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Seit Jahren läßt sich in der Politik ein ganz bestimmter Trend verfolgen; die Wahlbürgerinnen und Wahlbürger verlieren zunehmend das Vertrauen in die Politik und die Politiker. Das
hat nichts mit Politikverdrossenheit zu tun, wie es irrtümlicherweise in den 90er Jahren in den Medien verlautbart wurde, sondern vielmehr damit, daß die politischen Entscheidungsträger keine
visionären Gedanken äußern und zukunftsweisende Entscheidungen fällen. Lieber denken und agieren sie für den Zeitraum einer Legislaturperiode und sorgen damit für Stillstand in allen politisch
beeinflußbaren Bereichen. Und nicht minder bedeutungsvoll sind persönliche Eitelkeiten und das Verfolgen eigener Karrierepläne, weil sie visionäre Ideen - mögen
sie eventuell unpopulär oder antiestablished sein - unterdrücken. Stattdessen werden alte Parolen, Verhaltensmuster oder Gedanken in "neuen Schläuchen" dem Wahlvolk angeboten. Seither
verloren die beiden Volksparteien dramatisch an Zustimmung im Wahlvolk; mitunter im zweistelligen Prozentbereich.
Die Wählerinnen und Wähler spüren sowohl Ratlosigkeit als auch Stillstand und versuchen durch ihr Wahlverhalten verzweifelt gegenzusteuern. Der Erfolg ist mäßig, denn es gibt von Braun über
(Dunkel)Rot, Gelb, Grün bis Schwarz keine politischen Alternativen in diesem Land. So kommen kaum noch klare Voten heraus. Ein Ausdruck der Verzweiflung ist die quasi vor zwei
Jahren auf Bundesebene gewählte "Große Koalition". Zugleich sinkt aber von Jahr zu Jahr das Vertrauen in den demokratischen Staatsaufbau, randständige und radikale Gruppierungen werden somit
zunehmend gestärkt. Und gestern?
In Niedersachsen verloren CDU und SPD zusammen ca. 9%, in Hessen verlor die CDU sage und schreibe 12%. Nutznießer dieses Wahlverhaltens war DIE LINKE. In Niedersachsen wird dennoch weiterhin die
CDU mit der FDP regieren; in Hessen kündigt sich erneut eine Große Koalition an. Frau Ypsilanti von der SPD wird kaum Wortbruch begehen und mit der Linken koalieren wollen, um eine Große
Koalition zu verhindern.
Alles zusammen ergibt für mich ein altbekanntes Bild; es erinnert mich nämlich an die Weimarer Republik. Auch da begann das Ende der ersten demokratischen Republik mit einer Großen Koalition, die
nicht halten konnte, weil zuviele gegensätzliche Einzel- und Lobbyinteressen dagegensprachen. Dem Koalitionsbruch folgten Wahl auf Wahl das Erstarken radikaler Parteien (KPD, DNVP, NSDAP) und
letztlich der Offenbarungseid, u.a. ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise ab 1929. Also, ich würde sagen, lassen wir uns mal in fünf Jahren wiedersehen!
Hinweis: siehe Linkliste unter (37)