Montag, 21. januar 2008 1 21 /01 /2008 14:48

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Frei und unversehrt

Sapienso, ein flacher sechsfingriger Roboter, kauert auf dem Boden eines größeren Platzes. In seinem Rücken ist eine Gasse erkennbar, die links und rechts von niedrigen Gebüschen begrenzt wird. Sie scheint vom Platz aus schnurgeradeaus wegzuführen. Leider läßt sich das nicht genau sagen, weil sie wirkt leicht abschüssig. Just in dem Augenblick als Sapienso sich am Kopf kratzt, erscheinen drei junge, aber nicht minder furchterregende Kaosi. Sogleich stürzen sie sich auf ihn. Sapienso flüchtet. Die Gasse scheint der einzige Ausweg. Also hinein und die Kaosi hetzen hinterher.

Während der Verfolgung wachsen die Gebüsche immer mehr in die Höhe, so daß es allmählich dunkler wird. Außerdem verdichten sie sich zu einer undurchdringlichen regelrechten grünen Mauer. Immer wenn Sapienso sich umschaut, dann scheint von Mal zu Mal das rotgelbe Innere in den zähnefletschenden Mäulern der Kaosi heller zu leuchten. Sapienso gerät darüber so in Panik, daß er zwei Seitenausgänge verpaßt, die nur er hätte benutzen können. Denn selbst die Körper der jungen Kaosi sind noch zu groß für solche winzigen Lücken. Sie holen auf. Er mobilisiert seine letzten Reserven.

Die Gasse verengt sich stetig. Im Dämmerlicht nimmt Sapienso nur noch das Unfaßbare wahr. Dort vorne endet die Gasse. Eine Sackgasse!? Von tausend Gedanken gleichzeitig bleibt nur einer übrig: Über diese hohen Wände komme ich niemals. Was machen? Noch ein paar Schritte, dann ... Schon schnappt das erste Kaosi nach einem seiner hinteren Finger, aber es verfehlt ihn. Nochmal Glück gehabt. Sapienso verläßt sich auf die Ausgereiftheit seiner neuartigen Sprungtechnik. Also alle Kraft voraus. Und los! So springt er auf's Geradewohl ins Ungewisse und steigt immer höher. Er scheint es zu schaffen. Die Mauerkrone ist beinahe zum Greifen nah. Sapienso blickt zurück. Die Kaosi haben ihre Verfolgung aufgegeben. Erleichterung macht sich in ihm breit, obwohl ... Aber in der Tat. Er fliegt über die Mauer hinweg. Sapienso hat es geschafft, er ist frei. Und unversehrt. Nichts kann ihm mehr passieren. Freude zeigt sich überall bei ihm im Gesicht. Flugs wendet er es nach vorne. Und schaut geradewegs in das sperrangelweit aufgeklappte feuerrote Maul eines ausgewachsenen Kaosi.

von Beate - veröffentlicht in: Prosatexte belletristisch - Community: Linke Literatur & Toleranz
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über diesen Blog

  • : 7.01.2008
  • : von Beate
  • : Dieser Blog enthält meine freigeistigen Meinungen zu allen gesellschaftlichen und poli-tischen Themenbereichen unserer Zeit.
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