Donnerstag, 24. april 2008 4 24 04 2008 13:38

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China habe ich noch nie in meinem Leben besucht. Das wird bis dahin wahrscheinlich auch noch etwas dauern. Daher sind mir Chinesen fremd. Von den paar Kontakten, die ich hier in Europa hatte und an zwei Händen abzählen kann, läßt sich auch nicht viel ableiten außer positive und negative oder gar keine Erfahrungen. Dennoch ist mir China nicht unbekannt. Ich habe ein Bild von diesem Land. Schließlich läßt sich darüber einiges in Erfahrung bringen, sei es durch Lesen, Hören oder Fernsehschauen.

Die Chinesen sind ein sehr altes Kulturvolk, dessen wechselvolle Geschichte bereits mehr als 5000 Jahre zurückreicht. Sie waren bereits Hochkultur, da existierten die Griechen in geschichtlich relevanter Form noch gar nicht. Diese Zeitspanne hat sie viel Wissen, viele Erfahrungen und viele Weisheiten ansammeln und lehren lassen. Man denke nur an Konfuzius oder Laot-ses Lehren. An TCM, Akupunktur und Tai-Chi. Über die Jahrtausende verinnerlichte und gelebte Traditionen. Welch' starkes Vermächtnis.

Umso krasser erscheint mir der Gegensatz zur Gegenwart.  Maos Kulturrevolution in den 60er Jahren ließ das Land in Blut ertrinken. Panzer überrollten 1989 friedliche studentische Demonstranten. Die Nationale Volksarmee schoß wahllos in die Menge und richtete damals im Herzen Pekings ein Blutbad an. Flüsse erstrahlen zuweilen in bunten Farben, weil Chemikalien durch Unfall oder vorsätzlich eingeleitet wurden. Tibet wurde vor mehr als 50 Jahren annektiert und seither chinesisiert. Kohlegruben befinden sich in einem maroden Zustand und führen regelmäßig zu fahrlässigen Bergwerksunfällen. Die "abtrünnige" Insel Taiwan wird immer wieder bedroht. Hinzu kommen tagtägliche Bespitzelungen, Repressionen, Willkürmaßnahmen, Provokationen und nicht zuletzt rohe Gewalt gegen alle, die nicht auf Linie sind.

Warum wiederholt ein solch altes Volk die Fehler, die anderswo schon längst gemacht wurden und sich als unwirksam, geradezu kontraproduktiv erwiesen haben. Warum besinnen sich die Chinesen nicht auf ihre positiven Traditionen? Mit 5000 Jahren Kulturgeschichte im Rücken sollten Fehler dieser Art vermeidbar sein, nicht wahr? Erhabenheit über die kleingeistigen Motive wären zudem angebrachter. Oder ist dieses Vermächtnis gar nicht so stark wie ich glaube? Spielen fünf Jahrtausende keine Rolle bei der Beantwortung heutiger Fragen, bei der Entstehung von Motiven etc. Und jetzt!?

Jetzt schickten die Chinesen bzw. ihre kommunistisch-sozialistisch-marktwirtschaftlich orientierte Regierung einen Frachter los, bis unter die Dachluken beladen mit Waffen und Munition, adressiert an das totalitäre zimbabwsche Regime Robert Mugabes! Ich gebe zu: Ich verstehe es nicht. Es liegt wohl daran, daß ich nur ein paar Chinesen getroffen habe. In Europa.
 

von ein Zaungast - veröffentlicht in: Prosatexte Sachthemen - Community: Mehr menschlichkeit
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über diesen Blog

  • : 7.01.2008
  • : von Beate
  • : Dieser Blog enthält meine freigeistigen Meinungen zu allen gesellschaftlichen und poli-tischen Themenbereichen unserer Zeit.
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