengroßes Schlupfloch für viele Flüchtlinge aus allen Herren Ländern. Italien schien nicht in der Lage zu sein, seine lange Grenze entlang der Adriaküste ausreichend zu kontrollieren. Also, was lag näher, diese Region durch eigene Truppenverbände zu "befrieden", um somit den Flüchtlingen den Weg zu versperren. Es ist ihnen wohl gelungen. Denn auffällig ist, daß die Medien seit sieben, acht Jahren nicht mehr über Flüchtlingsschicksale an der italienischen Adriaküste berichten. Die Festung Europa nahm dort ihren Anfang. Und! Europa hat das Problem auf amerikanische Art gelöst. Stattdessen kommen die Flüchtlinge heute von Afrika über das Mittelmeer oder den Atlantik nach Zypern, Griechenland, Malta, Italien, Spanien und Portugal.

Eine Erkenntnis ist mir damals angesichts der Enthüllungen über die verwendeten Munitions- und Waffentypen gekommen: In meinen Augen hat dies die Grünen endgültig disqualifiziert. Sie sind seither unwählbar geworden!

von Beate veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Wahlen 2008
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Kommentare

Vielen Dank für den Kommentar und die positive Bezugnahme in diesem Artikel.

Menschenrechte verteidigen ist tatsächlich ein heikles Thema. Als Mitglied von amnesty international kann ich da ein Lied von singen. Ich kann Leute ja durchaus verstehen, wenn sie sagen, wir müssen doch den Leuten in Darfur helfen - mit Waffengewalt.

Diese Haltung hängt aber damit zusammen, dass für diese 'Lösung' Milliarden Euro und Dollars vorhanden sind, für den gewaltfreien Schutz von Organisationen wie Peace Brigades International oder die Nonviolent Peaceforce aber höchstens ein paar Millionen. Und die Medien berichten ja auch nicht viel über Friedensinitiativen von der Basis.

Genau darum schreibe ich meinen Blog.
Kommentarnr.: 1 Gepostet von: nonviolentpeaceblog (Website) am: 22.01.2008 18:43:48
Hallo Stephan! Ich bin nicht grundsätzlich gegen Gewaltanwendung, weil gewalttätige Konflikte noch zum menschlichen Leben gehören wie das Salz zur Suppe. Das läßt sich nicht wegleugnen. Und solange Gewalt bereits bei der Zeugung von neuem Leben angewendet wird - denken wir einfach an Vergewaltigungen -, geschweige denn bei der späteren Erziehung, durch die Polizei und das Militär bei Demonstrationen etc., solange wird Gewalt als Mittel zur Konflikteröffnung oder -beseitigung stets präsent bleiben. Gewaltanwendung ist von meiner Warte aus absolut legitim in einer Notwehrsituation. Die ist bei einem unmotivierten Angriff auf eine Person schnell gegeben. Inwieweit sich eine Notwehrsituation im Zusammenhang von Völker-, Stammes-, Religions- etc. Konflikten ergibt, aus der sich folglich "legitime" Gewaltanwendung ableiten läßt, da bin ich ehrlich überfragt. Dies hieße schließlich, den entstandenen Konflikt 100%ig analysieren zu können. Was fremde Kulturen betrifft, habe ich meine Zweifel, ob das gelingen könnte. Da maßen sich Außenstehende zuviel an. Eine nachhaltige Konfliklösung läßt sich letztlich eh nur durch friedvolle Aufbauarbeit erreichen. 
Antwort von: ein Zaungast (Website) am: 5.02.2008 13:13:44

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  • : 7.01.2008
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  • : Dieser Blog enthält meine freigeistigen Meinungen zu allen gesellschaftlichen und poli-tischen Themenbereichen unserer Zeit.
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