Samstag, 10. mai 2008

84

Ein Staat wie die Bundesrepublik Deutschland rühmt sich seit seiner Entstehung im Jahre 1949, auf ein demokratisch legitimiertes Fundament gegründet zu sein. Ob Konrad Adenauer, Hans-Georg Kiesinger, Hans Filbinger, Franz-Josef Strauß, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Hans-Dietrich Genscher oder Gerhard Schröder, Joschka Fischer, Angela Merkel u.v.a. Sie alle betonten oder betonen dies bei jeder sich bietenden Gelegenheit oder zu besonderen Anlässen. Dabei müßten sie es besser wissen.

Die Bundesrepublik Deutschland gilt gemeinhin als ein demokratisch gebildeter, organisierter und regierter Staat - von Anfang an. Es gibt die Gewaltenteilung (Legislative, Judikative und Exekutive), Parlamente, freie, geheime, gleiche und ... Wahlen, konkurrierende Parteien und Medien, Meinungsfreiheit und -vielfalt, eine Verfassung in denen die Menschenrechte als Grundrechte verankert sind, der oberste Militärbefehlshaber ist ein Zivilist etc. Als Bürgerin und Bürger könnten alle zufrieden sein. Oberflächlich betrachtet ja. Schaue ich hinter die Kulissen, dann folgt ein klares NEIN.

Zur Entstehung läßt sich folgendes in knappen Worten feststellen. Man mag sich darüber streiten, ob die monatelangen Vorbereitungen zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland demokratisch abliefen oder nicht. Aber an einer Tatsache kommt keiner vorbei. Nämlich an den Biographien der einzelnen Gründungsmitglieder und späteren Funktionsträger des neuen Staates. Viele von denen, die in der neuen Bundesrepublik zu Amt und Würden kamen, haben entweder im Dritten Reich erst Karriere gemacht, beispielsweise der spätere Bundeskanzler Erhardt, oder sie bereiteten den Nationalsozialisten mit ihrer Stimmabgabe am 5. März 1933 zugunsten des "Ermächtigungsgesetzes" erst den Weg zur Terrorherrschaft. Wer heute die Protokolle der damaligen, kurz vor der Reichstagsabstimmung gehaltenen Reden der Fraktionsvorsitzenden vom (katholischen) Zentrum, der Bayerischen Volkspartei (BVP, später CSU) und anderen demokratischen Splitterparteien (mit Ausnahme der SPD) liest, der bekommt das kalte Grausen. Auf der Anwesenheitsliste zur damaligen Reichtstagssitzung befinden sich zudem illustre Namen, die anschließend in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland eine Rolle spielen sollten. Als also die Nationalsozialisten die Macht im Deutschen Reich endgültig übernommen hatten, wurde der Kölner Bürgermeister und Zentrumspolitiker Konrad Adenauer seines Amtes enthoben. Statt sich wie einige andere "kleineren Leute" weiterhin politisch zu betätigen und somit auch das eigene Leben womöglich zu riskieren, zog er sich selbstgefällig auf sein Anwesen zurück und begann Blumen zu züchten (!), während in den folgenden zwölf Jahren Millionen Menschen rings um ihn herum ermordet wurden. Die Disqualifikation schlechthin. Was ist aus ihm geworden? Der erste Bundeskanzler! Erhardt wurde trotz seiner Karriere im Dritten Reich auch Bundeskanzler. Der Zweite! Der Dritte, ein gewisser Kurt-Georg Kiesinger wurde auch Bundeskanzler, obwohl er im Göbbelschen Reichspropagandaministerium Karriere machen durfte. Hans Filbinger stürzte als baden-württembergischer Ministerpräsident erst als bekannt wurde, daß er als Marinerichter im Dritten Reich noch kurz vor der bedingungslosen Kapitulation Matrosen zum Tode verurteilte. Die Urteile wurden zudem auch noch vollstreckt. Diese vier Beispiele stellen lediglich die Spitze des nationalsozialistischen Eisbergs im Fahrwasser der Bundesrepublik Deutschland dar. Ihnen ließ sich eine Unmenge an Namen von Personen hinzufügen, die im Dritten Reich Schuld auf sich geladen hatten und in der Bundesrepublik ihr Leben mehr oder weniger unbehelligt als Parlamentarier, Staatssekretäre, Botschafter, Richter, Staatsanwälte, (Kriminal)Polizisten, Zöllner, Offiziere, Verwaltungsbeamte, Bahnbedienstete, Ärzte, Journalisten, Unternehmensführer, Manager usw. sorgenfrei weiterführen durften. Die Zahl derer umfaßt etliche Millionen. Millionen, die aufgrund ihrer hervorgehobenen gesellschaftlichen oder beruflichen Stellung andere Menschen (nicht selten Untergebene) durch ihr nationalsozialistischen Gedankengut beeinflußen konnten und noch können.

Wer kann angesichts dieser Tatsachen noch ernsthaft daran glauben, daß es sich bei der Bundesrepublik Deutschland um einen demokratisch organisierten und regierten Staat handelt? Ist es nicht vielmehr ein Staat, in dem zwar keine Bücher öffentlich verbrannt werden, aber die Glut dieser natioalsozialistischen Hetzaktion schleichend weiterschwelen konnte und hie und da in der Vergangenheit mal offen ausbrach. Heute stehen wir in Deutschland kurz davor, daß der Brand bald flächendeckend wieder lodert. Recht und Gesetz werden beinahe allerorten von den drei Gewalten mißachtet. Öffentlich zur Schau gestellte Ignoranz und Arroganz trifft unschuldige, verzweifelte, verarmende Menschen, die zum Hohn auch noch Spott und Häme über sich ergehen lassen müssen. Nicht selten werden sie mit Begriffen wie Schmarotzer, Asoziale und Abschaum in ihren Rechten verletzt und gedemütigt. Arbeitgeber verfolgen eine eiskalte Betriebspolitik. Dieser Sozialrassismus und und die Gier erinnern mich augenscheinlich an die Zeit des Dritten Reiches. Von Jahr zu Jahr wird es schlimmer. Daher gebe ich der Bundesrepublik Deutschland maximal noch fünf Jahre, bis auch dem allerletzten Depp klar geworden sein dürfte, auf welchem Weg wir uns seit mindestens neunundfünfzig Jahren befinden. Die nächste Bücherverbrennung steht an. Ganz sicher. Ganz sicher in Deutschland.

von ein Zaungast veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen Community: Balance
Kommentar hinzufügen Kommentare (2)    empfehlen

Kommentare

Starker Tobak! Das in Deutschland wieder Bücher brennen werden, kann ich mir aber nicht vorstellen. Höchstens Laptops...Das wir aber nicht in einer richtigen Demokratie leben, ist wohl wahr. Übersetzt heißt Demokratie ja "Volksherrschaft". Ist also schon ein Widerspruch in sich. Banken, Aktiengesellschaften und ihre Handlanger, lenken die Geschicke in diesem Land. Zeit für eine linke Revolution!
Kommentarnr.: 1 Gepostet von: travis (Website) am: 11.06.2008 10:36:24
Also-kann ich auch nicht zustimmen. Klar,ist die "Braune Soße" ärgerlich und man muß die Kontrolle behalten..da es sich aber hier wieder um eine Gruppe Dummbolzen handelt(und wieder kein Mensch glaubt, das solche Leute wieder an die Macht kommen)deren intelligenter Führer und Verführer und Devil in einer Person ja noch fehlt. diese Anti-Christ möge auch nicht noch einmal erscheinen. Allerdings "Zaungast" hört sich auch eher an, als wenn man dahinter Blumen züchtet und einen das ja nichts angeht hinter'm "Zaun"....Aber, ich persönlich sehe eine ganz andere Gefahr für Deutschland, und das sind die Deutschen selber! Hier muß unbedingt etwas geändert werden...und in dem Auftrag der Erziehung von Kindern und Jugendlichen...Gruß Mar-sho
Kommentarnr.: 2 Gepostet von: buddhismus-als-lebenshilfe.over-blog.com (Website) am: 11.06.2008 20:41:57

über diesen Blog

  • : 7.01.2008
  • : von Beate
  • : Dieser Blog enthält meine freigeistigen Meinungen zu allen gesellschaftlichen und poli-tischen Themenbereichen unserer Zeit.
  • Zurück zur Startseite

Profil

  • : ein Zaungast
  • : weiblich
  • : 1.01.1960
  • : Nordrhein-Westfalen
  • : gehöre nicht dazu, aber bin doch Teil von ihnen

Empfehlen

Klicken Sie hier, um diesen Blog weiterzuempfehlen.

Links zu Blogverzeichnissen

logiciel de création de site internet sur de.over-blog.com - Kontakt - Nutzungsbedingungen - Werbung - Missbrauch melden