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Die Russen drehen mal wieder an der Uhr, nicht wahr? Schaut, und wie sie drehen! Allerdings, das tun andere auch; und nicht minder schwungvoll. Was die
Russen diesbezüglich betrifft, ist es nur die halbe Wahrheit.
Denn lasse ich einmal die natürliche Paranoidität, die speziell jede Großmacht verfolgt, und die Gestörtheit Putins und seiner Hintermänner außer Acht, gibt es für deren Verhaltensänderung
durchaus nachvollziehbare Gründe.
Wer wie die Noch-Weltmacht USA in Zeiten der konsolidierenden Schwäche seinen Partner innerhalb einer Dekade durch Nato-Ost-Erweiterung und Raketenschutzschild direkt bis vor die Haustür in
die Enge treibt, der darf sich nicht wundern, daß die Russen einseitig die Aufhebung des Rüstungsstops in Europa erklären.
Weitere Faux-Pas stellen die rasante EU-Osterweiterung sowie das fragwürdige Eintreten für die wahrscheinlich einseitige Loslösung des Kosovos von Serbien - u.a. einem Kernland panslawistischer
Weltanschauung. Hinzu kommen die stationierten und teilweise kämpfenden US-Truppen in Westeuropa und Zentralasien.
Der schwelende Zwist um und die besondere Bedeutung des Kosovo gewinnen weltpolitisch immer mehr Eigendynamik. Daß die Russen daraufhin ausdrücklich betonen, sie hätten ein Recht auf den atomaren
Erstschlag, wenn ihre Interessen gefährdet seien, ist zu vergleichen mit dem Rasseln der Klapperschlange, bevor sie auf einen Ignoranten zustößt. Es ist für die ganze Welt ein gefährliches Spiel,
was die Amerikaner mit den Russen treiben.
Die Amerikaner wären gleichfalls sehr gut beraten, auf ihre europäischen Nato-Partner zu hören, die einem raschen Beitritt der Ukraine und Georgiens in das westliche Militärbündnis skeptisch
gegenüberstehen.
Es bleibt daher nur zu hoffen, daß der neue US-Präsident oder US-Präsidentin einen Kurswechsel vollzieht, was nicht bedeuten soll, jegliches Einmischen in russischen Einflußsphären wie damals
während der ukrainischen orangen Revolution, sich von vornherein zu verbieten. Selbst Kritik an Tschetschenien darf auch sein - nur nicht gleich heute!
Das Ost-West-Verhältnis war stets eine sensible Beziehung und hat in der Vergangenheit arg gelitten. Zum einen geht es teilweise auf die Ambitionen Putins und seiner Gefolgsleute, aber
überwiegend auf die Cowboypolitik der USA und deren Verbündeten zurück. Jedenfalls, das Verhältnis ist belastet und damit ungleich gefährlicher als zu Zeiten den "Kalten Krieges", weil die Welt
durch Nuklearstaaten wie China, Indien, Nordkorea, Pakistan und Israel machtpolitisch deutlich polarer geworden ist.
Ein Pulverfaß steht bereits im Kosovo. Wer den Deckel abhebt, muß wissen, daß ein Funke genügen könnte.
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